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A4-Prozess - Hauptangeklagter:
Tragödie war ein Unfall

Afghane bekannte sich der Schlepperei schuldig

Der Hauptangeklagte im Prozess um den Tod von 71 Flüchtlingen, die 2015 in einem auf der A4 bei Parndorf abgestellten Lkw entdeckt worden waren, hat am Mittwoch in der ungarischen Stadt Kecskemet erneut den Mord-Vorwurf zurückgewiesen. "Ich schwöre bei Gott, dass ich diese Tragödie nicht wollte, die ein Unfall war", zitierte der Richter aus einer schriftlichen Erklärung des Afghanen.

Schuldig bekannte sich der 31-Jährige der Schlepperei. Der Mann gab seine Stellungnahme schriftlich ab, weil er vermeiden wollte, seine Worte, für die er sich schäme, noch einmal selbst wiederholen zu müssen. Die Anweisung an den Lkw-Lenker, die Leichen in Deutschland in einen Wald zu werfen, habe er unüberlegt gegeben. "Ich bin kein gnadenloser Verbrechen", betonte der Hauptangeklagte in seiner Erklärung. "Ich habe noch nie ein Tier gequält, einen Menschen getötet."

In dem Prozess sind insgesamt 14 Personen - elf Bulgaren, zwei Afghanen sowie ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger - angeklagt. Sie sollen Schuld am Erstickungstod der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak sein. Unter den 71 Todesopfern waren vier Kinder. Drei der 14 Angeklagten sind noch auf der Flucht. Seit Juni 2017 wird in Kecskemet verhandelt, weil die Migranten auf ungarischem Staatsgebiet ums Leben kamen.

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