8-Stunden-Tag wird nicht abgeschafft: ÖGB
will Angst vor neuen Arbeitszeiten nehmen

Kritik an Hundstorfer: "Mehr Arbeit für weniger Geld" PLUS: ABSTIMMEN - Soll länger gearbeitet werden?

Das vereinbarte neue Arbeitszeitpaket wird nicht den 8-Stunden-Tag abschaffen, beruhigte der ÖGB. "Es ist nicht möglich, zehn Stunden am Tag ein ganzes Jahr zu arbeiten, sondern nur eine gewisse Zeit. Der Kollektivvertrag sagt dann, dass das innerhalb eines gewissen Zeitraums ausgeglichen werden muss.

Das kann ein Durchrechnungszeitraum bis zu einem Jahr sein", sagte Bernhard Achitz, Leiter der sozialpolitische Abteilung im ÖGB, im Ö1-Mittagsjournal.

Eine Ausnahme ist die Vier-Tage-Woche, für die schon eine dauerhafte 10-Stunden-Regelung erlaubt ist. Bei einer Vier-Tage-Woche dürfen aber an den freien Tagen keine Überstunden gemacht werden.

Entwarnung kommt vom ÖGB auch bei der 60-Stunden-Woche. Diese sei "nicht nur auf zwei Monate beschränkt, es müssen auch besondere Argumente vorgebracht werden", betonte Achitz.

Ganz glücklich scheint man beim ÖGB aber mit der neuen Regelung jedoch nicht zu sein. "Die Produktivitätsgewinne aus Flexibilisierungen, die für die Unternehmen aus dem gestern vereinbarten Arbeitszeitpaket entstehen, müssen nun für eine generelle Kürzung der Arbeitszeit genutzt werden", forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten/Druck/Journalismus/Papier, Wolfgang Katzian. Er sprach trotzdem von einem "tragfähigen Kompromiss".

"Mehr Arbeit für weniger Geld"
Eine Meinung, die die FCG (Fraktion Christlicher Gewerkschafter) nicht teilt. "Mehr Arbeit für weniger Geld", lautet die Einschätzung des stellvertretende FCG-Vorsitzenden Alfred Gajdosik. "Wenn ich die Frohbotschaft von Präsident Hundstorfer lese, frage ich mich wo diese genau versteckt ist.

adurch dass Betriebe in Zukunft die Normalarbeitszeit auf bis zu 12 Stunden ausdehnen können, wird es sicher keine zusätzlichen Arbeitsplätze geben. Auch die Regelung für die Teilzeitkräfte ist eine Zumutung. Hier wird es nie zu einer Auszahlung des Zuschlages kommen, da die Durchrechnungszeit ganze drei Monate beträgt. Auch die 4-Tage-Woche war bisher schon möglich und ist im Arbeitszeitgesetz geregelt", meinte er.

Der Gewerkschaftliche Linksblock (GLB) forderte gar die Gewerkschafter im Parlament auf, der Novelle zum Arbeitszeitgesetz die Zustimmung zu verweigern.

Lob für die Teilzeit-Regelung
Nicht wirklich glücklich ist aus entgegengestten Gründen auch die Industrie. Die Industriellenvereinigung (IV) hat erneut betont, dass sie die neue Sozialpartner-Vereinbarung lediglich "als ersten Schritt in die richtige Richtung" wertet. Die IV sehe die Vereinarbung positiv, rücke aber von ihren weiter reichenden Forderungen (zweijähriger Durchrechnungszeitraum) nicht ab, sagte IV-Generalsekretär Markus Beyrer vor Journalisten in Wien.

Die Vereinbarung sei "ein deutliches Lebenszeichen der Sozialpartner", aber erst durch das jahrelange, hartnäckige Insistieren des IV-Präsidenten Veit Sorger möglich geworden. Die Auswirkungen des dreimonatigen Durchrechnungszeitraums bei Teilzeitbeschäftigten müssten analysiert werden. Wenn dieser Zeitraum zu gering sei" muss man noch einmal darüber reden". Andernfalls drohten "averse Effekte auf die Beschäftigunggsdynamik", sagte Beyrer.

Lob für die Teilzeit-Regelung im neuen Arbeitszeitpaket kam vom Wifo-Experten Alois Guger. Denn 200.000 Teilzeitbeschäftigte haben bisher trotz Mehrarbeit nicht mehr verdient. Künftig soll ab der 21. Stunde ein Zuschlag von 25 Prozent ausbezahlt werden, der nach drei Monaten ausbezahlt oder als Zeitausgleich angeordnet wird. Dies bekämpfe Armut.

"Die Teilzeitbeschäftigten in Österreich haben eine relativ kurze durchschnittliche Arbeitszeit; und die sinkt ständig, weil es bisher attraktiv war, Vollzeit- in Teilzeit-Arbeitsverhältnisse umzuwandeln. Das wird in Zukunft nicht mehr so attraktiv sein. In Zukunft wird die durchschnittliche Arbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten eher steigen, und falls sie Überstunden machen müssen, werden sie einen Zuschlag bekommen", meinte Guger.

(apa/red)