25 Jahre nach Kriegsende: Bewohner der Falkland-Inseln erleben Wirtschaftsboom

Fischerei erweist sich als Goldgrube für die Inseln "Ohne Krieg hätte es das alles nicht gegeben!"

25 Jahre nach Kriegsende: Bewohner der Falkland-Inseln erleben Wirtschaftsboom

25 Jahre nach dem Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien erleben die Insel-Bewohner eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Gewinne aus der Fischerei und ein funktionierendes Sozialsystem locken sogar zunehmend Neuzuwanderer an! Trotzdem hat der Krieg natürlich einige Narben hinterlassen.

Wären da nicht die hässlichen Spuren des Krieges, das Postkartenidyll der hauptsächlich von Pinguinen, Robben und Wildgänsen bewohnten Falkland-Inseln (Malwinen) wäre komplett. Weder Arbeitslosigkeit noch Kriminalität trüben das Leben der mehr als 3000 Bewohner auf dem Archipel im Südatlantik - die tausend britischen Soldaten und ihre Angehörigen auf dem Militärstützpunkt Mount Pleasant noch nicht eingerechnet. Der Beginn des argentinisch-britischen Krieges um die in Lateinamerika Islas Malvinas genannte Inselgruppe jährt sich zum 25. Mal. Bunker und Minenfelder zeugen noch davon, doch inzwischen gelten die Falklands als wirtschaftliches Boomgebiet.

Krieg als Wirtschaftsmotor
"Es ist fürcherlich, das auszusprechen - wegen der vielen Toten -, aber der Krieg war ein Segen für die Falklands", sagt die 57-jährige Inselbewohnerin Jenny Luxton. Vor dem Krieg bestand die Haupteinahmequelle in der Schafzucht. Die Wolle wurde einmal im Jahr mit dem Schiff nach Großbritannien gebracht. Viele "Kelpers", wie sich die Inselbewohner nennen, fuhren mit und kehrten nicht mehr zurück. Damals dünnte sich die Inselbevölkerung von etwa 1800 Einwohnern immer mehr aus. Das Bruttoinlandsprodukt lag bei durchschnittlich 3500 Dollar je Einwohner. Heute ist es auf 50.000 Dollar (37.500 Euro) gestiegen, das sind fast 60 Prozent mehr als in London.

Wirtschaftshoch, stabiles Sozialsystem
Ein 1986 gegründetes Fischereigebiet und die Vergabe von Lizenzen an europäische und asiatische Fangflotten, deren jährliche Beute bei rund 300.000 Tonnen Fisch liegt, haben sich als Goldgrube und Hauptdevisenbringer erwiesen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden damit im Jahresdurchschnitt 20 Millionen britische Pfund (30 Millionen Euro) eingenommen. Außerdem werden jüngsten Studien zufolge unter dem Meeresboden bei den Falklands Erdölvorräte in einer Größenordnung von mehr als sechzig Millionen Barrel Öl vermutet. "Ohne den Krieg hätte es das alles nicht gegeben", sagt Chief Executive Chris Simpkins.

Ein funktionierendes Sozialsystem im Gesundheits-, Bildungs- und Rentenwesen macht die Falklands auch für Neuzuwanderer attraktiv. Mittlerweile sind 60 Nationen auf dem aus den beiden Hauptinseln Ost- und Westfalkland und mehr als 200 kleinen Eilanden bestehenden Archipel vertreten. Auch 28 Argentinier gehören dazu. Drei Viertel der Bevölkerung leben in der Hauptstadt Stanley.

Die Opfer des Krieges
In der Nähe der Stadt Darwin befindet sich ein argentinischer Friedhof mit 230 Kreuzen. Nur 101 Kreuze sind mit den Namen der getöteten Soldaten beschriftet, auf den übrigen heißt es: "Argentinischer Soldat - nur Gott bekannt". In einer Bar hängt ein argentinisches Gewehr an der Wand. Inmitten von britischen Fahnen erinnert es an vergangene Zeiten.

Auch die Kriegsveteranen erinnern sich. Zwei von ihnen - der Argentinier Guillermo Díaz und der Brite Tom Leadbitter - reisten zufällig im selben Flugzeug auf die Falklands. Jetzt sitzen sie in einem Restaurant an einem Tisch und tauschen ihre Erfahrungen aus. Einig sind sie sich zumindest in einer Hinsicht: dass dies vor 25 Jahren ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. (APA/red)