Fakten von

Zugunglück in Bayern:
Suche nach Ursache

Erste Ermittlungen: Menschliches Versagen könnte zu Unglück geführt haben

  • Bild 1 von 34 © Bild: Lennart Preiss/Getty Images

    Schweres Zugunglück in Oberbayern

  • Bild 2 von 34 © Bild: Lennart Preiss/Getty Images

    Schweres Zugunglück in Oberbayern

Nach ersten Ermittlungen hat menschliches Versagen zu dem seit 2011 schwersten Zugunglück in Deutschland geführt. Zehn Menschen sind ums Leben gekommen, 18 Personen wurden schwer und 63 leicht verletzt. Die Suche nach dem angeblich Vermissten wurde nach Abgleichung von Personalien eingestellt. Unter den Toten sind keine Österreicher. Die Bergung der Wracks wird zwei Tage dauern.

© AFP / dpa / Peter Kneffel /APA

Erste Ermittlungen: Menschliches Versagen?

© Video: Zoomin

Laut ersten Ermittlungen wurde das schwere Zugunglück durch menschliches Versagen ausgelöst. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus zuverlässiger Quelle. Wer genau für das Unglück im oberbayerischen Bad Aibling verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt. Mehr Details wurden nicht genannt. Zuvor hatte das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" darüber berichtet, dass menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte. Ein Bahnmitarbeiter soll eine "verhängnisvolle Fehlentscheidung" getroffen haben und das automatische Signalsystem außer Kraft gesetzt haben, um einen verspäteten Triebwagen noch durchzulassen. Der entgegenkommende Zug soll gleichzeitig grünes Licht erhalten haben.

© AFP / dpa / Josef REISNER /APA

Die Strecke wird mit Hilfe des "Punktförmigen Zugbeeinflussungssystems" kontrolliert - "ein System, das automatisch dafür sorgen soll, dass das Aufeinandertreffen von Zügen nicht stattfindet, indem Züge zwangsgebremst werden, wenn sie unberechtigt auf einer Strecke sind, Signale überfahren oder Ähnliches", sagte Dobrindt. Auf der Unfallstrecke war das System erst in der vergangenen Woche kontrolliert worden - alles schien einwandfrei.

Kein Vermisster mehr, zehn Tote

Nach dem schweren Zugsunglück in Oberbayern mit zehn Toten rechnet die Polizei nicht mit weiteren Todesopfern. "Es wird niemand mehr vermisst", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwoch. Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein weiteres Opfer in den beiden havarierten Zügen befinden. Der Sprecher war zudem zuversichtlich, dass alle Verletzten überleben werden. "Wir dürfen optimistisch sein."

© AFP / dpa / Josef REISNER /APA

Als die Züge am Morgen gegen 6.45 Uhr zusammenstießen und sich die Triebwagen ineinander verkeilten, entgleiste einer der Züge und mehrere Waggons kippten zur Seite. "Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen", berichtete ein sichtlich betroffener Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor Journalisten. Es sei davon auszugehen, dass die beiden Lokführer keinen Sichtkontakt hatten und die Züge "ungebremst mit hoher Geschwindigkeit" gegeneinanderkrachten, erklärte Dobrindt.

© REUTERS/Michael Dalder

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Rund 700 Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten. Helikopter brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, wo sämtliche geplanten Operationen sofort abgesagt wurden, um Kapazitäten für die Versorgung der Opfer zu schaffen. Wasserwacht und Bergwacht waren ebenfalls im Einsatz. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall. Die Bevölkerung wurde zum Blutspenden aufgerufen.

Zugsunglück in Oberbayern
© APA/Martin Hirsch

Merkel tief betroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich tief betroffen: "In Gedanken bin ich auch bei den zahlreichen Verletzten, die mit den Folgen des Unglücks ringen", sagte sie. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin und der französische Premierminister Manuel Valls bekundeten ihr Mitgefühl. Die beiden großen Kirchen in Deutschland erbaten "Gottes Beistand und Trost".

© REUTERS/Michael Dalder Rettungskräfte an der Unfallstelle

Aus Respekt vor den Opfern sagten die Parteien den Politischen Aschermittwoch ab. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wollte am Mittwoch die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen.

Unglück hätte noch schlimmer ausgehen können

Bei aller Trauer war den Rettern schnell klar, dass das Unglück sogar noch schlimmer hätte ausfallen können. Denn wegen der Faschingsferien in Bayern saßen in den Zügen am Morgen weniger Pendler als sonst - und vor allen Dingen keine Schüler.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, blieb zunächst unklar. Die Bergung der Trümmer wird aber wohl mehrere Tage dauern, da die Stelle schwer zugänglich ist. Ermittler versuchen nun, die Ursache des Unglücks zu ermitteln. Es soll auch Thema im Bundestag werden - der Verkehrsausschuss wird sich voraussichtlich bereits in der nächsten Sitzungswoche damit beschäftigen.

© Sven Hoppe/dpa /APA

Schlimmste Zugunglück in Deutschland seit 2011

Es ist das schlimmste Zugunglück in Deutschland seit Jänner 2011. Damals starben zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstieß. In Bayern gab es ein noch schlimmeres Unglück im Jahr 1975, als bei Warngau zwei Eilzüge frontal zusammenstießen und 41 Menschen starben. Das schwere Zugsünglück von Eschede in Niedersachsen ereignete sich im Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallten dort mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen starben.

© REUTERS/Michael Dalder Rettungskräfte und Journalisten

Kommentare