Politik von

Josef Cap, Aufklärer a. D.

Kurt Kuch über die Mutation der einstigen SP-Hoffnung

Als Josef Cap 30 war, galt er als aufklärungswütiger Revoluzzer. Seine "drei Fragen“ beim SPÖ-Parteitag 1982 an den dann schon spätfeudalistisch regierenden burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery sind österreichische Zeitgeschichte. Cap, damals Chef der Sozialistischen Jugend, flog aus dem SP-Präsidium. Ein Jahr später war Cap, ausgestattet mit einem fulminanten Vorzugsstimmenergebnis, wieder groß da. Weil die Wähler seinen Mut honorierten.

Mut honorieren Wähler auch noch heute. Aber Cap hat keinen mehr. Er ist jetzt Zyniker und Zudecker, kungelt mit ÖVP, FPÖ und BZÖ, wie der U-Ausschuss abgedreht werden kann. Er behauptet, Kanzler Werner Faymann hätte im ORF-"Sommergespräch“ zur Inseratenaffäre schon alles gesagt. Meint: "Das war schon fast wie ein U-Ausschuss."

Wahr ist: Armin Wolf fragt hart und ist bestens informiert. Er darf aber keine Akten bei der Justiz anfordern und schickt auch keine Politiker vor ein ordentliches Gericht, wenn sie falsch anworten. Was bleibt also nach 30 Jahren Josef Cap im Parlament? Nun, Cap redet eloquenter als Otto Pendl, der für die SPÖ im U-Ausschuss sitzt. Bei der Aufklärungsdynamik hat aber sogar Pendl die Nase vorn.

Also ehrlich, Herr Cap: Nach so einem Karrierestart wäre mehr drin gewesen.

Kommentare

Vom aufrechten Kritiker ist er zum Parteischleimer geworden.

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