50 Jahre im Dauerclinch: Chronologie des Konflikts zwischen Fatah und Hamas

Regierungswechsel führte in die Sackgasse

In dem innerpalästinensischen Machtkampf zwischen Hamas und Fatah hat eine Serie von Bombenanschlägen im Gaza-Streifen die Konfrontationen neu angeheizt. Eine Chronologie:

1958 - Gründung der Fatah-Bewegung im Exil in Kuwait durch
Yasser Arafat
1964 - Bildung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)
in Kairo durch die Fatah und andere Gruppierungen auf Wunsch
der Arabischen Liga (Zu den in der palästinensischen
"Nationalcharta" festgeschriebenen Zielen gehört
die Zerstörung Israels)
1967 - Sechstagekrieg - Israel besetzt das Westjordanland mit
Ostjerusalem und den Gaza-Streifen
1969 - Arafat wird als Nachfolger von Ahmed Shukeiri PLO-Vorsitzender
1974 - Arafat spricht vor der UNO-Vollversammlung, die das "Recht des
palästinensischen Volkes auf nationale Selbstbestimmung und
Unabhängigkeit" anerkennt - UNO verleiht PLO Beobachterstatus
1987 - Beginn der ersten "Intifada" (Volksaufstand) im Gaza-Streifen
und Westjordanland. Der Palästinensische Nationalrat
(Exilparlament) ruft in Algier den "Staat Palästina" aus
und erkennt gleichzeitig das Existenzrecht Israels an.
- Gründung der radikalen Hamas ("Bewegung des Islamischen
Widerstandes") durch Scheich Ahmed Yassin in Gaza
(angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste,
die damit das Ziel verfolgt haben sollen, Arafat zu
schwächen.) Hamas bleibt außerhalb der PLO.
1993 - Grundlagenvertrag Israel-PLO - Friedensformel "Land für
Frieden" (Arafat erhält dafür zusammen mit Israels Premier
Yitzhak Rabin und Außenminister Shimon Peres den
Friedensnobelpreis)
1994 - Abkommen über die erste Phase der palästinensischen
Selbstverwaltung im Gaza-Streifen und im Gebiet von Jericho.
1996 - Allgemeine Wahlen in den Selbstverwaltungsgebieten:
Arafat mit 87 Prozent zum Präsidenten gewählt.
Fatah erringt Zweidrittelmehrheit im Legislativrat.
1998 - PLO bekräftigt Streichung der Charta-Bestimmung über
Zerstörung Israels
2000 - Gipfel von Camp David: Verständigung zwischen Arafat und
Israels Premier Ehud Barak scheitert an Jerusalem-
und Flüchtlingsfrage - Beginn der zweiten "Intifada"
2001 - Ariel Sharon wird Premier, Israel bricht Kontakt zu Arafat
ab und stellt ihn in Ramallah faktisch unter Hausarrest.
Wiederbesetzung von Selbstverwaltungsgebieten.
US-Präsident George W. Bush spricht sich vor der
UNO-Vollversammlung für künftige friedliche Koexistenz
von "zwei Staaten, Israel und Palästina, in sicheren
und anerkannten Grenzen" aus.
2003 - Einführung des Amts eines palästinensischen
Ministerpräsidenten. Mahmoud Abbas (Abu Mazen) wird
Premier, Arafat bleibt Präsident. Bush präsentiert die
"Roadmap", den Friedensfahrplan des Nahost-"Quartetts"
(USA, UNO, EU, Russland). Palästinenser stimmen zu,
Israel erhebt 14 Einwände; USA versichern, Israels
Bedenken bei der Umsetzung zu berücksichtigen.
- Gipfeltreffen Sharon-Abbas-Bush im Juni in Akaba
(Jordanien).
Abbas demissioniert im September, Ahmed Korei (Abu Ala)
wird Premier.
2004 - Die israelische Armee tötet die Hamas-Führer Scheich
Ahmed Yassin und Abdelaziz Rantisi und weitere radikale
Palästinenser. Arafat stirbt.
2005 - Mahmoud Abbas wird zum palästinensischen Präsidenten
gewählt. Hamas akzeptiert informelle Waffenruhe.
Israel räumt den Gaza-Streifen.
2006 - Neuwahl des palästinensischen Legislativrats:
Sieg der Hamas mit absoluter Stimmen- und Mandatsmehrheit,
ihr Spitzenkandidat Ismail Haniyeh wird Premier.
Koalitionsverhandlungen mit Fatah scheitern. Westlicher
Finanzierungsstopp. Nahost-Quartett fordert von Hamas
Anerkennung Israels. Hamas-Regierung schafft parallele
Sicherheitskräfte. Abbas scheitert mit Versuch, Bevölkerung
in einem Referendum über Zwei-Staaten-Prinzip abstimmen
zu lassen.
2007 - Abbas und Haniyeh treffen auf Initiative des saudiarabischen
Königs Abdullah in Mekka zusammen, Bildung einer Einheits-
regierung unter Führung von Haniyeh. Ab Mai neue Kämpfe,
Hamas verdrängt Fatah aus dem Gaza-Streifen. Abbas bildet
im Westjordanland Notstandskabinett der Fatah unter Salam
Fayyad.
2008 - Abbas ruft Hamas zu Versöhnungsgesprächen ohne Vorbedingungen
auf, Vorbehalte der US-Regierung. Wieber blutige Zusammenstöße
im Gaza-Streifen.

(apa/red)