500.000 Homo-Gegner in Rom auf der Straße: Großdemo für traditionelle Familie

Berlusconi führt Protest am Familientag in Rom an Gleichstellung in Italien noch lange nicht angestrebt

Eine halbe Million Menschen haben sich laut den Organisatoren an einer Großdemonstration in Rom gegen die Legalisierung von außerehelichen homo- und heterosexuellen Partnerschaften beteiligt. Angeführt wurde die Demonstration von Oppositionschef Silvio Berlusconi sowie von Vertretern der Mitte-Rechts-Allianz. Auch einige Minister der Mitte-Links-Regierung Prodi nahmen an der Kundgebung gegen das vom Kabinett verabschiedeten Gesetz teil, mit dem außerehelichen Lebenspartnerschaften eine rechtliche Anerkennung erhalten sollen.

Das Gesetz war vom Kabinett im Jänner verabschiedet worden und wird derzeit vom Parlament diskutiert. Es hatte die Regierung zutiefst gespalten und die hitzige Reaktion des Vatikans ausgelöst, der wiederholt vor einer Zerstörung der auf der Ehe basierenden traditionellen Familie warnt. Dabei ist Prodis Modell für die Legalisierung der Lebensgemeinschaften noch weit von den Standards mehrerer europäischer Länder entfernt. Der mühsam errungene Kompromiss zwischen den christdemokratischen und den laizistischen Parteien der Koalition schafft keineswegs standesamtliche Schwulentrauungen wie in Spanien oder Dänemark, bricht aber doch mit der Nichtanerkennung aller Ehe-Konkurrenzinstitutionen, wie sie die Kirche fordert. Laut dem Gesetz sollen sich Zusammenlebende beim Standesamt einzeln "registrieren" lassen. Weitgehende Rechte für Auskunft und Pflege im Krankheitsfall sind ebenso vorgesehen wie Pflichten zur gegenseitigen Unterstützung bei Bedürftigkeit.

"Sind nicht gegen Homosexuelle"
"Wir sind nicht gegen die Homosexuellen, wir denken jedoch, dass nur eine auf der Ehe gegründete Familie eine gesellschaftliche Funktion erfüllen kann", sagte der christdemokratische Oppositionspolitiker Rocco Buttiglione, der in den vergangenen Jahren wegen seiner homo-feindlichen Aussagen vor dem EU-Parlament international für Verärgerung gesorgt hatte.

Vatikan-Fahnen geschwenkt
Die Demonstranten, die sich vor der Lateranbasilika versammelten, forderten die Regierung zu stärkerem Einsatz für die Familie auf. Man müsse die Ausgaben für die Familienpolitik auf 2,5 Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts steigern, was 30 Milliarden Euro ausmacht, sagte Buttiglione. Dutzende von Politikern hielten Ansprachen vor den Teilnehmern, die gelb-weiße Fahnen mit den Farben des Vatikans schwenkten. Die Demonstration wurde mehrheitlich von katholischen Organisationen veranstaltet. Auf dem Lateranplatz war auch eine drei Meter große Hochzeitstorte zu sehen. "Ja zur Familie, ja zur Ehe", betonten die Demonstranten.

Gegendemo für Legalisierung
Die laizistischen Gruppierungen, die sich für die Legalisierung der Lebenspartnerschaften einsetzen, reagierten mit der Gegendemonstration "Laizistischer Mut". "Nicht die Anerkennung der Lebensgemeinschaften, sondern unsichere Lebensbedingungen bedrohen die Familien und die Zukunft der jüngeren Generationen", sagte der Europa-Abgeordnete der Italienischen Kommunisten Marco Rizzo. Angeführt wurde die laizistische Demonstration, die die Verabschiedung des umstrittenen Gesetzes über die Lebenspartnerschaften fordert, von der italienischen Europaministerin Emma Bonino. Sie machte darauf aufmerksam, dass die Kundgebung am Jahrestag der Volksabstimmung stattfindet, mit der sich die Italiener am 12. Mai 1974 für das Scheidungsgesetz ausgesprochen hatten.

Italiener gespalten
Die Debatte über die Legalisierung der Lebenspartnerschaften spaltet die Italiener. 48 Prozent der Befragten befürworten zur selben Zeit die Prinzipien, die den Familientag inspirieren, treten jedoch zugleich für eine Anerkennung der Zivilrechte unehelicher Paare ein. 40 Prozent der Italiener behaupten, sie würden - zumindest ideell - am Familientag in Rom teilnehmen.

(apa)