500 Experten in Wien: Erster Gipfel für Ausbau des EU-Lateinamerika-Business

Christoph Leitl: Handelsvolumen bis 2012 verdoppeln EU-Kritik an jüngsten Verstaatlichungen in Bolivien

Einen Impuls für den weiteren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den Staaten Lateinamerikas und der Karibik will der erste EU-Lateinamerika-Karibik-Wirtschaftsgipfel geben, der in Wien stattfindet. Parallel zum EULAC-Gipfel der Staats- und Regierungschefs sind rund 500 Wirtschaftsexperten und Manager aus der Region im Schloss Belvedere zusammengekommen.

Das Handelsvolumen und die Direktinvestitionen sollen bis zum Jahr 2012 verdoppelt werden, setzten sich Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl als Ziele. Kritik wurde von EU-Seite an den jüngsten Verstaatlichungen im Ölsektor in Bolivien geäußert, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte Rechtssicherheit für Investoren.

Im Jahr 2005 war das Handelsvolumen zwischen der EU und Lateinamerika sowie der Karibik (LAC) gegenüber 2004 um annähernd 13 Prozent auf rund 126 Mrd. Euro angestiegen. Die LAC-Region stellte aber trotzdem lediglich einen Anteil von 5,6 Prozent des gesamten EU-Handelsvolumen. Hier gebe es ein enormes Ausbaupotenzial in beiden Richtungen, betonte Bartenstein. Auch das Volumen der Direktinvestitionen - 2004 waren es rund 287 Mrd. Euro von EU-Unternehmen in der LAC - sollte in beiden Richtungen deutlich ausgebaut werden, denn das werde zu einer soliden Basis für künftiges Wirtschaftswachstum.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Lateinamerika ist in den vergangenen Jahren dynamisch verlaufen: Die Region weist ein Wirtschaftswachstum von 5 Prozent aus, und die Inflationsrate lag zuletzt bei 5,4 Prozent. Die EU hat derzeit Freihandelsabkommen mit Mexiko und Chile. Der mexikanische Wirtschaftsminister Sergio Alejandro Garcia de Alba Zepeda präsentierte sein Land als Investitionsstandort und Tor zu Lateinamerika, da es mit über 40 Ländern Freihandelsabkommen habe. Mexiko plane keine Privatisierung seiner staatliche Ölgesellschaft PEMEX, stellte der Minister im Zusammenhang mit der Diskussion um Verstaatlichungen in Bolivien fest.

Die Globalisierung sollte nicht nur von den großen Multis genützt werden, sondern auch von kleinen und mittleren Unternehmen, forderte Leitl. Chancen für die österreichische Wirtschaft sieht er insbesondere in Gesundheitsprojekten, im Umweltschutz und im Energiewesen. Bei den österreichischen Exporten nimmt Lateinamerika als Bestimmungsland derzeit einen ziemlich geringen Anteil ein: In den ersten drei Quartalen 2005 gingen nur 0,9 Prozent der heimischen Ausfuhren (insgesamt 68,7 Mrd. Euro) nach Lateinamerika. Demgegenüber gingen 6,6 Prozent der Ausfuhren nach Nordamerika und 6,5 Prozent nach Asien. Wichtigster Exportmarkt Österreichs in Lateinamerika ist Brasilien, gefolgt von Mexiko.

Leitl und Valentin Diez Morodo, der Präsident der mexikanischen Außenhandelsvereinigung COMCE (Consejo Mexicano del Comercio Exterior), übergeben am Freitag ein Memorandum der Teilnehmer des Business Summits an die Staats- und Regierungschefs. Ziel des ersten EU-Lateinamerikanischen Wirtschaftsgipfels sei es, den Außenhandel zwischen Europa, Lateinamerika und der Karibik zu intensivieren. (apa/red)