Acht Monate in türkischem Gefängnis: Marco W. bedankt sich für die Unterstützung

17-Jähriger gab nach Entlassung erste Erklärung ab Missbrauchsverdacht: Schüler wieder in Deutschland

Acht Monate in türkischem Gefängnis: Marco W. bedankt sich für die Unterstützung

Der aus türkischer Untersuchungshaft entlassene deutsche Jugendliche Marco W. hat sich bei allen bedankt, die ihn während der acht Monate mit Briefen oder Faxen unterstützt haben. "All das hat mir viel Kraft gegeben, und dafür bedanke ich mich", sagte der 17-Jährige in einer von mehreren Fernsehsendern ausgestrahlten Erklärung. "Ich bin überglücklich, dass ich wieder mit meiner Familie zusammen bin und mit ihnen Weihnachten feiern kann." Wo sich der Schüler aus Uelzen aufhält, der in einer Privatmaschine in Nürnberg eingetroffen war, blieb unklar.

Marco wolle sich erst einmal ausruhen, sagte sein Anwalt Michael Nagel. Er werde deshalb auch bis auf weiteres nicht nach Uelzen zurückkehren. Dort bereitete man sich auf die Begrüßung des Jugendlichen vor. "Es wird einen Empfang und ein Treffen mit der Stadtspitze geben, wenn Marcos Familie das möchte", sagte Bürgermeister Otto Lukat (SPD) der AP. Man werde sich dabei ganz nach den Wünschen der Familie richten. Marco brauche zunächst Ruhe.

Seit April in U-Haft
Der Schüler war von Antalya nach Nürnberg geflogen und wurde von dort an einen unbekannten Ort gebracht. Marco hatte wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen seit April in türkischer Untersuchungshaft gesessen.

Jetzt ist er aus der Haft entlassen worden, nachdem das Gericht in Antalya den Prozess auf den 1. April nächsten Jahres vertagt hatte. Wegen der langen Dauer ordnete der Richter eine Haftverschonung an. Marcos Anwälte hatten sich mit Hinweis auf die Strapazen der Haft dafür eingesetzt, dass der Jugendliche Weihnachten mit seiner Familie in Uelzen feiern kann. Dem Schüler wird vorgeworfen, sich während eines Osterurlaubs in der Türkei an einem 13-jährigen Mädchen aus England vergangen zu haben. Er bestreitet die Anschuldigung und hat erklärt, es sei in gegenseitigem Einvernehmen zu Zärtlichkeiten gekommen. Außerdem habe Charlotte vorgegeben, 15 Jahre alt zu sein.

Deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt
Ob Marco zur Fortsetzung des Prozesses in die Türkei zurückkehrt, bleibt ihm überlassen. Der Strafverfolgung kann er sich in keinem Fall entziehen: Wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen den Schüler ermittelt nämlich auch die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Lüneburg.

Der Anwalt von Charlotte, Ömer Aycan, kündigte an, er werde Beschwerde gegen Marcos Freilassung einlegen. "Unserer Meinung nach sollte er während der Dauer des Prozesses in Haft bleiben", sagte er. Dies erfordere die Beweislage. Aycan dringt auf eine Verurteilung wegen Vergewaltigung.

(apa/red)