Abschied von der Macht: Alte Regierung übergibt Minsiterien an die Nachfolger

Gusenbauers Abschied: "Alles Gute und toi toi toi" Politiker präsentieren sich den Mitarbeitern im Amt

Abschied von der Macht: Alte Regierung übergibt Minsiterien an die Nachfolger © Bild: APA/Hochmuth

Alfred Gusenbauer hat offiziell das Kanzleramt an seinen Nachfolger Werner Faymann übergeben. Im Anschluss an eine kurze Unterredung präsentierten sich die beiden SPÖ-Politiker mehreren hundert Mitarbeitern des Hauses. Gusenbauer meinte, er könne Faymann mit sehr gutem Gewissen das Haus übergeben: "Alles Gute und toi toi toi."

Faymann bedankte sich ein weiteres Mal bei seinem Vorgänger über die Art, wie dieser die Amtsübergabe gestaltet habe. Den Mitarbeitern gab er Vorschusslorbeeren mit. Gusenbauer habe ihn darüber informiert, welch gutes Personal im Kanzleramt tätig sei. Und er selbst wisse, welch großes Kapital die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes für das gute Funktionieren des Staates seinen.

Erster Ministerrat
Vor der Amtsübergabe hat sich die Regierung noch zu ihrem ersten Ministerrat zurückgezogen. Die Öffentlichkeit war bei der ersten kurzen Aussprache nicht zugelassen. So wurde lediglich bekannt, dass sowohl Faymann als auch Vizekanzler Josef Pröll sich mit einigen Worten an die Regierungsmitglieder gewandt hatten.

Der Wechsel im Finanzministerium ist vollzogen. Mit einer symbolischen "Schlüsselübergabe" an seinen Nachfolger Josef Pröll hat sich Wilhelm Molterer aus dem Ressort verabschiedet. "Du wirst die Kraft haben und das Glück brauchen", wünschte Molterer seinem Nachfolger als Parteichef, Vizekanzler und Finanzminister alles Gute. Pröll dankte Molterer für die "unglaubliche Loyalität" der vergangenen Wochen und für die vorangegangenen Lehrjahre: "Du hast mich gemacht, ich bin dein politisches Kind."

Spassige Sektionschefs
Steuersektionschef Wolfgang Nolz lieferte dem neuen Chef gleich einen Vorgeschmack auf das bekannte Selbstbewusstsein der Spitzenbeamten im Finanzministerium. "Es ist fast keine Arbeit mehr da", feixte Nolz in seiner Begrüßungsansprache mit Blick auf die fertige Steuerreform - freilich nicht, ohne hoffnungsfroh auf die im Regierungsprogramm angekündigte "Strukturreform im Bereich der Steuern" zu verweisen. Und mit Blick auf das Alter des Nachfolgers: "Ich bin ja froh, dass der neue Minister wenigstens vor meinem Eintritt in die Finanzverwaltung geboren wurde."

Josef Pröll scheidet aus seinem Amt als Umwelt-und Landwirtschaftsminister mit einem Geschenkkorb aus dem Burgenland. Diesen überreichte ihm sein Nachfolger Nikolaus Berlakovich, bei der Amtsübergabe. Gut gelaunt tauschten die beiden Glückwünsche aus, wobei Pröll sich schon mit dem neuen Amt vertraut zeigte. "Ich freue mich auch schon darauf, wenn Du zu den Budgetverhandlungen ins Finanzministerium kommst."

Auf die Frage, ob Pröll bei den nächsten Wahlen Kanzler werden will, meinte der ÖVP-Chef vor Journalisten, dass die kommenden fünf Jahre dafür sicher eine gute Basis seien. Er betonte aber den Willen zur guten Zusammenarbeit mit der SPÖ: "Der Gegner sitzt in der Opposition, nicht in der Regierung."

Fröhliche Frauenministerin
In durchaus fröhlicher Atmosphäre ist die offizielle Amtsübergabe der scheidenden Frauenministerin Heidrun Silhavy im Frauenministerium über die Bühne gegangen. Ihrer Nachfolgerin Gabrielle Heinisch-Hosek wünschte sie viel Erfolg, das Regierungsprogramm liefere für deren Arbeit eine "gute Basis", ist Silhavy überzeugt. Als Antrittsgeschenke bekam Heinisch-Hosek von ihrer Vorgängerin ein Hufeisen, einen Blumenstrauß und "das Wichtigste" - die Büroschlüssel überreicht. Zum Abschluss gab es eine innige Umarmung der beiden Frauenpolitikerinnen.

"Mit großem Respekt vor der Verantwortung und viel Freude" trete sie ihr Amt an, erklärte Heinisch-Hosek vor dem versammelten Beamten-Stab. Ihr Ministerium soll ein "offenes Haus für Männer und Frauen dieses Landes sein", meinte sie.

Übergabe Buchingers
Im Sozialministerium ist die offizielle Amtsübergabe von Erwin Buchinger an den neuen Ressortchef, Ex-ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, erfolgt. Der scheidende Minister wünschte seinem Nachfolger bei seiner neuen Aufgabe denselben "langen Atem", den dieser schon in seiner Funktion als Gewerkschaftschef bewiesen habe.

Buchinger gratulierte Hundstorfer vor rund 150 Mitarbeitern des Ministeriums: "Alles Gute, lieber Rudi." Er übernehme ein Team, das sehr wohl von der fachlichen Kompetenz als auch von der Leidenschaft her die besten Voraussetzungen bringe, die Herausforderung der kommenden Monate und Jahre zu bewältigen, streute Buchinger seinen Mitarbeitern Rosen. Die letzten zwei Jahre seiner Tätigkeit erfüllten ihn mit Freude: Man habe "die sozialpolitische Wende in unserer Republik durchgesetzt". Buchinger verwies auf Verbesserungen im Bereich der Behindertenbeschäftigung, Pflege und Pensionen. Er habe in den letzten beiden Jahren "unter hervorragenden wirtschaftlichen Voraussetzungen und suboptimalen politischen Voraussetzungen gearbeitet". Hundstorfer würden bessere politische, aber schwierigere wirtschaftliche Voraussetzungen erwarten.
(apa/red)