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Abbas sorgt mit Holocaust-Aussagen weltweit für Empörung

Palästinenserpräsident begründete Verfolgung der Juden mit "sozialer Funktion"

Äußerungen von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas zum Holocaust haben weltweit für Empörung gesorgt. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu forderte die internationale Gemeinschaft am Mittwoch über Twitter auf, "diesen Antisemiten zu verurteilen". Er bezeichnete Abbas, der auch aus den USA, der EU und der UNO heftige Kritik erntete, als "Holocaust-Leugner", der endlich "verschwinden" müsse.

Abbas hatte am Montagabend in einer Rede vor dem Palästinensischen Nationalrat nahegelegt, dass die Beziehungen der Juden zum Bankwesen mit der jahrhundertelangen Judenfeindlichkeit und somit auch der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten zu tun habe. "Vom elften Jahrhundert bis zum Holocaust, der in Deutschland stattgefunden hat, waren jene Juden, die nach West- und Osteuropa zogen, alle zehn bis 15 Jahre Massakern ausgesetzt", sagte er vor hunderten Delegierten.

Juden würden ihre Verfolgung mit ihrer Religion begründen, sagte Abbas. Er zitierte dann aber aus "drei Büchern" jüdischer Autoren, um zu belegen, dass es "Judenfeindlichkeit nicht wegen ihrer Religion, sondern eher wegen ihrer sozialen Funktion" gebe, und fügte hinzu, es sei an dieser Stelle "deren soziale Funktion im Zusammenhang mit Banken und Zinsen" gemeint.

Das israelische Außenministerium warf Abbas vor, "religiösen und nationalistischen Hass gegen das jüdische Volk und Israel" zu schüren. Ministeriumssprecher Emmanuel Nachshon sagte der Nachrichtenagentur AFP, der "Antisemitismus" von Abbas sei "umso erschreckender, da er sich als jemand präsentiert, der Frieden mit Israel schließen will". Die Ansichten des Palästinenserpräsidenten hätten NS-Propagandaminister Joseph Goebbels "zur Ehre gereicht", erklärte der israelische Minister für innere Sicherheit, Gilard Erdan.

Die Europäische Union nannte Abbas' Äußerungen "untragbar". Der UNO-Sondergesandte für den Nahen Osten, Nikolai Mladenow, beschuldigte den Palästinenserpräsidenten, "verächtliche antisemitische Verunglimpfungen" zu wiederholen. Die Äußerungen seien "zutiefst verstörend" und würden weder den Interessen der Palästinenser noch dem Friedensprozess im Nahen Osten dienen, erklärte Mladenow in einer Stellungnahme.

Der US-Botschafter in Israel, David Friedman, erklärte auf Twitter, Abbas habe "einen neuen Tiefstand" erreicht, indem er "Massaker am jüdischen Volk im Verlauf der Geschichte auf ihr 'soziales Verhalten im Zusammenhang mit Zinsen und Banken' zurückgeführt hat". Der US-Nahostbeauftragte Jason Greenblatt nannte die Äußerungen "sehr unglücklich, sehr besorgniserregend und furchtbar entmutigend". "Auf dieser Grundlage kann kein Frieden geschaffen werden."

Der deutsche Außenminister Maas schrieb auf Twitter, Deutschland trete gegen "jegliche Relativierung des Holocausts" ein. "Die Verantwortung für das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte trägt Deutschland", erklärte Maas. Es bleibe seine Aufgabe, Antisemitismus weltweit "sehr entschlossen zu begegnen".

In einer ersten Reaktion auf die internationale Empörung wies PLO-Generalsekretär Sajeb Erakat die Anschuldigungen gegen Abbas zurück. Er sei "schockiert" von der "von Israel geführten Attacke" gegen Abbas, erklärte er in einer Mitteilung.

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