5 1/2 Jahre Haft für Fahrer von Bin Laden: Militäranklage forderte eigentlich 30 Jahre

Chauffeur Hamdam bat Geschworenen um Nachsicht "Bin traurig, unschuldige Menschen getötet zu haben"

5 1/2 Jahre Haft für Fahrer von Bin Laden: Militäranklage forderte eigentlich 30 Jahre

Ein US-Militärtribunal in Guantanamo hat gegen den früheren Fahrer von Osama bin Laden eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verhängt. Nach eintägigen Beratungen einigte sich die Jury in dem US-Gefangenenlager auf das Strafmaß gegen Salim Hamdan, der bereits der Beihilfe zum Terrorismus für schuldig befunden worden war.

Mit der Strafe blieb das Tribunal deutlich unter der Forderung der Anklage, die mindestens 30 Jahre gefordert hatte. Mit dem Urteil dürfte Hamdans Strafe in etwa fünf Monaten abgebüßt sein, da das Gericht fünf Jahre und einen Monat seiner seit 2002 währenden Inhaftierung in Guantanamo anrechnete.

Um Milde gebeten
Die Strafzumessung gegen den Jemeniten Hamdan hatte nach dem Schuldspruch zunächst noch ausgestanden. Vor den letzten Beratungen der Jury hatte sich Hamdan für seine Dienste im Terrornetzwerk Al Kaida entschuldigt und die Geschworenen um Milde gebeten. "Es war so traurig zu sehen, dass unschuldige Menschen getötet wurden", sagte er im Verhandlungssaal. "Ich entschuldige mich persönlich bei all jenen, denen durch mich möglicherweise Leid zugefügt wurde."

Entschuldiung an die Terroropfer
Er sei im Dienst der Al Kaida in Afghanistan gelandet, weil er in seinem Heimatland Jemen keine angemessene Arbeit gefunden habe, sagte Hamdan weiter. Als er erfahren habe, dass Bin Laden hinter Terroranschlägen stecke, habe ein Umdenken eingesetzt. "Danach hat sich die Art und Weise, wie ich Bin Laden sah, natürlich sehr geändert", versicherte Hamdan. Er schloss seine Ausführungen mit einer abermaligen Entschuldigung an die Terroropfer.

30 Jahre gefordert
Militärankläger John Murphy hatte die Geschworenen in seinem Plädoyer hingegen aufgefordert, eine harte Strafe zu verhängen. "Angesichts der Fakten in diesem Fall sollten Sie die Möglichkeit lebenslanger Haft erwägen", sagte er zur Jury. Er halte eine Strafe von "nicht weniger als 30 Jahren" für angemessen.

Ob Hamdan in wenigen Monaten nach Ablauf seiner Strafe tatsächlich freikommt, war zunächst noch unklar. Zuvor hatte das Pentagon angekündigt, Guantanamo-Insassen unabhängig von den Urteilen der Militärjustiz auf unbestimmte Zeit in Gewahrsam zu halten, wenn sie als "feindliche Kämpfer" anzusehen seien und eine "Gefahr für die Welt" darstellten.

Beihilfe zum Terrorismus
Hamdan war zuvor der Beihilfe zum Terrorismus schuldig gesprochen worden. Den schwerer wiegenden Vorwurf der Verschwörung hatte die Jury aber nicht als erwiesen angesehen. Das Strafmaß wird in dem Gericht unabhängig vom Schuldspruch festgelegt. Hamdans Verteidiger hatten angekündigt, gegen den Schuldspruch in Berufung zu gehen.

(apa/red)