Abwarten und Wein trinken als ÖSV-Motto?
Trotz Krise gibt es keine Trainerdiskussion

Pum gegen "Schnellschüsse", plant aber Veränderung UMFRAGE: Sollen die Trainer ausgetauscht werden?

Abwarten und Wein trinken als ÖSV-Motto?
Trotz Krise gibt es keine Trainerdiskussion © Bild: APA/Techt

Österreichs Herren-Team schlittert bei der WM in Val d'Isere von einer bitteren Niederlage in die nächste. Weder in der Abfahrt noch im Super-G holte das einstmals hochgejubelte "Power Team" eine Medaille. Als wäre das nicht schon schlimm genug, schied in der Super-Kombi mit Benjamin Raich die sicher geglaubte Medaillenbank bereits in der Abfahrt aus. Fazit: Das Herren-Team steht nach drei Bewerben ohne eine einzige Medaille da. Die Trainer stehen dennoch nicht zur Diskussion. Sagen Sie uns Ihre Meinung: Soll ein neues Trainerteam her?

Alpinchef Hans Pum stellt sich trotz der bitteren Niederlagen hinter seinen Trainerstab und meint entschlossen: "Es wird ganz sicher keine Schnellschüsse geben." Mit einer gehörigen Portion Zynismus stellt Pum weiter fest: "Und wenn die Welt nicht untergeht, dann haben wir ja hier noch weitere Chancen auf eine Medaille." Damit meint er Riesentorlauf (Freitag) und Slalom (Sonntag). Benjamin Raich führt zwar im RTL-Weltcup, scheint derzeit allerdings seiner Topform nachzulaufen. Wenn er ins Ziel kommt, ist er allemal für eine Medaille gut – die Betonung liegt hier allerdings auf wenn .

Slalom-Asse unter Druck
Hinter Raich schaut es allerdings schon wieder schlecht aus: Hannes Reichelt oder Christoph Gruber haben in diesem Winter noch keine Top-Ergebnisse vorzuweisen, Stephan Görgl konzentriert sich überhaupt lieber auf den Europacup. Wenn's hart auf hart kommt, ruhen womöglich alle Medaillenhoffnungen auf Reinfried Herbst und Manfred Pranger im Slalom – sofern sie dem dann sicherlich immensen Druck standhalten können.

Nach der Absage des Teamwettbewerbs, in dem sich die ÖSV-Athleten trotz Krise einer Medaille sicher sein hätten können, sieht es noch schlechter aus. Einzig die Damen haben es bisher geschafft, für ihre männlichen Kollegen die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Und das ohne die Topfahrerinnen Marlies Schild und Nicole Hosp!

Keine Trainerdiskussion
Verliert das Österreichische Fußball-Nationalteam drei Mal in Serie, steht der Trainer stets zur Diskussion. Karel Brückner, der zunächst als Heilsbringer gefeiert wurde und danach rasch auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen wurde, weiß ein Lied davon zu singen. Weiteres aktuelles Beispiel im internationalen Fußball gefällig? Chelsea feuerte Coach Felipe Scolari (immerhin Weltmeister-Trainer Brasiliens) wegen Erfolglosigkeit, weil der Londoner Nobel-Club derzeit nur auf Rang Vier der englischen Premiere League rangiert.

Würde man die Fußball-Angewohnheit, Trainer bereits nach wenigen Niederlagen zu entlassen, auf den Skisport ummünzen, so stünde der ÖSV derzeit vermutlich ohne Coach da. Herren-Cheftrainer Toni Giger räumt zwar ein, Fehler gemacht zu haben, redet sich aber sogleich wieder auf die vielen Verletzen raus: "Es gehen uns auch eine ganze Reihe starker Läufer wegen Verletzungen ab (Grugger, Buder, Schönfelder, Scheiber, Anm.). Da ist es klar, dass wir nicht so stark da stehen, wie wir uns das wünschen würden." In der Abfahrt wären aber ohnehin nur vier Herren startberechtigt gewesen. Hätten Grugger, Buder oder Scheiber etwa Walchhofer oder Maier aus dem Kader gedrängt? Unwahrscheinlich.

Glanz der Vergangenheit
Über mögliche Folgen seine Person betreffend, meint Cheftrainer Giger: "Ich genieße eine sehr gute Rückendeckung durch Alpinchef Hans Pum und Präsident Peter Schröcksnadel." Doch wie lange noch? Kann es sich der ÖSV wirklich leisten, auf Dauer an Trainern festzuhalten, die zwar sicherlich noch immer gut sind, mittlerweile aber eher vom Glanz der Vergangenheit leben?

Führt man sich wiederum das Beispiel Fußball vor Augen, so müsste die Antwort "Nein" lauten. Dort haben Trainer nach Niederlageserien bald kein Leiberl mehr. Warum gilt das nicht auch beim ÖSV? Trainer-Alternativen gäbe es genug, wenn man bedenkt, wie viele Österreicher in letzter Zeit als Coaches ins Ausland gewechselt haben. Robert Trenkwalder, ehemaliger ÖSV-Abfahrtscoach, ist derzeit das beste Beispiel. Er führt die US-Amerikanerin Lindsey Vonn von Sieg zu Sieg. Walter Hubmann, der beim ÖSV nicht mehr gebraucht wurde, trainiert den derzeit verletzten Kroaten Ivica Kostelic.

Folgen doch Konsequenzen?
Alpinchef Pum bleibt dennoch dabei: "Wir haben eine super Partie beisammen. Jeder unserer Trainer kämpft wie ein Löwe." Gleichzeitig verspricht er jedoch auch Konsequenzen: "Ein paar Sachen werden wir sicher ändern." Welche das sein werden, wollte er (noch) nicht verraten. Hoffentlich handelt es sich dabei aber nicht nur um die örtliche Verlegung eines Höhentrainingslagers. Sonst läuft das ÖSV-Herren-Team Gefahr, bald ins sportliche Niemandsland abzurutschen. Dort könnte es sich dann zumindest mit den ÖFB-Kickern die Klinke in die Hand geben. Um beim Vergleich mit dem Fußball zu bleiben.

(von Tanja Böhm)