500.000 Diabetiker zu schlecht betreut:
Versorgung in Österreich sehr mangelhaft

European Health Consumer Index sollte wach rütteln Dorner und Ludvik über scharfe Kritik am System

500.000 Diabetiker zu schlecht betreut:
Versorgung in Österreich sehr mangelhaft © Bild: Frank Rumpenhorst/DPA/APA

Rund 500.000 Österreicher sind Diabetiker. 90 Prozent davon haben Typ 2-Diabetes (ehemals "Altersdiabetes"). Kritik an einem Teil der Versorgungsstrukturen übt jetzt die Österreichische Diabetes-Gesellschaft aus Anlass des Welt-Diabetes-Tages am 14. November. "Österreich liegt bei den Folgeschäden an der Spitze", so der Präsident der Fachgesellschaft Bernhard Ludvik.

Als "deutliche Handlungsaufforderung" an die Gesundheitspolitik bezeichnete der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner, das Ergebnis des in Brüssel veröffentlichten neuen European Health Consumer Index bezeichnet. In diesem Vergleich von 31 internationalen Gesundheitssystemen war Österreich unter anderem wegen mangelnder Prävention bei Diabetes von Rang 1 auf Rang 3 zurückgefallen.

Im Europa-Vergleich sehr schlecht
Speziell bei den Dialysepatienten (diabetische Nephropathie), bei den Komplikationen wegen des "diabetischen Fußes" (Amputationen) und bei den Todesfällen insgesamt infolge der Zuckerkrankheit ist die Alpenrepublik offenbar im Europa-Vergleich schlecht. Ein möglicher Grund laut Ludvik: "Die zweite Ebene der Versorgung mit Ambulanzen und mit niedergelassenen Internisten mit Endokrinologie-Ausbildung ist mangelhaft. Es gibt keinen einzigen Internisten und Endokrinologen mit einem Kassenvertrag." Zwar geben viele Spitäler an, sie hätten eine Diabetes-Ambulanz, doch wenn es um das Angebot von Schulungen für die Zuckerkranken oder Fußambulanzen geht, ist das Netz schon viel dünner.

Josef Probst, Stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. "Diabetes ist eine typische Erkrankung der Wohlstandswelt. Wir brauchen eine konsequente Investition in die Prävention. Wir brauchen eine Verbesserung der medizinischen Betreuung der Patienten durch strukturierte Programme."
(apa/red)