300. Wiener Derby von

Defensive ist Trumpf

Die Trainer Schöttel und Vastic sehen ihre Stärken hinten. Trotzdem spielen sie auf Sieg.

300. Wiener Derby - Defensive ist Trumpf © Bild: GEPA/Ort

Vor dem 300. Wiener Derby (heute, 18.30, LIVE im NEWS.AT-Ticker) sehen beide Trainer die Stärken der Teams in der Defensive. Rapid geht dabei nach 20 Runden als Tabellenführer in den Jubiläumskracher, die Austria liegt als Dritter aber nur zwei Punkte zurück. Was das Derby bedeutet, ist beiden Trainern durchaus bewußt, sie kennen die Brisanz auch aus ihrer aktiven Zeit als Spieler. ""Das sind die wichtigsten Spiele des Jahres", weiß etwa Rapid-Ikone Schöttel.

Immerhin 436 Liga-Einsätze hat der Rapid-Coach für die Hütteldorfer absolviert. "Gegen die Austria will man immer gut ausschauen", gibt er zu. Für die Meisterschaft sei das Match zwar wichtig, jedoch keinesfalls vorentscheidend. "Aber wir können uns mit einem Sieg von der Austria ein bisschen absetzen, darauf arbeiten wir hin", sagte Schöttel.

Bei der Einschätzung des Gegners tappte der 44-Jährige eher im Dunkeln. Schließlich hat die Austria in der Winterpause mit Nacer Barazite und Zlatko Junuzovic zwei Schlüsselspieler verloren. Dieses Duo war am 21. August 2011 hauptverantwortlich für den klaren 3:0-Derbysieg der Austria im Happel-Stadion gewesen.

Vastic als Trainer-Unbekannte
Zudem sitzt mit Schöttels ehemaligem Nationalteam-Kollegen Ivica Vastic ein neuer Mann auf der Trainerbank. "Ivo kann ich als Trainer noch nicht so gut einschätzen. Deshalb beschäftige ich mich in der Matchvorbereitung nicht zu sehr mit der Austria, sondern eher mit unseren Stärken", meinte Schöttel.

Beim 2:0 der Austria zum Frühjahrsauftakt gegen Ried sah Schöttel einen kompakten Lokalrivalen. "Die Austria hat defensiv sehr wenig zugelassen, sie wirken sehr stabil", analysierte Schöttel, der die Austrianer aufgrund der neuen Voraussetzungen generell defensivorientierter als im Herbst unter Karl Daxbacher vermutet.

Rapid fehlen frühe Tore
Sein Team war beim 0:0 auf schwierigem Terrain in Wr. Neustadt ebenfalls defensivstark, hat aber keinesfalls geglänzt. Schöttel hofft, dass sich Rapid in Zukunft das Leben mit mehr frühen Toren und vor allem mehr Treffern nach Standardsituationen erleichtert. "Diese Tore fehlen uns sehr", stellte Schöttel fest.

Die Violetten dürfen auf die bessere Bilanz im Prater bauen, zuletzt gab es dort fünf Austria-Derbysiege in Folge. Das weiß auch Neo-Trainer Vastic. "Es scheint so, dass das Happel-Stadion ein Vorteil für die Austria ist. Ich hoffe, dass es wieder denselben Sieger wie die letzten fünfmal geben wird. Aber jedes Spiel ist ein neuer Anfang", meinte Vastic.

Vastic traf in seinem letzten Derby
Vastic hat sein letztes Wiener Derby als Spieler am 1. Juni 2005 im Happel-Stadion absolviert, damals gewann die Austria auch dank seines Kopfball-Treffers zum 2:1 das Cupfinale 3:1. Nun fiebert Vastic seinem Derby-Debüt als Trainer entgegen. "Wir sind gut vorbereitet. Jetzt warten wir voller Anspannung, dass es losgeht."

Da beide Teams aktuell ihre Stärken eher im Verhindern von Toren haben, könnte man ein Rasenschach erwarten. Vastic gab den Fans aber Hoffnung auf Offensivgeist. "Der Platz im Happel-Stadion ist in einem sehr guten Zustand. Da kann man sicher gut kombinieren. Wir werden den Weg in den Rapid-Strafraum suchen", versprach der 42-Jährige.

Respekt vor Hofmann
Gefahr von Rapid erwartet der Austria-Cheftrainer vor allem durch die von Steffen Hofmann ausgeführten Standardsituation sowie über Konterangriffe durch Christopher Drazan und Guido Burgstaller. Mit wertvollen Informationen wird Vastic auch von Co-Trainer Manfred Schmid versorgt, schließlich war Schmid in Wr. Neustadt Co-Trainer von Schöttel und kennt dessen Denkweise in- und auswendig.

Ein besonderes Spiel wartet auch auf Roman Kienast, der ehemalige Rapidler stürmt nun für die Austria. Kienast glaubt nicht, dass seine Person für Fan-Zündstoff sorgen wird. "Ich bin schon über sechs Jahre nicht mehr bei Rapid. Ich war kein Stammspieler, kein Liebling. Jetzt bin ich bei der Austria und fühle mich sehr wohl. Ich will jedes Spiel gewinnen, egal gegen wen", erklärte Kienast, der in der Winterpause von Meister Sturm Graz zur Austria gewechselt ist.

Wandervogel Kienast
Vastic, der nach seinem Transfer als Sturm-Ikone zur Austria ebenfalls für viele Grazer zum Buhmann geworden war, ist sich sicher, dass Kienast die Sache locker wegstecken wird: "Roman ist Fußballer durch und durch. Wenn er auf dem Platz steht, will er alles geben, egal wer auf der anderen Seite steht." Ob Roland Linz, der schon acht Derby-Tore für die Austria erzielt hat, diesmal zum Kader gehören wird, ließ Vastic am Freitag noch offen.

SK Rapid Wien - FK Austria Wien
(Heute, 18.30 Uhr, Wien, Ernst-Happel-Stadion, SR Einwaller)

Rapid: Königshofer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Pichler, Katzer - Heikkinen, Prager - Trimmel, Hofmann, Drazan - Burgstaller
Ersatz: Payer - Patocka, Soma, Thonhofer, Grodzurek, Nuhiu,
Prokopic, Kulovits, Alar, Wydra, Gartler

Austria: Lindner - Klein, Margreitter, Ortlechner, Suttner -
Holland, Simkovic - Gorgon, Jun, Leovac - Kienast
Ersatz: Kardum - Stankovic, Dilaver, Liendl, Mader, Tadic, Mally, A. Grünwald, Linz
Es fehlt: Grünwald (nach Schulter-OP)