60.000 Jugendliche in Österreich arbeitslos:
Jugend für verbesserte duale Ausbildung

Bundesjugendvertretung veranstaltete Runden Tisch Regierung: Mehr Lehrstellen & bessere Information

Fünf Millionen Jugendliche sind in Europa arbeitslos. Allein in Österreich sind 60.000 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen. Dazu kommt, dass die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen mit einer Quote von 10,4 Prozent doppelt so hoch ist wie die österreichische Arbeitslosenrate insgesamt. Vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Zahlen fand auf Einladung der Bundesjugendvertretung ein Runder Tisch zur Jugendarbeitslosigkeit statt, an dem Vertreter der Regierung und Spitzen der Sozialpartner teilnahmen.

Der Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Ludwig Dvorak, zeigte sich mit dem Ergebnis der Gespräche zufrieden. Das Zustandekommen des Runden Tisches sei bereits als Erfolg zu werten. Er bedauere aber, dass die eingeladenen Regierungsmitglieder wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein nicht da waren. Er habe gehofft, dass das Thema Jugendarbeitslosigkeit der Regierung wichtig genug sei um an der Diskussion teilzunehmen.

Jugend fordert bessere Jobs
Die Bundesjugendvertretung habe ihre Forderungen präsentiert. Schwerpunkte seien dabei eine Verbesserung der dualen Ausbildung und die Verbesserung von Jobs an sich. Denn nur Arbeit mit einer entsprechenden Qualität und Absicherung garantierten eine nachhaltige Integration Jugendlicher am Arbeitsmarkt.

Der Regierungsbeauftragte für Jugendbeschäftigung, Egon Blum, sprach von voller Übereinstimmung bei den wesentlichen Themen der Gesprächsrunde. Wichtige Punkte seien das Schaffen von noch mehr Lehrstellen und bessere Informationen zur Berufswahl.

"Trotz zusätzlicher Lehrstellen geht die Lehrstellenlücke weiter auf, bei der Blum-Förderung ist der Aufwand größer als die Wirkung, und der Anteil der Jungen ohne Ausbildung nach der Pflichtschule steigt", so AK-Präsident Herbert Tumpel. Vor diesem Hintergrund habe sich die Jugendarbeitslosigkeit seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. Für bessere Zukunftschancen der Jungen fordert Tumpel unter anderem einen Lastenausgleich zwischen nicht ausbildenden und ausbildenden Betrieben.

Niemand dürfe sich durch etwas mehr offene Lehrstellen darüber hinwegtäuschen lassen, dass auch die Lehrstellenlücke größer werde, so Tumpel. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) hatten Ende Mai genau 16.359 Jugendliche keine Lehrstelle im Betrieb. Ihnen bot die Wirtschaft 3.643 offene Lehrstellen an. Das ergibt eine Lücke von 12.716 zwischen der Zahl der Lehrstellen suchenden Jugendlichen und den offenen Lehrstellen - das Minus ist damit trotz "Blum-Förderung" um 318 oder 2,6 Prozent größer als Ende Mai 2005 (-12.398).

Alarmierend sei ebenfalls, dass der Aufwand der Bundesregierung für die "Blum-Förderung" zusätzlicher Lehrstellen den Effekt bei weitem übersteige: Für fast 11.500 Lehrlinge bekam die Wirtschaft bis Mitte Mai Förderungen, laut Wirtschaftskammer gibt es aber nur knapp 3.750 zusätzliche Lehrstellen.

Generell sollen Förderungen von Lehrverhältnissen an Qualitätskriterien geknüpft sein, fordert Tumpel. Qualitätskriterien für die Zuerkennung von Förderungen könnten zum Beispiel die bestandene Lehrabschlussprüfung oder die Weiterqualifzierungen sein.
(APA/red)