300. Wiener Derby

Ein grausliches 0:0

Austria und Rapid trennen sich völlig verdient ohne Tor und ohne Sieger

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    Da wussten die Fans noch nicht, was für ein miserables Spiel sie erwarten wird.

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    Guido Burgstaller vergab die einzig nennenswerte Chance im ersten Durchgang. Am Fünfer hat er schlicht am Ball vorbei gehaut.

In einem über die vollen 90 Minuten erschreckenden Spiel trennen sich Austria und Rapid mit dem einzig richtigen und verdienten Ergebnis: 0:0. Den knapp 30.000 Zuschauern im Wiener Happel Stadion bietet sich eine schlimme Anhäufung teils kurioser Fehler. "Dieses Spiel hat heute über weite Strecken sehr wenig mit der Sportart Fußball zu tun gehabt", erkannte auch Sky-Experte Heribert Weber unmittelbar nach dem Spiel.

Spitzenreiter Rapid baute den Vorsprung in der Tabelle trotzdem aus und liegt nun zwei Zähler vor der Austria. Die auch im zweiten Spiel unter Ivica Vastic ungeschlagenen Violetten überholten die punktgleiche SV Ried.

Die beste Chance der Partie vergab Rapids Christopher Trimmel. Von Austrias Abwehr einmal sträflich allein gelassen, setzte der Flügelspieler in der 86. Minute den Ball per Kopf an die Lattenoberkante. Die Hütteldorfer bleiben im Happel-Stadion damit seit 2001 gegen die zuvor fünfmal in Folge siegreiche Austria sieglos.

Ein zähe Angelegenheit
Das Jubiläumsderby passte sich von Beginn weg der Stimmung an und wurde zur zähen Angelegenheit. Die Austria begnügte sich zumeist, Rapid das Leben in der eigenen Spielhälfte so schwer wie nur möglich zu machen. Einziger Torversuch der Violetten vor der Pause blieb ein harmloser Versuch von Alexander Gorgon (39.), insgesamt fabrizierten sie nur zwei Torschüsse in den ersten 45 Minuten überhaupt. Stürmer Roman Kienast hing völlig in der Luft.

Rapid hätte kurz vor dem Halbzeitpfiff bereits in Führung gehen können: Guido Burgstaller (44.) fabrizierte nach einem Hofmann-Eckball aber allein vor Austria-Torhüter Heinz Lindner ein Luftloch. Die vom harten Fan-Kern wie angekündigt nur bescheiden unterstützten Grün-Weißen zeigten sich ein wenig aktiver als die Austria, die Abwehr entblößte aber auch die Schöttel-Elf nie. Fehlpässe und technische Fehler auf beiden Seiten taten das Übrige zu einem wenig ansehnlichen Derby.

Lindner rettet nach Wiederanpfiff
Die Torsperre der Austria wackelte auch kurz nach Seitenwechsel bedrohlich, Lindner reagierte nach einem Kopfball von Trimmel (47.) aber mit Bravour. Ohne das für das 3:0 der Favoritner im August hauptverantwortliche Duo Nacer Barazite und Zlatko Junuzovic fehlten der Austria vor allem die spielerischen Ideen. Auch Rapid begnügte sich mit Fortdauer der Partie, lange Bälle zu schlagen.

Schöttel reagierte auf die matte Vorstellung nach einer Stunde und brachte mit Atdhe Nuhiu anstelle von Thomas Prager eine frische Kraft für die Offensive. Am Spielgeschehen änderte dies aber nichts. Rapids Derby-Debütant Lukas Königshofer im Tor musste erst in der 88. Minute den ersten Austria-Schuss durch Florian Klein parieren. Trimmel vergab auf der Gegenseite Rapids Matchball. Von den Rängen gab es ob der matten Darbietung von beiden Seiten nach Schlusspfiff Pfiffe.

Reaktionen
Peter Schöttel (Trainer Rapid): "Ich bin nicht zufrieden mit dem Punkt. Wir haben sicher kein gutes Spiel abgeliefert, aber mehr gemacht als der Gegner. Die Austria wäre heute machbar gewesen. Für uns war es von Start weg schwierig, die Austria ist unerwartet tief gestanden, hat uns das Spiel überlassen und nur auf Konter gewartet. In der zweiten Spielhälfte war die Austria besser, aber wir haben den Matchball gehabt. Das sind wieder zwei Punkte, die uns fehlen. Mit 17 0:0 werden wir am Ende nicht oben stehen. Aber wir haben zumindest das Minimalziel erreicht."

Steffen Hofmann (Kapitän Rapid): "Beide Mannschaften sind sehr tief gestanden, besonders die Austria in der ersten Spielhälfte. Am Schluss hatten wir die große Chance, die Dinger machen wir aber nicht rein, sonst wären wir schon weiter vorne. Wir sind Erster, werden in der Öffentlichkeit aber nur schlecht geredet. Wir waren taktisch diszipliniert und haben keine Chance zugelassen. Spielerisch steckt sicher mehr Potenzial in der Mannschaft."

Ivica Vastic (Trainer Austria): "Wir haben heute sehr gut gespielt, hinten nicht viel zugelassen. Wir haben gewusst, dass Rapid gut im Konter ist und wir wollten diese Räume nicht anbieten. Mit dem Punkt können wir auch zufrieden sein, das geht in Ordnung. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Spielerisch ist immer Platz für Verbesserung, wir haben neue Spieler bekommen und einige, die in der Vergangenheit nicht oft gespielt haben. Ich sehe Potenzial, wenn sie Praxis bekommen und sich einspielen."

Manuel Ortlechner (Kapitän Austria): "Fußballerischer Leckerbissen war es keiner. Rapid hat es uns nicht leicht gemacht, wir sind mit Fortdauer des Spieles aber besser ins Spiel gekommen. Nach vorne hat uns die Passsicherheit gefehlt. Aber es gibt eben auch Spiele, in denen es nicht so gut läuft."

SK Rapid Wien - FK Austria Wien Endstand: 0:0
Ernst-Happel-Stadion, 29.400 Zuschauer, SR Einwaller

Rapid: Königshofer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Pichler, Katzer - Heikkinen (82. Kulovits), Prager (64. Nuhiu) - Drazan (69. Alar),
Hofmann, Trimmel - Burgstaller

Austria: Lindner - Dilaver, Margreitter, Ortlechner, Suttner -
Holland, Liendl (71. Simkovic) - Leovac, Jun, Gorgon (46. Klein) -
Kienast (62. Tadic)

Gelbe Karten: Schimpelsberger, Burgstaller bzw. Dilaver, Klein,
Simkovic, Ortlechner
Die "Besten": Sonnleitner, Schimpelsberger, Trimmel bzw. Lindner, Ortlechner, Klein