50 Prozent leiden an "sozialem Jet-Lag":
Zwangs-Frühaufsteher häufig nikotinsüchtig

Innere Uhr harmoniert oft nicht mit Arbeitszeiten Viele Büroräume sind nur ungenügend beleuchtet

Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet laut Wissenschaftern der Universität München an so genanntem sozialem Jet-Lag. Schlafforscher Till Roenneberg versteht darunter das Problem, wenn die innere Uhr von Menschen nicht mit den täglichen Arbeitsstunden harmoniert. Was die Sache noch unangenehmer macht: Personen mit sozialem Jet-Lag neigen verstärkt zu Nikotinsucht, meldet die Wissenschaftszeitschrift "New Scientist".

Eines der Hauptprobleme hat der Wissenschafter schon in früheren Untersuchungen identifiziert: Viele Arbeitsräume sind zu dunkel. Selbst in gut ausgeleuchteten Büros sind gerade einmal 400 Lux (Einheit für Beleuchtungsstärke, Anm.) messbar. Zum Vergleich: An einem regnerischen Tag sind es im Freien 10.000 Lux und bei Sonne über 100.000 Lux und mehr.

Innere Uhr passt sich nicht an Arbeitsalltag an
Das Ergebnis der "permanenten Dunkelhaft" von Innendienstlern ist, dass ihre innere Uhr praktisch nie an den Arbeitsalltag angepasst wird. Im Groben wird diese Uhr zwar über die Genetik gesteuert, die Feinjustierung erfolgt allerdings über das Tageslicht. In seiner Studie fand Roenneberg nun durch Umfragen an über 500 Probanden heraus, dass bei rund der Hälfte der Bevölkerung die täglichen Arbeitszeiten nicht mit den Körperrhythmen synchron laufen.

Zwangs-Frühaufsteher häufig nikotinsüchtig
Neben anderen Unannehmlichkeiten neigen betroffene Personen auch verstärkt zur Nikotinsucht. Während Menschen mit stimmigen Tagesrhythmen nur zu zehn Prozent rauchen, sind es bei den Menschen mit sozialem Jet-Lag - je nach Grad des Asynchronismus - bis zu 70 Prozent. Generell sind die so genannten Chronotypen laut Roenneberg in der Bevölkerung breit gestreut. Der Durchschnitt bevorzugt eine Schlafphase von 0.30 bis 8.30 Uhr, daneben gibt es aber ausgesprochene Nacheulen, die noch munter sind, wenn die ersten Frühaufsteher bereits mehr oder weniger fröhlich im Bad stehen. (APA/red)