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A4-Prozess - Afghane will weiter nicht Bandenchef gewesen sein

Beschuldigte Mitangeklagten: "Er war gierig und raffiniert"

Im Prozess um 71 in einem Lkw ums Leben gekommene Flüchtlinge hat der Hauptangeklagte auch am Donnerstag vor Gericht in der ungarischen Stadt Kecskemet die Verantwortung als Bandenchef von sich gewiesen. Das sei vielmehr der Fünftangeklagte, ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger, gewesen.

Dieser sei raffiniert und gierig gewesen, hätte an jedem Transport verdient, las der Afghane, dem die Staatsanwaltschaft die Hauptschuld anlastet, aus seinem schriftlichen Geständnis bei der Prozess-Fortsetzung vor. Er wiederholte die Vorwürfe gegen den Fünftangeklagten: Dieser habe nicht nur die Fahrzeuge beschafft, sondern auch die Chauffeure und Flüchtlinge, daher sei er der "Hauptschlepper".

Er selbst, so der Afghane, habe sich "immer um Leben und Sicherheit der Flüchtlinge gesorgt". Er habe deshalb den Chauffeuren Geld für die Versorgung der Geschleppten gegeben. "Warum sollte ich ihren Tod gewünscht haben?", gab er zu Protokoll.

Die Schlepperorganisation beschrieb der Afghane als sehr gut aufgebaut, mit vielen Einzelakteuren. Die Hintermänner hätten verborgen agiert. Deswegen seien auch die Bosse "Amin" und "Kairo" noch flüchtig. Der Hauptangeklagte erinnerte daran, dass "Kairo" schon einmal in Polizeigewahrsam war, doch mangels Beweisen freigelassen wurde. Dafür machte der Afghane den Fünftangeklagten verantwortlich, der nicht gegen "Kairo" ausgesagt hätte. Dafür habe er sicher eine hohe Summe erhalten, mutmaßte der Afghane in der Erklärung.

In dem Prozess sind insgesamt 14 Personen - elf Bulgaren, zwei Afghanen sowie ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger - angeklagt. Sie sollen Schuld am Erstickungstod der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak sein. Unter den 71 Todesopfern waren vier Kinder. Drei der 14 Angeklagten sind noch auf der Flucht. Seit Juni 2017 wird in Kecskemet verhandelt, weil die Geschleppten auf ungarischem Staatsgebiet ums Leben kamen. Der Lkw mit den Leichen war an der A4 bei Parndorf im Burgenland abgestellt worden.

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