Abt von Mehrerau bittet um Vergebung:
Kloster plant jetzt Psychotests für Novizen

Plan: Verhaltenscodex und unabhängige Anlaufstellen Ein weiteres Opfer meldete sich bei der Ombudsstelle

Abt von Mehrerau bittet um Vergebung:
Kloster plant jetzt Psychotests für Novizen © Bild: APA/Stiplovsek

Der Abt des Zisterzienserklosters Mehrerau, Anselm van der Linde, und Benno Elbs, Generalvikar der Diözese Feldkirch, haben sich bei einer Pressekonferenz tief betroffen von den Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfällen gezeigt und die Opfer um Vergebung gebeten. Sowohl das Kloster als auch die Diözese wollen die Prävention zum Thema Missbrauch verbessern. Bei der Ombudsstelle habe sich bisher ein weiteres Opfer gemeldet, weitere Fälle aus anderen kirchlichen Einrichtungen gebe es bisher nicht, so Elbs.

Bei Abt Anselm sprachen zwei betroffene Personen vor. In einem Fall habe der Mann erklärt, keinen Groll gegen die Kirche zu hegen und das Vorgefallene gut verarbeitet zu haben. Das Opfer habe auch nicht zur Polizei gehen wollen, so der Geistliche. Im zweiten Fall habe die Ehefrau eines Opfers um ein geistliches Gespräch mit dem Abt gebeten. Die Opfer hätten ein Recht auf eine Entschuldigung und eine kompromisslose Aufklärung, betonte Van der Linde. Jede Form des Missbrauchs müsse bekämpft werden.

Dazu soll in der Mehrerau ein Verhaltenscodex für den Umgang miteinander ausgearbeitet werden. Dieser diene einerseits der Vorbeugung, andererseits soll er die Bewusstseinsbildung unterstützen. Eltern und Schüler seien eingeladen, sich in Seminaren aktiv an der Aufarbeitung zu beteiligen. Für Kinder soll zudem eine unabhängige Anlaufstelle eingerichtet werden, etwa beim schulpsychologischen Dienst oder beim Schularzt. Van der Linde sprach sich erneut für einen offeneren Umgang in der Kirche mit Sexualität aus.

Psycho-Test vor Eintritt
Auch der Auswahl der Patres soll künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden: Abt Anselm plant, verpflichtend ein psychologisches Gutachten vor Eintritt ins Kloster einzuführen. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass sich Personen mit pädophilen Neigungen in der Kirche verstecken, erklärte er. Die Diözese Feldkirch will in Zukunft mit dem Vorarlberger Kinderdorf zusammenarbeiten. Dort habe man viel Erfahrung mit Kinderschutz, so Elbs. Zudem soll es regelmäßige Priestertreffen zu dem Thema geben. Die Ombudsstelle müsse außerdem unabhängiger von der Kirche gemacht werden. Er ermutigte Opfer, sich zu melden. Die Kosten für eventuelle Therapien würden von der Diözese übernommen.

Im Kloster Mehrerau soll in den Jahren 1970 bis 1982 ein Pater mindestens zehn Heranwachsende sexuell missbraucht haben. Ein heute 57-Jähriger, der von 1964 bis 1972 Schüler des Privatgymnasiums war, berichtete in einem ORF-Interview anonym von weiteren Übergriffen in den 1960er-Jahren. Der damalige Abt Kassian Lauterer habe 1964 Stillschweigen darüber angeordnet, so die Anschuldigung. Der Altabt erklärte dazu, es habe niemals einen Befehl gegeben, über Missbrauch zu schweigen. Andere ehemalige Schüler hätten dies bestätigt. Er sei zudem erst 1968 zum Abt gewählt worden. Abt Kassian habe immer reagiert "nach dem damaligen Usus", und nicht weggesehen, betonte Abt Anselm.

Versetzter Pater nicht erreichbar
Dass es derzeit im Kloster Mehrerau weitere Patres gibt, die mit Missbrauch in Zusammenhang stehen, "kann ich nicht ausschließen", so Van der Linde. Bisher habe es aber keine diesbezüglichen Meldungen gegeben. Sollte das der Fall sein, werde man mit der Polizei sprechen. Was mit dem nach Tirol versetzten Pater geschehe, sei noch offen, so Abt Anselm. Die kirchenrechtlichen Schritte könnten bis hin zur Versetzung in den Laienstand gehen. Der Mann sei derzeit aber nicht erreichbar und halte sich offenbar versteckt.

(apa/red)