Abgang einer Sport-Ikone: Die Rekord-Ära
des Michael Schumacher ist zu Ende

Deutscher gilt als erfolgreichster F1-Pilot aller Zeiten Hielt Privatleben seine ganze Karriere über verborgen

Nach Zinedine Zidane und Andre Agassi verliert die Sportwelt 2006 noch eine weitere Ikone: Michael Schumacher. Der Ausnahme-Fahrer zog mit seinem Rücktritt beim Grand Prix in Imola einen Schlussstrich unter seine einzigartige Karriere. Dass der Deutsche der erfolgreichste Formel-1-Pilot der Geschichte ist, steht außer Zweifel. Der 37-jährige Rekordhamster hat in seinen bisher 15 Jahren in der Königsklasse u.a. die meisten WM-Titel (7), die meisten Siege (89), die meisten Pole Positions (68) und natürlich auch die meisten Punkte (1.344) eingefahren.

Nicht nur der amtierende Weltmeister Fernando Alonso und Österreichs aktueller Formel-1-Pilot Christian Klien glauben, dass diese Zahlen in der F1-Geschichte wohl für immer unerreicht bleiben werden.

Die Diskussion, ob der 37-Jährige, der im Laufe seiner Karriere auch immer wieder als "Schummel-Schumi" in Erscheinung getreten ist, auch die größte Fahrerpersönlichkeit aller Zeiten ist, scheidet jedoch die Geister. "Er ist ein Rennfahrer durch und durch. Aber nur ein Rennfahrer, sonst nichts", meinte etwa Jacques Villeneuve, einer seiner bittersten Rivalen, über den oft als gefühlskalt und öde verschrienen Schumacher.

Schumi bescheiden: "Ich bin kein Held"
Doch Schumacher, der seine Familie mit Gattin Corinna und den Kindern Gina Maria (9) und Mick (7) stets perfekt abschirmt, entgegnete einst: "Ich mag diese Hysterie um meine Person nicht. Ich bin kein Held, ich bin so wie jeder andere auch." Und dass der Deutsche im Jänner 2005 10 Millionen US-Dollar für die Tsunami-Opfer spendete, passt wohl ebenfalls kaum zum Image des "kalten Deutschen".

Seinen ersten Formel-1-Einsatz am 25. August 1991 verdankte Schumacher, den sein Vater Rolf im Alter von vier Jahren in ein Kart setzte, einem Zufall. Nur weil im Jordan-Team wegen der Gefängnisstrafe für Bertrand Gachot ein Cockpit frei wurde, durfte der damalige Nobody im belgischen Spa-Francorchamps ran (sensationeller Platz 7 in der Quali, Out im Rennen). In einer Blitz-Aktion wird er zum aussichtsreicheren Benetton-Team transferiert, wo er seinen Teamkollegen, den dreifachen Weltmeister Nelson Piquet alt aussehen lässt. Ein Jahr später in Spa gab es für Deutschland den ersten Schumi-Erfolg in der Formel 1 zu feiern.

1994 wurde Schumacher erstmals Weltmeister, aber sein Image erhielt auch die ersten Kratzer. Er wurde wegen Regelverstößen zwei Mal disqualifiziert und für zwei Rennen gesperrt. Ein Jahr später avancierte Schumacher dann zum jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte.

Zehn Jahre "Erfolgs-Ehe" mit Ferrari
1996 erfolgte der Startschuss zur legendären Ehe Ferrari/Schumacher. Durch den Wechsel zur "Scuderia" wurde er mit kolportierten 25 Millionen D-Mark Jahresgage zum Großverdiener. Doch die Anfangszeit war hart. Im ersten Jahr bremste ihn eine unglaubliche Pannenserie. Das Jahr darauf war dann vom Duell mit Jacques Villeneuve geprägt, Schumacher verspielte durch einen "Rammstoß" gegen den Kanadier beim Finale den Titel (Aberkennung aller Saisonpunkte) und viele Sympathien.

Mit Schumachers Hilfe wurde Ferrari immer stärker, doch der ersehnte Titelgewinn gelang auch 1998 nicht. 1999 schien er nahe, aber ein Unfall machte die Träume zunichte. Schumacher zog sich beim Rennen in Silverstone einen Beinbruch zu und musste lange pausieren. 2000 macht Schumacher die Tifosi dann aber mit dem ersten Fahrer-Titel seit 1979 glücklich.

2001 verteidigte er die WM fast im Spaziergang, stand nach 13 von 17 Rennen als WM-Sieger fest und war fortan für Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo der "Allergrößte". Ein Jahr später wurde er nach 11 von 17 Rennen gar schnellster Weltmeister der Formel-1-Geschichte. 2003 und 2004 wurde die Trophäensammlung mit den historischen Titeln sechs und sieben sogar einzigartig. (APA/red)