34 Monate Erfolglosigkeit endlich zu Ende:
"Herminator" zurück auf oberstem Podest

Lake Louise: Triumph in der Paradedisziplin Super G 35-Jähriger feiert 54. Weltcup-Sieg in seiner Karriere<br>Gratulieren Sie unserem Hermann zum Weltcupsieg!

34 Monate Erfolglosigkeit endlich zu Ende:
"Herminator" zurück auf oberstem Podest
© Bild: APA/EPA

Nach 34-monatiger Erfolglosigkeit ist Hermann Maier im alpinen Ski-Weltcup wieder auf die Siegerstraße zurückgekehrt. Der ÖSV-Superstar aus Flachau, der in einer Woche 36 Jahre alt wird, gewann den Super-G in Lake Louise klar vor dem kanadischen Lokalmatador John Kucera (+0,59 Sek.) sowie dem Schweizer Didier Cuche (0,68) und feierte damit bereits den insgesamt 54. Weltcup-Triumph seiner Karriere, den schon 24. im Super-G.

"Damit habe ich mein Saisonziel erreicht, denn ich wollte unbedingt noch einmal gewinnen", meinte der überglückliche 35-jährige Routinier, der sich lange Zeit nicht sicher gewesen war, ob es zum Sieg - dem ersten seit jenem vor fast drei Jahren in der Abfahrt am 28. Jänner 2006 in Garmisch - reicht. "Ansatzweise war das wieder der alte Hermann Maier, doch bei ein paar Stellen war schon noch etwas drinnen", meinte Maier, der bekanntlich Perfektionist ist, nach seiner spektakulären Fahrt speziell im unteren Teil auf der 2.572 m langen, abfahrtsähnlichen "Men's Olympic/East Summit"-Piste.

Denn bis zur zweiten Zwischenzeit hatte Kucera, der den oberen Teil neben US-Star Bode Miller (out nach Zwischenbestzeit, weil es ihm den Ski aufgeschlagen hatte) am besten erwischt hatte, noch zwei zehntel Sekunden Vorsprung auf den "Herminator" gehabt. Doch im unteren Teil fuhr Maier der Konkurrenz auf und davon, nahm Kucera auf etwas mehr als 30 Fahrsekunden gleich 79/100 ab und unterstrich seinen Ruf als bester Super-G-Fahrer aller Zeiten (insgesamt 37 Podestplätze/24 Siege/9 zweite und 4 dritte Plätze).

"War die richtige Entscheidung"
"Es war die richtige Entscheidung, hier herzukommen", erinnerte der Salzburger aber auch in der Stunde des Triumphes an jenen Rückschlag, der ihn in der Vorbereitung auf die Weltcup-Saison weit zurückgeworfen hatte: Am 13. Oktober erlitt Maier im Training im Mölltal eine Stauchung, die einen vier Millimeter langen Querriss in der Bandscheibe zwischen viertem und fünftem Lendenwirbel zur Folge hatte, wie erst Mitte November bei einer MRI-Untersuchung festgestellt wurde.

Deshalb hatte Maier vor zwei Wochen noch nicht einmal an "Training, geschweige denn ans Skifahren denken" können und sogar eine Pause bis zu den Dezember-Rennen in Europa erwogen. Aber der Doppel-Olympiasieger von Nagano 1998 kämpfte sich wieder einmal auf unglaubliche Weise zurück, belehrte wie schon nach seinem schweren Motorradunfall am 24. August 2001, bei dem er fast seinen rechten Unterschenkel verloren hatte, alle Kritiker eines Besseren und feierte seinen bereits vierten Super-G-Erfolg in Lake Louise.

