500.000 Euro wechselten Besitzer: Elsner soll Ex-Konsum-Chef Geld aufgedrängt haben

Gerharter vor Gericht: "Ich sagte, ich will das nicht" Elsner dementiert: "Hätte Senilität im Endstadium"

500.000 Euro wechselten Besitzer: Elsner soll Ex-Konsum-Chef Geld aufgedrängt haben

Im BAWAG-Prozess hat der frühere Konsum-Generaldirektor Hermann Gerharter vorübergehend die Anklagebank verstärkt, während von den "üblichen" neun Angeklagten der ehemalige BAWAG-Aufsichtsratpräsident Günter Weninger, der Investmentbanker Wolfgang Flöttl und der Bankprüfer Robert Reiter zu Hause bleiben durften: Sie spielten bei dem Vorgang, den der Schöffensenat am 41. Verhandlungstag zu beleuchten hatte, keine Rolle.

Die Aufmerksamkeit galt im Wesentlichen einem großzügigen Geschenk, das der ehemalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner dem langjährigen Leiter des Mitte der neunziger Jahre in die Pleite geschlitterten Lebensmittel-Riesen Konsum wenige Wochen vor seiner Pensionierung gemacht haben soll. Nach Darstellung Gerharters wurde er am 12. März 2003 in Elsners Büro bestellt, wo dieser ihm rund 550.000 Euro in bar übergeben haben soll: "Ich sagte, ich will das nicht". Elsner habe ihm aber das Geld förmlich aufgedrängt. "Ich habe es scheu angesehen. Ich habe noch nie so viel Geld auf einem Haufen gesehen", schilderte Gerharter dem Gericht. Das Geld sei dann in eine Plastiktasche gestopft worden: "Die war prall gefüllt. Damit bin ich gegangen."

Die Summe entsprach in etwa jenem Kredit, um den Gerharter 2002 bei der BAWAG angesucht hatte, nachdem er mit rechtskräftigem Gerichtsbeschluss zur Übernahme der Gerichts- und Sachverständigengebühren aus seinen beiden Strafverfahren in Folge der Konsum-Pleite verpflichtet worden war. Neben einer Geldstrafe von rund 13.000 Euro wurde Gerharter zur Zahlung des 45-fachen an Gerichtsgebühren und Sachverständigenkosten verurteilt, nämlich 580.000 Euro. Der Betrag wurde allerdings vom Gericht jahrelang nicht bei Gerharter eingefordert, seine dafür getätigte "Vorsorge" mittels des BAWAG-Kredits ging also ins Leere. Erst sieben Jahre nach dem Verfahren, im Jänner 2007, erhielt Gerharter die Zahlungsaufforderung vom Gericht und überwies das Geld. Er sei immer zahlungsbereit gewesen, versicherte Gerharter jetzt.

"Wenn du zahlen musst, spring ich ein"
Der an sich wohlhabende Gerharter - allein die Abfindung seiner Pensionsansprüche machte umgerechnet 1,235 Mio. Euro aus - wollte sein Privatvermögen im Hinblick auf seine "Alterssicherung" nicht antasten. Daran anschließend habe Elsner noch die "Glattstellung" seines Kontos bei einer BAWAG-Filiale in Mödling in die Wege geleitet und einen schriftlichen Forderungsverzicht der BAWAG veranlasst, berichtete Gerharter weiter. Er habe sich natürlich gefragt, "warum man so gut zu mir ist". Seine Erklärung: Elsner habe ihm schon 2002 versichert, man werde ihm, Gerharter, wegen der Prozesskosten "helfen". Wie der ehemalige Konsum-Boss angab, habe ihm Elsner versprochen: "Wenn du zahlen musst, spring ich ein!" Sein Eindruck sei gewesen, dass der gesamte Vorstand diese Vorgangsweise billigte und auch der ÖGB Bescheid wusste, so Gerharter.

