Abendschulen nicht erwachsenengerecht: 2/3 der Schüler kämpfen mit Lernproblemen

Vier Jahre lang fünf Mal die Woche Unterricht Lehrplan meist gleich wie für normale Schulen

Eine Neugestaltung der Abendschulen für Berufstätige fordert die Arbeiterkammer (AK). Der Grund: Die Fortbildungseinrichtungen sind in der jetzigen Form "nicht erwachsenengerecht gestaltet". Eine AK-Studie hat eine starke Belastung der Abendschüler ergeben, der Großteil klagt über Probleme, so AK-Expertin Johanna Ettl in einer Aussendung.

Zwei Drittel der über 17.000 Abendschüler haben laut der Untersuchung zu wenig Zeit zum Lernen. Drei Viertel klagen über Mangel an Freizeit: Zur Belastung fünf Mal die Woche Lernen und Schulbesuch über vier Jahre komme zusätzlich die Arbeit untertags. 37 Prozent der berufstätigen Abendschüler mit Kind haben zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs. Der Zeitaufwand für die Wegstrecken ist für 40 Prozent ein Problem, 30 Prozent haben Schwierigkeiten mit der Finanzierung.

"Bis auf wenige Schulversuche müssen die Abendschulen für Erwachsene laut Lehrplan geführt werden wie die Schulen für Kinder und Jugendliche", bemängelte Ettl. Bereits erworbenes Wissen würde nicht anerkannt, berufsbedingte Unterbrechungen bedeuteten oft: "Zurück zum Start".

Zwei Drittel der Berufstätigen an Abendschulen machen entweder eine AHS-Matura nach oder erwerben zusammen mit einer HTL- oder Handelsakademiematura zusätzliche Berufsberechtigungen. Knapp 17 Prozent besuchen eine Werkmeisterschule.

Die AK verlangt Verbesserungen in Richtung einer erwachsenengerechten Umgestaltung der Abendschulen für Berufstätige. Berufliches Vorwissen sollte anerkannt, Schulversuche zur Gestaltung des Unterrichts in Modulen ausgeweitet, und die Bildungskarenz für Arbeitnehmer soll so gestaltet werden, dass berufstätige Abendschüler öfter als bisher eine Auszeit zum durchgängigen Lernen bekommen. (apa)