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A4-Prozess - Fortsetzung mit der Einvernahme von Zeugen

Gericht in Kecskemet hat elf Zeugen geladen - Zwei aus Österreich

Der Prozess um den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen, deren Leichen im August 2015 in einem Lkw an der Ostautobahn (A4) entdeckt wurden, ist am Montag nach vierwöchiger Unterbrechung in der ungarischen Stadt Kecskemet fortgesetzt worden. Am Vormittag legte ein Bulgare ein Geständnis ab, der erst nach Beginn des Hauptverfahrens an Ungarn ausgeliefert worden war.

Der 34-Jährige ist einer von drei Männern, gegen die separat ermittelt worden war, ehe das Verfahren in den A4-Prozess eingegliedert wurde. Bei den beiden anderen Beschuldigten handelt es sich um einen Landsmann des Bulgaren und einen Afghanen, der in der Hierarchie der Schlepperorganisation über dem Hauptangeklagten gestanden sein soll. Die zwei Männer sind flüchtig.

Zu Beginn des Verhandlungstags verlas Staatsanwalt Gabor Schmidt die Anklage gegen die drei Beschuldigten. Die Stellung des Afghanen in der Organisation verglich er mit der eines Oberarztes in einem Spital. Der 26-Jährige habe dem Hauptangeklagten Anweisungen gegeben und von Mai bis 27. August 2015 systematisch Flüchtlinge von Serbien nach Österreich und Deutschland geschleppt. Den Transport in einem Kühl-Lkw, in dem die 71 Flüchtlinge in Ungarn ums Leben kamen, soll er ebenfalls organisiert und bei der Abfahrt noch dabei gewesen sein. Selbst nach dieser Fahrt habe er noch Schleppungen organisiert und insgesamt 300.000 Euro verdient.

Der 34-jährige Bulgare dürfte in der Hierarchie ganz unten gestanden sein. Er habe sich von ebenfalls in Kecskemet vor Gericht stehenden Landsleuten überreden lassen, für die Organisation zu arbeiten. Schleppertransporte wollte er nach eigenen Angaben nicht durchführen, er sei als Begleitfahrer, als sogenannter Späher, dabei gewesen. Für jeden erfolgreichen Transport seien ihm 200 Euro versprochen worden.

In dem im Juni eröffneten Prozess werden nun 14 Männer als Angeklagte geführt. Mehreren von ihnen wird Mord zur Last gelegt. Am Montag soll in Kecskemet auch mit der Befragung von Zeugen begonnen werden. Dabei handelt es sich um Geschleppte, Chauffeure und Helfer der Organisation.

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