86 Rapid-Fans müssen vor den Richter:
Wegen Ausschreitungen am Westbahnhof

Wollten heimkehrende Fans der Austria "abholen" Die Anklage ist allerdings noch nichts rechtskräfitg

86 Rapid-Fans müssen vor den Richter:
Wegen Ausschreitungen am Westbahnhof
© Bild: GEPA/Kneisl

Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen vom 21. Mai 2009, als zahlreiche Rapid-Anhänger nach einem Match zum Westbahnhof fuhren, um von einem Austria-Auswärtsspiel in Linz heimkehrende Austria-Fans "abzuholen", müssen sich 86 Rapid-Fans vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Wien hat beim Straflandesgericht eine Anklageschrift eingebracht, in der sämtlichen Angeklagten Landfriedensbruch vorgeworfen wird.

Einem beträchtlichen Teil der Gewalttäter, nämlich 34 Männern, wird entweder eine "führende Beteiligung" an den Tumulten bzw. weitere Delikte wie Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Sachbeschädigung angekreidet. Die Verhandlung wird Richterin Martina Frank leiten, die davon noch nichts weiß: Sie befindet sich derzeit im Urlaub.

Unklar ist auch noch, ob es einen großen Prozess geben wird: Grundsätzlich könnte die Richterin das Verfahren auch "splitten" und etwa gegen die Rädelsführer separat verhandelt. Sollte es einen einzigen Prozess geben, wäre es nicht zwingend nötig, diesen auszulagern, obwohl das Austria Center Wien dem Grauen Haus bereits einen Kostenvoranschlag für eine etwaige Anmietung übermittelt hat: Der Große Schwurgerichtssaal bietet Platz für 250 Personen, womit zumindest die Angeklagten, ihre Verteidiger sowie die mediale Öffentlichkeit untergebracht werden könnten.

Bilder von Überwachsungskameras
Ursprünglich hatte die Anklagebehörde gegen 93 Verdächtige ermittelt, wobei sich die Beweislage nicht zuletzt auf Bilder aus Überwachungskameras stützte. Das Verfahren gegen vier außerhalb von Wien wohnhafte Fans wurde aus prozessökonomischen Gründen an näher an ihren Wohnorte gelegene Landesgerichte abgetreten. In drei weiteren Fällen stellte sich heraus, dass die Betreffenden nur kurz am Tatort und an den Gewalttätigkeiten nicht beteiligt waren. Die gegen sie gerichteten Ermittlungen wurden daher eingestellt.

Die Polizei hätte Handgreiflichkeiten zwischen den rivalisierenden Fan-Gruppen nur deshalb verhindern können, weil Beamte den Bahnsteig abschirmten. Daraufhin gingen zahlreiche Rapid-Fans auf die Einsatzkräfte los. Die Prügel-Szenen wurden von Überwachungskameras gefilmt.

Geplanter Racheakt
Rund ein Drittel der Verdächtigen soll zum "harten Kern" organisierter Fan-Gruppen zählen und sich bei den Ausschreitungen besonders hervorgetan haben. Das "Abpassen" der heimkehrenden Austria-Anhänger war übrigens ein offensichtlich lange geplanter "Racheakt": Drei bis vier Wochen vorher sollen Austrianer einen führenden Rapid-Fan erwischt und krankenhausreif geprügelt haben, was die Grün-Weißen dazu bewog, es den Violetten "heimzuzahlen".

Die Anklageschrift ist noch nicht rechtskräftig. Die Beschuldigten werden diese Anfang der kommenden Woche erhalten. Sie haben dann 14 Tage Zeit, um dagegen Einspruch einzulegen. Realistischerweise ist davon auszugehen, dass es vor dem Spätsommer keinen Verhandlungstermin geben wird.

(APA/red)