"Kann es gar nicht glauben"
"Es ist unverstellbar für mich, dass ich hier gewonnen habe. Ich kann es eigentlich gar nicht glauben, denn die Voraussetzungen dafür waren alles andere als gut. Das ist sicher einer meiner schönsten Weltcup-Siege, ein ganz spezieller Moment, ein wunderschönes Gefühl, wenn man so wieder zurückkommt. Ich bin ja immer wieder abgeschrieben worden", betonte Maier, der bereits in der Abfahrt am Samstag (17.) gemerkt hatte, dass er langsam wieder dorthin kommt, wo er im Sommer beim Übersee-Training in Chile schon gewesen war - in Topform. "Ich bin hier immer besser ins Fahren gekommen. Dazu habe ich auch einen sehr schnellen Ski und das nötige Glück gehabt. Und ich bin voll auf Angriff gefahren, so wie schon lange nicht mehr, vor allem unteren Teil", wusste Maier, wo er das Rennen gewonnen hatte.

Auch die schnelle Kurssetzung kam dem Ex-Weltmeister, der sein bisher letztes Super-G-Training im August absolviert hatte, entgegen. Diese hatte vor dem Rennen für große Diskussionen gesorgt, da sie die Abfahrtsspezialisten ganz klar bevorzugte, wobei der Kurs ursprünglich sogar noch schneller gesetzt gewesen war. "60 bis 75 Meter ist ungefähr Abfahrts-Abstand, das ist zu direkt", erklärte ÖSV-Herrencheftrainer Toni Giger und lobte Renndirektor Günter Hujara für seine Entscheidung, den Kurs deshalb umzusetzen. Es war aber noch immer so schnell, dass einige Fahrer zu "Abfahrtslatten" griffen und damit die goldrichtige Wahl an diesem Tag trafen. So auch Maiers engerer Landsmann Michael Walchhofer, der nur um 11/100 das Podest verpasste.

Endstand:
1. Hermann Maier AUT 1:29,84 Min. Schnitt: 103,06 km/h
2. John Kucera CAN 1:30,43 +0,59 +16,78 m
3. Didier Cuche SUI 1:30,52 +0,68 +19,32 m
4. Michael Walchhofer AUT 1:30,63 +0,79 +22,42 m
5. Didier Defago SUI 1:30,71 +0,87 +24,67 m
. Marco Sullivan USA 1:30,71 +0,87 +24,67 m
7. Erik Guay CAN 1:30,83 +0,99 +28,03 m
8. Daniel Albrecht SUI 1:30,85 +1,01 +28,59 m
9. Aksel Lund Svindal NOR 1:30,88 +1,04 +29,43 m
10. Tobias Grünenfelder SUI 1:30,94 +1,10 +31,11 m
11. Werner Heel ITA 1:31,07 +1,23 +34,74 m
12. Christof Innerhofer ITA 1:31,12 +1,28 +36,13 m
13. Mario Scheiber AUT 1:31,29 +1,45 +40,85 m
14. Klaus Kröll AUT 1:31,34 +1,50 +42,24 m
15. Ivica Kostelic CRO 1:31,39 +1,55 +43,62 m
16. Marco Büchel LIE 1:31,52 +1,68 +47,21 m
17. Andrej Jerman SLO 1:31,66 +1,82 +51,07 m
18. Peter Fill ITA 1:31,79 +1,95 +54,64 m
19. Robbie Dixon CAN 1:31,88 +2,04 +57,11 m
20. Ambrosi Hoffmann SUI 1:31,89 +2,05 +57,38 m
21. Carlo Janka SUI 1:31,96 +2,12 +59,29 m
22. Olivier Brand SUI 1:31,97 +2,13 +59,57 m
23. Hannes Reichelt AUT 1:32,01 +2,17 +60,66 m
24. Benjamin Raich AUT 1:32,06 +2,22 +62,02 m
. Patrik Järbyn SWE 1:32,06 +2,22 +62,02 m
26. Christoph Gruber AUT 1:32,12 +2,28 +63,66 m
27. Manuel Osborne-Paradis CAN 1:32,19 +2,35 +65,56 m
28. Peter Strodl GER 1:32,22 +2,38 +66,38 m
29. Andrej Sporn SLO 1:32,23 +2,39 +66,65 m
30. Silvan Zurbriggen SUI 1:32,34 +2,50 +69,63 m
31. Stephan Görgl AUT 1:32,40 +2,56 +71,26 m

(apa/red)