3:2 Sieg war für DFB-Teamchef Löw ein Kraftakt: Mit Leistung nicht ganz zufrieden

Nach spätem Ausgleich erlöste Lahm das DFB-Team In der Kabine war die Stimmung nach Match sehr gut

3:2 Sieg war für DFB-Teamchef Löw ein Kraftakt: Mit Leistung nicht ganz zufrieden © Bild: Reuters/Grimm

Deutschlands Nationalteam fehlt nach dem 3:2-Sieg gegen die Türkei nur mehr eine Etappe am Weg zum "Gipfelsieg" bei der EURO 2008. "Es war ein Wahnsinnsfight mit einer unglaublichen Dramaturgie", betonte DFB-Teamchef Joachim Löw. Nach dem späten, "nicht leicht wegzusteckenden" 2:2-Ausgleich der Türken in der Schlussphase hatte Philipp Lahm aber postwendend in der 90. Minute noch für ein deutsches Happy End gesorgt. "Dass wir noch einmal zurückgekommen sind, spricht für unsere Moral", sagte Löw.

In der Kabine war die Stimmung dann natürlich wie auf dem Spielfeld nach der Partie extrem gut. "Wir sind enorm zufrieden, es war ein tolles Gefühl in der Kabine", berichtete der Bundestrainer. Und der zur Pause wegen eines Cuts oberhalb des Auges, das mit sechs Stichen genäht wurde, ausgewechselte Simon Rolfes (Löw: "Ich gehe davon aus, dass er einsatzfähig ist"), ergänzte: "Wir waren alle sehr froh und natürlich erleichtert." Lange, ausgelassene Feierlichkeiten waren aber tabu, die volle Konzentration gilt bereits dem Endspiel in Wien.

Für diese Partie muss sich die DFB-Elf, die neuerlich in einer 4-2-3-1-Formation einlief, aber sicher steigern, will sie bestehen. "Wir hatten anfangs einige Ballverluste im Aufbau, dadurch waren wir schnell etwas verunsichert. Wir haben es auch nicht so gut in die Zweikämpfe geschafft, daher war es schwierig, das Spiel in den Griff zu bekommen", ortete Löw auch zahlreiche Schwachstellen. Im Endeffekt zähle aber die Effizienz. "Und die haben wir gehabt", so Löw.

Sieg war ein Kraftakt
Es sei jedenfalls "ein hartumkämpfter Sieg, ein Kraftakt", gewesen, gegen eine Türkei, die ein sehr, sehr gutes Turnier gespielt habe. "Die Türken haben uns einen großen Kampf geliefert, das Spiel stand bis am Ende auf der Kippe", sagte Löw. Warum der nötige spielerische Glanz bei der DFB-Elf fehlte, führte der Ex-Austria- und Tirol-Coach auf den fehlenden Spielrhythmus zurück. "Alle Mannschaften, die mal eine längere Pause hatten, hatten Probleme. Das war bei den Holländern, Kroaten und auch Portugiesen festzustellen", merkte der 48-Jährige an. Es sei bei so einem Turnier eben enorm wichtig, den Rhythmus von drei bis vier Tagen beizubehalten.

Aber auch in diesem Punkt fand Löw Positives. "Bei vielen Mannschaften war die Konstanz nicht da, bei uns war es auch so, dass wir nicht permanent auf einem hohen Niveau gespielt haben. Aber wichtig ist es eben, solche Spiele durchzustehen", betonte der Bundestrainer. "Das zeichnet die Mannschaft aus."

Keine Einzelkritik
Auf eine Einzelkritik wollte sich Löw nicht einlassen. "Fakt ist, die Mannschaft steht im Finale", würgte er die Frage nach der schwachen Leistung seines Kapitäns Michael Ballack ab. In der Folge hatte er aber doch noch Einzellob parat. Einerseits für Bastian Schweinsteiger, "der eine der größten Laufleistungen gezeigt hat, die es in diesem Turnier gegeben hat", andererseits für jene DFB-Kicker, die wenig oder noch gar nicht zum Einsatz gekommen waren. "Sie sind durch positive Trainingsleistungen und ihre tolle Einstellung ebenfalls Eckpfeiler des Erfolges", betonte Löw.

Die Deutschen, die sich vor der Partie eine Motivations-DVD mit Szenen von deutschen Fans auf den Fanmeilen angesehen hatten, wurden nach der Ankunft im Teamhotel "Il Giardino" in Ascona um zwei Uhr Morgens vom Hotelpersonal unter anderem mit einem Feuerwerk empfangen. Einige Spieler haben mit zwei bis drei Gläsern auf den Finaleinzug angestoßen, einige gingen schneller zu Bett.

Jetzt im Finale
"Im Training kann man jetzt fast keine Akzente mehr setzen", sagte Löw. Auch das Türkei-Spiel werde nicht mehr detailliert analysiert, immerhin habe man das Finale klar vor Augen.

"Es ist eine schöne Erfahrung, natürlich etwas ganz Besonderes und ein großes Glücksgefühl, im Finale zu stehen", betonte der DFB-Chefcoach. Vor allem da zuletzt sowohl beim Confed-Cup als auch bei der Heim-WM bereits im Halbfinale das Aus gekommen war. "Jetzt haben wir den Sprung geschafft", freute sich Löw. Im Finale sei nun auch der große Druck weg. "Die Spieler können es genießen und das Match mit Spaß und Freude angehen", merkte Löw an. Löw hat damit die Chance, nach Jupp Derwall (EM 1980) als erst zweiter DFB-Teamchef gleich sein erstes großes Turnier als hauptverantwortlicher Trainer mit dem Titelgewinn abzuschließen. (apa/red)

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