4 Jahre nach Athen reif für Silbermedaille:
Nach bitterer Pleite Paischer am Höhepunkt

Fand mit neuem Trainer wieder auf die Erfolgsspur Salzburger bereits mit sechs Jahren auf der Matte

4 Jahre nach Athen reif für Silbermedaille:
Nach bitterer Pleite Paischer am Höhepunkt © Bild: APA/Techt

In der Form seines bisherigen Judoka-Lebens ist Ludwig Paischer zu den Olympischen Spielen gereist, und in dieser Form war er in Peking in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm nur vom Südkoreaner Cho Min Ho zu schlagen. Olympia-Silber, vier Jahre nach der bittersten Erfahrung auf der Matte, die er bisher zu verkraften hatte, hielt der 26-jährige Salzburger, der in Oberndorf geboren wurde, in Straßwalchen wohnt und für die Union Raika Flachgau kämpft, den Erwartungen stand.

Bei seinem Olympia-Debüt 2004 in Athen hatte Paischer als Europameister und als einer der Topfavoriten des Turniers in der ersten Runde gegen den amtierenden Weltmeister verloren, wie im Finale 2008 hatte der Gegner auch damals Cho Min Ho geheißen. Paischer hat sich von diesem Tiefschlag aber nicht beirren lassen. "Es war die erste große Niederlage für mich. Ich weiß, was Hochs und Tief sind", sagt Paischer heute. 2005 folgte WM-Silber in Kario, 2006 EM-Bronze in Tampere und 2007 WM-Bronze in Rio des Janeiro. Mit EM-Gold in Lissabon im April gelang dem "Lupo" genannten Blondschopf der erste große Coup mit seinem neuen Techniktrainer Udo Quellmalz.

Zurück auf die Erfolgsspur
In der Umstellungsphase auf die Methoden und Techniken des neuen Trainers hatte Paischer etwas zu zweifeln begonnen, aber mit hartem Training und mit dem Ziel vor Augen fand er mit Platz drei beim Weltcup in Budapest (Mai 2007) wieder auf die Erfolgsspur zurück: "Udo hat mir sehr viel gebracht, technisch und taktisch habe ich mich weiterentwickelt." Der Salzburger arbeitet auch mit Mentalbetreuer Thomas Wörz zusammen und bezeichnet sich als "sehr stabil". "Uns verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Er bereitet mich auf vieles vor, damit mich nix aus der Ruhe bringt."

Echtes Energiebündel
Und Ruhe entspricht nicht unbedingt dem Naturell des zweifachen Europameisters, er ist ein echtes Energiebündel. "Ich muss mich immer bewegen. Ich tue immer mehr als ich muss." Und der 1,70 m große und 60 Kilogramm schwere Kämpfer gibt auch den Ton an beim Training mit Quellmalz und Kollegin Sabrina Filzmoser, denn auf der Matte tanzt alles zur Musik aus seinem iPod. Positiv wirkt sich auch das Wesen Filzmosers auf ihn aus. "Ich explodiere schnell mal, sie macht mich ruhiger, das kann mir in bestimmten Situationen viel bringen."

Früh auf der Matte
Paischer hat früh Gefallen am Judosport gefunden, seine Mutter Agnes kämpfte auf nationaler Ebene. Allerdings erlaubten die Eltern dem Knirps wegen seiner Größe und dem Gewicht erst mit sechs Jahren, mit dem Training zu beginnen. Talent hatte er auch für Fußball, doch musste er sich entscheiden - eine Entscheidung, die ihm leicht fiel und die er nie bereute. "Vorbild habe ich keines gehabt, es ist ja jeder körperlich anders gebaut. Aber es gibt natürlich gewisse Techniken", sagt der starke und ausdauernde Bodenkämpfer, der ein Jus-Studium begonnen hatte und 2004 zu einem Bakkalaureatsstudium Recht und Wirtschaft wechselte. (apa/red)