5. Tag im Babymorde-Prozess: Zeugen wollen Schwangerschaft bemerkt haben

Nachbarin: "Ich war sicher, dass sie schwanger war" Urteil wird nun doch für den Freitag anberaumt

Im Grazer Babymord-Prozess sind am Mittwoch weitere Zeugen einvernommen worden. Weiters war der gynäkologische Sachverständige Peter Husslein am Wort. Der 33-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, fünf Babys unmittelbar nach der Geburt getötet zu haben. Ihr Lebensgefährte muss sich ebenfalls wegen vierfachen Mordes verantworten.

Am fünften Prozesstag wurden jene Zeugen befragt, die von einer Schwangerschaft bei Gertraud A. sehr wohl etwas bemerkt haben wollen. Bisher hatten Bekannte des Paares übereinstimmend erklärt, ihnen wären nie Anzeichen einer Schwangerschaft bei der 33-Jährigen aufgefallen.

Eine ehemalige Vermieterin schilderte ihre Beobachtungen: "Sie ist nur mit einem Badetuch bekleidet zu Toilette gegangen. Da habe ich deutlich gesehen, dass sie schwanger ist." Als Getraud A. plötzlich wieder schlank war, dachte sich die 63-Jährige: "Vielleicht hat sie das Hascherl weggelegt".

Zum selben Zeitpunkt war damals in Wien ein kleines Mädchen ausgesetzt worden. Ob es sich um das beim Schloss Schönbrunn aufgefundene Kind um eines von Gertraud A. handeln könnte, wurde nicht untersucht, da die Frau bisher angab, sie habe zu dieser Zeit kein Kind bekommen. Außerdem lehnten die Adoptiveltern des Babys eine DNA-Untersuchung strikt ab.

Als Sachverständiger war am Mittwoch der Gynäkologe Peter Husslein, Abteilungsleiter der Wiener Uni-Klinik für Frauenheilkunde, geladen. Dass die Frau möglicherweise fünf Geburten selbst völlig verdrängt hat, hielt er bei seiner Befragung für ausgeschlossen: "Es ist kein Fall bekannt, wo sich eine Frau nicht erinnern kann."

Frauen, die ihre Schwangerschaft verdrängen, würden "die üblichen Symptome auf abstruse Art interpretieren", sagte Husslein. "Ist Ihnen ein Fall bekannt, wo eine Frau vier Kinder verdrängt hat?", wollte Richter Karl Buchgraber wissen. "Nein, bei uns ist bis jetzt nicht einmal ein Wiederholungsfall aufgetreten", antwortete der Mediziner.

"Gibt es Fälle, wo sich Frauen an die Geburt nicht erinnern?", fragte der Richter weiter. "Nein, denn das ist ein emotionaler Ausnahmezustand. Es ist kein Fall bekannt, wo sich eine Frau an nichts erinnern kann", erwiderte Husslein.

Gertraud A. hatte mehrmals betont, sie könne sich an die Geburten so gut wie gar nicht erinnern und könne diese auch zeitlich nicht mehr einordnen. Ihr Lebensgefährte Johannes G. hatte bisher erklärt, er habe nie etwas von den Schwangerschaften oder den Geburten bemerkt. "Man kann so etwas normalerweise nicht nicht bemerken", meinte Peter Husslein dazu.

Die Schlussplädoyers und das Urteil werden entgegen ursprünglichen Ankündigungen des Grazer Straflandesgerichts nun doch wie geplant am Freitag seinen Abschluss finden. Wie Richter Karl Buchgraber der APA mitteilte, werde man nun doch am Donnerstag die Sachverständigen zu Wort kommen lassen und letzte Zeugen einvernehmen.

(apa/red)