30 Skelette gefunden: Kindermord-Skandal in Indien ausgeweitet - Schlampte Polizei?

Versäumnisse der Polizei - Entschädigungszahlungen

Der Skandal um die Kindermord-Serie in Nordindien weitet sich aus. Die Polizei hat auf dem Grundstück eines Vorstadthauses zunächst 30 Skelette entdeckt und zehn Tote identifiziert, wie die Behörden am Montag mitteilten. Die Kinder seien sexuell missbraucht, erwürgt und dann zerstückelt worden.

Einer der beiden verhafteten Verdächtigen räumte "Fehler" ein und bat um Vergebung, wie lokale Medien berichteten. Die Behörden setzten ein Komitee ein, das Versäumnisse der Polizei aufklären soll. Es soll auch untersucht werden, ob die geständigen Männer etwas mit dem Verschwinden von mehr als zwölf Kindern in einer anderen Region zu tun haben.

Im Zuge der vor etwa einer Woche begonnenen Ermittlungen auf dem Grundstück in der Industrieregion Noida etwa 22 Kilometer östlich der indischen Hauptstadt Neu Delhi waren 15 Totenschädel und zahlreiche verstreute Skelett-Teile gefunden worden. Wie die Polizei mitteilte, gilt ein Geschäftsmann, dem das Grundstück gehört, als der Hauptverdächtige für die Morde. Gegen ihn und einen geistig behinderten Hausangestellten sei Anklage wegen Mordes, Vergewaltigung, Entführung und krimineller Verschwörung erhoben worden. Das Haus des Geschäftsmanns wurde durchsucht, nachdem sein Angestellter den Mord an acht Kindern gestanden hatte.

In den vergangenen zwei Jahren waren in dem Dorf 38 Kinder verschwunden, darunter viele Mädchen aus armen Familien im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Der Geschäftsmann war in Verdacht geraten, als er das Mobiltelefon eines Opfers benutzte. Nach Angaben der Polizei hat er des öfteren Prostituierte in sein Haus in Noida eingeladen. Habe er keine bekommen können, soll sein Angestellter Kinder mit Süßigkeiten angelockt haben.

Der Polizeichef des Bundesstaates Uttar Pradesh, Bua Singh, räumte inzwischen Versäumnisse der Polizei ein. Sie habe den Berichten über die verschwundenen Kinder nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Sieben Polizisten wurden bereits vom Amt suspendiert. Der Bundesstaat kündigte eine Entschädigung von 4.522 Dollar (rund 3.427 Euro) für jede betroffene Familie an. Im zweiten Verdachtsfall handelt es sich um ein Slumgebiet in Chandigarh im Bundesstatt Punjab, wo der Geschäftsmann ein Büro hat.

Wütende Dorfbewohner hatten sich um sein Anwesen in Noida versammelt und mit Steinen geworfen, bis die Beamten sie auseinander trieben. Sie beschuldigten die Polizei, in den Fällen der vermissten Kinder nachlässig ermittelt und Hinweise nicht nachdrücklich genug verfolgt zu haben. Viele Eltern brachten Fotografien ihrer Kinder mit, um sie den Polizisten zu zeigen.

Im Jahr 2005 hat es nach Angaben der indischen Justiz 1.327 Kindermorde und 4.026 Fälle von Vergewaltigungen von Kindern gegeben.
(APA/red)