Abfahrt auf der "Raubvogelpiste": Walchhofer will Konkurrenz zeigen, "wer der Chef ist"

In Beaver Creek soll erster Sieg seit Kitzbühel her Das Rennen: Heute LIVE ab 19 Uhr auf networld.at!

Abfahrt auf der "Raubvogelpiste": Walchhofer will Konkurrenz zeigen, "wer der Chef ist"

Einen Tag nach der Superkombination steigt heute (19:00 Uhr/LIVE auf networld.at) in Beaver Creek die zweite Saisonabfahrt der Herren. Der Königsbewerb auf der spektakulären Raubvogelpiste ist jedes Jahr ein Höhepunkt im Weltcup-Kalender und speziell die Österreicher haben etwas gut zu machen. Der letzte Sieg auf der Birds of Prey liegt schon drei Jahre zurück. Damals hatte "Hausherr" Hermann Maier 2003 einen Tag vor seinem 31. Geburtstag den ersten Abfahrts-Sieg nach seinem Motorrad-Unfall gefeiert.

Seitdem haben sich auf dieser Abfahrt stets die Hausherren durchgesetzt. Vergangenes Jahr gewann der inzwischen zurückgetretene Daron Rahlves vor seinem US-Landsmann Bode Miller, 2004 hatte sich Miller vor Rahlves durchgesetzt. Beide Male war dem ÖSV "nur" Platz drei geblieben. 2004 durch Michael Walchhofer, im Vorjahr durch Hans Grugger.

Keine Sorgen wegen schwachem Auftakt
Ausgerechnet Grugger hatte vergangenen Samstag in Lake Louise im ersten Rennen seit seiner im Vorjahr in Bormio erlittenen Hüftluxation als Vierter die Ehre der ÖSV-Abfahrer gerettet. Dass die Österreicher in Kanada wie schon zuletzt beim Saisonfinale in März in Aare ohne Abfahrts-Podestplatz geblieben waren, während der Überraschungs-Ausgang Marco Büchel vor Manuel Osborne-Paradis und Peter Fill gelautet hatte, ließ WC-4-Trainer Andreas Evers keine grauen Haare wachsen.

"Die Umstände dort waren besondere. Enorme Kälte, gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit. Da kann schon mal was daneben gehen. Außerdem ist's eh nicht so schlecht, wenn auch mal die anderen vorne sind", spielte Evers auf FIS-Präsident Kasper an.

In Kanada hatten freilich auch die Routiniers Fritz Strobl und Abfahrts-Weltcupsieger Walchhofer "ausgelassen", auch wenn Walchhofer ohne seinen groben Verschneider im Schlussteil wohl sicher auf das Podest gekommen wäre. "In Beaver Creek werde ich sicher noch Reserven brauchen", sagte der Zauchenseer trotz seiner Bestzeit im einzigen Training am Mittwoch.

Walchhofer will anderen zeigen, "wer der Chef ist"
Aufgestellt hatte er diese Bestzeit auf einer vom Neuschnee mitgenommenen Piste, beim Rennen muss der Favorit zudem als Letzter der Topfavoriten auf die wohl schon gezeichnete Piste. "Mit Startnummer 30 ist es sicher nicht einfach zu fahren und erst recht nicht einfach, zu gewinnen", war Walchhofer bewusst. Er ist seit seinem Sieg im vergangenen Jänner in Kitzbühel ohne Podestplatz in seiner Parade-Disziplin. "Es wäre mir also schon wichtig, den anderen endlich wieder zu zeigen, wer der Chef ist."

Keine Problem sollte diesmal die Kälte sein. "Wir haben Traumski", sagte der Atomic-Fahrer Walchhofer. "Wenn's kälter ist, haben die anderen aber auch sehr konkurrenzfähiges Material."

Maier im "Wohnzimmer" besonders motiviert
Etwas übersehen wurde, dass Maier trotz seiner Nebenhöhlenprobleme in Kanada die Plätze 4 (Super G) und 6 (Abfahrt) herausgeholt hatte. Und der bald 34-jährige Salzburger hatte einst ja die Raubvogelpiste mit acht Siegen (inklusive WM) zu seinem "Wohnzimmer" gemacht, fährt hier also immer noch besonders motiviert.

"Zumindest, wenn die Verhältnisse gut sind. Sind sie das nicht, taugt's ihm wahrscheinlich weniger", erinnerte sich Evers an das chaotische Vorjahr in Beaver Creek. Maier selbst gab sich vorsichtig optimistisch. "In Lake Louise war ich eigentlich der Konstanteste von allen. Das macht mich zuversichtlich."

Ärger über Startmodus
Dass in diesem Winter auch in der Abfahrt nach gestürzter Weltrangliste gestartet wird, macht es für die Favorits noch schwerer. "Natürlich leben wir vom TV und den Sponsoren. Aber dass die Besten der Welt mit so einem Handicap ins Rennen gehen müssen, ist einzigartig in der Sportwelt", sagte Evers, dem ein Kompromiss lieber gewesen wäre. "Warum lässt man sie nicht einfach zwischen 10 und 20 auslosen?"

Bisher hatten einige Abfahrtsasse die Superkombination oft zu einem zusätzlichen Abfahrtstraining genutzt und dann auf den Slalom verzichtet. Dem hat die FIS nun einen Riegel vorgeschoben. Ab sofort gibt es für diesen Trick eine Geldstrafe von je 2.500 Schweizer Franken (1.573 Euro) für den betroffenen Verband.

(apa/red)