Fakten von

A4-Prozess - Geschleppte
schrien und klopften

Habe die Aussage"Flüchtlinge sollen ruhig sterben" nicht so gemeint

Im Prozess um das A4-Flüchtlingsdrama am Gericht im ungarischen Kecskemet ist am Freitagnachmittag die Einvernahme des Erstangeklagten fortgesetzt worden. Der mutmaßliche Kopf der Schlepperbande schilderte die Ereignisse, als der Kühl-Lkw mit den 71 Flüchtlingen unterwegs war. Der Zweitangeklagte habe ihn angerufen, weil die Insassen in dem Lkw schrien und klopften.

Der mutmaßliche Bandenchef solle den in Abwesenheit zwölftangeklagten "Amin" anrufen, damit dieser mit den Flüchtlingen im Lastwagen Kontakt aufnehme. Doch das sei nicht möglich gewesen, betonte der afghanische Staatsbürger. Weder über Skype noch per Telefon waren die Insassen zu erreichen, sagte "Amin" dem Erstangeklagten.

Bei einem neuerlichen Anruf des Zweitangeklagten habe er ihm gesagt, der Chauffeur des Lkw solle auf einem Parkplatz stehenbleiben, nicht bei einer Tankstelle, wo viele Leute sind. Der Lenker sollte den Geschleppten Wasser geben. Doch der Zweitangeklagte habe gesagt, nicht Wasser sei das Problem, sondern Luft.

Das führte offenbar zu Sprachproblemen: Er habe diese Aussage eher auf einen Reifendefekt bezogen, weil er nicht gut Serbisch könne - in dieser Sprache hatte sein bulgarischer Stellvertreter offenbar zu ihm gesprochen - , erläuterte der Erstangeklagte. Weitere Anrufe des Zweitbeschuldigten hätten ihn so nervös gemacht, dass er sich zu folgender Aussage habe hinreißen lassen: "Die Flüchtlinge sollen ruhig sterben". Er habe das nicht so gemeint, versicherte der Hauptangeklagte dem Senat.

Der Prozess wurde am Nachmittag vertagt. Am 2. und 3. Mai soll in Kecskemet die Einvernahme des Erstbeschuldigten fortgesetzt werden.

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