800.000 Tote bei Genozid in Ruanda: Polizei ging mutmaßlicher Drahtzieher ins Netz

DNA-Tests sollen klären ob es sich Gesuchten handelt Hunderttausende Menschen in kürzester Zeit getötet

Die Polizei in Kenia hat möglicherweise eine Schlüsselfigur des Völkermordes in Ruanda verhaftet. Mit Hilfe von DNA-Tests wollen Ermittler nun herausfinden, ob es sich bei dem Verdächtigen tatsächlich um den Geschäftsmann Felicien Kabuga handelt. Er soll die Massaker in dem Kleinstaat Ruanda im Jahr 1994 maßgeblich unterstützt haben, wie der britische Sender BBC berichtete. Damals verübten fanatisierte Hutus Massenmorde an Angehörigen der Tutsi-Minderheit und an gemäßigten Hutus. Dem Genozid fielen binnen 100 Tagen zwischen 800.000 und einer Million Menschen zum Opfer.

Der Mann wurde in Nairobi festgenommen. Er selbst behauptet nach lokalen Medienberichten, ein Dozent an der Universität von Nairobi zu sein. Kabuga, auf den ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen US-Dollar (etwa 3,2 Millionen Euro) ausgesetzt worden war, hat geschäftliche Kontakte und Eigentum in Kenia. Das UNO-Tribunal zur Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda (ICTR) hatte Kenia gedrängt, den Geschäftsmann festzunehmen. Sein Eigentum war nach einem Gerichtsurteil vor kurzem beschlagnahmt worden.

Kabuga war Direktor des ruandischen Propagandasenders "Mille Collines", der zum Mord an den Tutsis aufgerufen hatte. Nach dem Machtwechsel reiste Kabuga über den Nachbarstaat Zaire mit seiner Familie in die Schweiz ein, die ihn jedoch später des Landes verwies.

(apa/red)