Ablösewelle bei der Bahn gestartet: Malik
legt Aufsichtsratsmandate bei ÖBB zurück

War nach Goldmann-Ablöse unter heftigem Beschuss Verkehrsminister Faymann mit ersten Nominierungen

Bei den ÖBB ist die sich abzeichnende Ablösewelle im Aufsichtsrat gestartet. Wie der Konzern in einer Presseaussendung mitteilte, hat als erster Fredmund Malik (62), Leiter des nach ihm benannten Schweizer Managementzentrums St. Gallen, seine Aufsichtsratsmandate mit sofortiger Wirkung zurückgelegt. Gründe habe er in seinem Schreiben an die entsprechenden Gremien keine angeführt, hieß es.

Malik war seit März 2004 Mitglied im Aufsichtsrat der ÖBB-Holding AG und seit August 2004 zusätzlich Vorsitzender des Aufsichtsrates der ÖBB-Personenverkehr AG. Der Manager war im Vorjahr wegen Plänen zur Ablöse von Personenverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann unter heftigen öffentlichen Beschuss geraten. Er und die ÖBB-Konzernführung hatten Goldmann die "missbräuchliche Verwendung betrieblicher Mittel für nicht-betriebliche Zwecke" - konkret die Verwendung von Büroinfrastruktur (samt Postporto) für den gemeinnützigen Verein Opernwerkstatt - vorgeworfen. Danach waren Anschuldigungen gegen Malik selbst aufgetaucht, weil das Wiener Büro seines Instituts Schulungsaufträge für ÖBB-Manager in einer kolportierten Höhe von rund einer Mio. Euro angenommen haben soll.

Seit einiger Zeit ranken sich um Goldmann neuerlich Ablöse-Gerüchte. Dem Vernehmen nach soll Malik in die Verhandlungen aber nicht mehr eingebunden worden sein. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Der Standard" soll bereits der vermutlich neue Aufsichtsratspräsident der ÖBB-Holding, Horst Pöchhacker, mit Goldmann die Gespräche über ihre Abfindung aufgenommen haben. Eine mögliche Unterschrift unter einen Abfindungsvertrag für die streitbare Bahn-Managerin bleibt Malik nach seinem Rücktritt jetzt erspart.

Faymann: Nominierungen für ÖBB-Aufsichtsrat
Nach dem überraschenden Rücktritt von Malik hat Verkehrsminister Werner Faymann seine ersten Personalentscheidungen für die Bahn getroffen. Wie sein Sprecher auf APA-Anfrage erklärte, werden demnächst Faymanns Generalsekretär und früherer Abteilungsleiter im Finanzministerium, Herbert Kasser, und die Leiterin des Wirtschaftsbereichs in der Arbeiterkammer (AK), Maria Kubitschek, in den Aufsichtsrat der ÖBB-Holding einziehen.

Zeitgleich wird nach Malik vermutlich bei der nächsten Aufsichtsratssitzung auch der frühere FPÖ-Nationalratspräsident Siegfried Dillersberger sein ÖBB-Mandat zurücklegen. Wer den beiden in den Aufsichtsräten der ÖBB-Personenverkehr AG bzw. der ÖBB-Immobilien GmbH nachfolgen wird, wo sie ebenfalls vertreten waren, ist noch offen.

Mit weiteren Ablösen in den ÖBB-Kontrollgremien ist zu rechnen. Außerdem sollen die Gremien verkleinert werden. Die komplette Neugestaltung des ÖBB-Aufsichtsrats plant der Verkehrsminister aber erst Ende Mai, wenn der jahrzehntelange Porr-Chef Horst Pöchhacker den scheidende Präsident der ÖBB-Holding, Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer, ablösen soll. (apa/red)