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Diätpille tödlich?

In USA zugelassen. "Belviq" wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen umstritten.

Abnehmen - Diätpille tödlich? © Bild: Corbis

Seit 13 Jahren wurde in den USA erstmals wieder eine Diätpille zugelassen. Die Arznei heißt Belviq und ist bereits jetzt, kurz nachdem die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ihr OK gegeben hat, heiß umstritten. Ihre Wirkung ist fraglich, mögliche Nebenwirkungen schwerwiegend.

Der erste Versuch, das Mittel zuzulassen, wurde im Jahr 2010 unternommen. Und scheiterte kläglich, wie das "aerzteblatt.de" berichtet. Der Erfolg des Präparats stand in keiner Relation zu den Risiken: Das Medikament bewirkte lediglich eine minimale Gewichtsreduktion. Während die FDA (Food and Drug Administration) die Messlatte bei einem Gewichtsverlust von zehn Prozent festgemacht hatte, lag der tatsächliche Erfolg bei nur drei bis 3,7 Prozent.

Schwere Nebenwirkungen
Dagegen stand - und steht - das Medikament im Verdacht, schwerwiegende Nebenwirkung zu verursachen. Belviq basiert auf dem Wirkstoff Locaserin. Dieser vermittelt dem Patienten das Gefühl, satt zu sein. Nun wirkt Locaserin aber auf ähnliche Weise wie Fenfluramin, eine Substanz, die im Diätmedikament Fen-Phen eingesetzt wurde. Dieses wurde 1997 vom US-Markt verbannt, da es Herzklappenschäden verursachte.

Tote in Frankreich
Ein auf einer ähnlichen Substanz basierendes Diätmittel wurde 2009 europaweit verboten: Mediator wurde seit den 1970er Jahren als Diabetesmedikament vertrieben. Übergewichtige bekamen es als Appetitzügler verschrieben. Allein in Frankreich forderte das Medikament laut "focus.de" den Tod von mindestens 500 Patienten. Weitere 3.500 mussten im Krankenhaus u.a. wegen Herz- und Kreislaufschäden behandelt werden.

"Stark umstritten"
"Belviq ist in Europa noch nicht zugelassen, die kritische Bewertung steht somit noch aus. Von diversen anderen Substanzen, die dem Wirkstoff Locaserin sehr ähnlich sind, weiß man aber, dass sie unter Umständen eine pulmonale Hypertonie, also Lungenbluthochdruck, oder Herzklappenschäden auslösen können", meint Dr. Christoph Baumgärtel von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Auslöser von Tumoren?
"Eine Zulassung ist in Europa jedenfalls nur dann möglich, wenn Daten vorliegen, die eine ausreichende Sicherheit für das Medikament garantieren", so der Experte. Ob die in den USA bereits vorgelegten Daten auch in Europa für eine Zulassung reichen würden, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Medienberichten zufolge hat Belviq im Tierversuch Tumoren ausgelöst. Ein Antrag in Europa könnte daher zu heiklen Diskussionen unter den Experten führen.

Kaum Alternativen
Dass Belviq in den USA dennoch zugelassen wurde, liegt also keineswegs daran, dass es sich bisher so gut bewährt hat. Vielmehr haben sich die Experten in Anbetracht der alarmierend hohen Zahl an Fettsüchtigen - Tendenz steigend - bei gleichzeitiger Ermangelung alternativer Medikamente wohl zum Handeln gezwungen gesehen. Verschrieben soll die vom Hersteller Eisai erzeugte Pille in der Regel nur jenen Personen werden, deren Body Mass Index (BMI) höher als 30 ist. Das Medikament soll die Patienten dabei unterstützen, eine ärztlich verordnete Diät einzuhalten.