Elsner reagierte auf diese Darstellung mit einem "Das ist ja lächerlich!". Wenn es das behauptete Geldgeschenk gegeben hätte, "dann hätte ich Senilität im Endstadium", so der Ex-BAWAG-Generaldirektor. Gerharter belaste ihn zu Unrecht, "offenbar um seine Position zu erleichtern". Der Staatsanwalt beschuldigt Elsner in der Causa Gerharter der Untreue, der frühere Konsum-General sowie der ehemalige BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz, der sich ebenfalls "nicht schuldig" bekannte, wurden als Beitragstäter angeklagt.

Elsner bestreitet Gerharters Version
Wenn Gerharters Version der Wahrheit entspräche, "dann würde ich mich selber verurteilen, und zwar strafrechtlich und zivilrechtlich", sagte Elsner. Im Fall einer Geldübergabe hätte sich Gerharter außerdem im Sekretariat anzumelden gehabt: "Da kann er ja nicht plötzlich vor der Tür stehen und sagen 'Ich hätt' gern a Geld!'. So geht's ja nicht!" Fazit Elsners: "Da stimmt ja alles hinten und vorn nicht!"

In Bezug auf die "Kontobereinigung", die die BAWAG zunächst zusätzliche 130.00 Euro kostete - Gerharter hatte erst Anfang 2007 nach Bekanntwerden der inkriminierten Vorgänge der Bank insgesamt 707.000 Euro zurückbezahlt - , sowie den Forderungsverzicht, räumte Elsner ein, dies intern "empfohlen" zu haben. Er habe "die Abschreibung befürwortet". Grund: Gerharter habe sich bei ihm über seine verschlechterte persönliche Situation beklagt: "Er hat mir erzählt, er sei in Scheidung, hat kein Vermögen, kann nicht mehr. Er hat das alles sehr elend geschildert, und dieses Elend wollte ich nicht vergrößern."

Banker weist Schuld von sich
Mit der Genehmigung des Forderungsverzichts - Ausgangsbasis dafür war ein Schriftstück mit dem Vermerk "Ja, Elsner" - habe er nichts mehr zu tun gehabt, stellte Elsner fest: "Da war ich schon in Pension." Gerharter hatte - als die BAWAG von ihren Ansprüchen gegen den früheren Konsum-General Abstand nahm - bei derselben Bank übrigens Vermögen von über 900.000 Euro in Form von Sparbüchern und Wertpapieren veranlagt. Elsner betonte, das nicht gewusst zu haben. Wenn dem so sei und Gerharter trotzdem die "Abschreibung" in Anspruch genommen habe, "ist das seine Schuld und nicht meine", schloss Elsner.

Gerharter gab nach Elsners Einvernahme wörtlich zu Prokoll: "Ich wundere mich, Kollege Elsner, dass man solche Lügen auftischen kann!" Er hatte dessen Ausführungen mit Kopfschütteln und teils offensichtlicher Fassungslosigkeit verfolgt.

BAWAG-Mitarbeiter im Zeugenstand
Mehrere BAWAG-Mitarbeiter wurden als Zeugen befragt, die angaben, sie hätten lediglich die Anweisungen zur Glattstellung von Gerharters Konten ausgeführt und nicht nachgefragt. Richterin Claudia Bandion-Ortner will dazu noch weitere Zeugen befragen, darunter Kassiere in den betreffenden BAWAG-Filialen Tuchlauben und Mödling sowie die damaligen Sekretärinnen von Elsner. Daher wird das Beweisverfahren gegen Gerharter, Elsner und Nakowitz fortgesetzt und weitere Zeugen geladen. Ein neuer Verhandlungstermin für Gerharter ist noch nicht fixiert. Staatsanwalt Georg Krakow dehnte zum Abschluss der Verhandlung die Anklage gegen Nakowitz aus, ihm wird nun u.a. vorgeworfen, er habe BAWAG-Angestellte angewiesen, Mahnungen betreffend Gerharters Kredit zu unterlassen.

(apa/red)