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62% der Steirer müssen zum Job pendeln

Ausbau von Micro-ÖV soll teils Abhilfe schaffen

Rund 62 Prozent der steirischen Arbeitnehmer sind laut der Steirischen Pendlerinitiative Pendler - sie überschreiten am Weg zum Job also die Gemeindegrenze.

Mit dem S-Bahn-Ausbau sei viel geschehen, sagte Obmann Franz Gosch in einer Pressekonferenz am Mittwoch in Graz, allerdings müsse die Mobilität im ländlichen Raum verbessert werden. Hier setze man auf Micro-ÖV-Projekte wie in Graz-Umgebung.

Der Weg zur Arbeit ist laut Gosch nicht nur lang und teuer, sondern auch ein Zeitfresser: "Vorsichtig gerechnet verbringen steirische Pendler - 57 Prozent davon sind Männer, 43 Prozent Frauen - jährlich 250 Stunden am Weg zur Arbeit und retour, also vergleichsweise eineinhalb Monate Vollerwerbsarbeitszeit. Dabei müssen sie eine durchschnittliche Entfernung von 47 Kilometern zum Arbeitsplatz und wieder retour zurücklegen, gesamt 94 Kilometer.

Derzeit gibt es in der Steiermark 333.462 Pendler, vor den Gemeindefusionen 2015 waren es 349.955. Durch die Gemeindestrukturreform verlassen einige, die früher Pendler waren, die Gemeindegrenzen nicht mehr. 51.741 pendeln aus der Steiermark aus, die meisten nach Wien oder Niederösterreich. Fast 2.000 müssen zur Arbeit sogar ins Ausland, davon kommen 500 aus Graz. Zwei Drittel der steirischen Pendler verwenden das eigene Fahrzeug.

Für Gosch geht es darum, Arbeitswege für die Pendler zu verbessern. Dazu soll eine Studie der FH des BFI Wien das notwendige Unterfutter liefern. "Wir wollen auch die Wege der Stadtpendler erheben, besser als bisher. In Graz haben wir 70.000 Pendler, die aber die Stadtgrenzen nicht überschreiten. Da wollen wir die Bedürfnisse abfragen, Ergebnisse haben wir im nächsten Frühjahr, die dann Verkehrsplanung und Politik zur Verfügung gestellt werden", sagte Gosch. Viele der Stadtpendler würden gerne Öffis nehmen, seien aber derzeit mit dem Auto schneller.

Silvia Mangel (FH des BFI Wien) wird in der Studie bei Arbeitnehmern u.a. den Zustand des Verkehrsnetzes abfragen. Über Binnenpendler - also innerhalb einer Gemeinde - gebe es laut Mangel nicht viele Studien. Ausgewertet würden auch Fragen nach dem Fortbewegungsmittel, Alter und z. B. welche Verkehrsmittel geschlechtsabhängig genutzt würden, Belastungsgründe durch den Umsteigeverkehr in der Stadt oder auch Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Bezug auf den Weg von und zur Arbeit.

Mit dem GUSTmobil habe man im Bezirk Graz-Umgebung ein System, das wie ein Anruf-Sammeltaxi funktioniere und nun so richtig anlaufe, sagten Projektleiterin Doris Hahn und Anna Reichenberger vom Regionalmanagement Steirischer Zentralraum. 29 von 36 Gemeinden des Bezirks sind dabei und finanzieren die günstigen Tarife mit. Zielgruppen sind Senioren, Jugendliche, aber auch Pendler, das System fungiere als Zubringer zu Öffis über rund 1.800 gekennzeichnete Sammelhaltepunkte. Im September habe man schon einen starken Fahrgastzuwachs gegenüber August verbucht. Pendler können über eine App auch Daueraufträge einbuchen, etwa jeden Wochentag um 8.00 Uhr in der Früh.

Gosch appellierte dabei auch an die Bildung von Fahrgemeinschaften über das GUSTmobil: "Wenn man sich zusammenredet und mehrere Personen eine Strecke fahren, wird's billiger." Das Durchschnittsalter der Nutzer ist 49 Jahre, die Mehrzahl ist weiblich. 80 Prozent der Buchungen gehen über Telefon, aber der App-Bereich wächst laut Hahn. Durchgeführt werden die Fahrten von sieben konzessionierten Unternehmer mit 20 Fahrzeugen, man könne aber auch noch eine weitere Rufgruppe anfordern: "Der Kunde hat immer eine Garantie, dass ein Fahrzeug verfügbar ist", sagte Hahn.

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