Leben von

Von wegen Wunderdiät

Vorsicht, dick aufgetragen! Wir nehmen die "22-Day Revolution" unter die Lupe

Frau in Unterwäsche mit Maßband um die Hüfte © Bild: Thinkstock

Beyoncé, Jay-Z, Jennifer Lopez, Shakira und Co. schwören auf sie: "The 22-Day Revolution". Die neue Super-Diät wurde vom Promi-Ernährungsberater Marco Borges entwickelt. Und verspricht sage und schreibe einen Verlust von 11 Kilo in nur drei Wochen. Klingt zu schön um wahr zu sein. Zusammen mit der Ernährungsexpertin Angelika Kirchmaier nehmen wir die Star-Diät unter die Lupe.

Das Grundkonzept scheint ja recht vernünftig: gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und unnötige Kalorien vermeiden. Mit diesem einfachen Wandel des Lebensstils sollten jene Gene aktiviert werden, die uns gesund machen. Doch 11 Kilo in drei Wochen? Ist das tatsächlich möglich? Und wenn ja, kann das gesund sein? Dazu Angelika Kirchmaier: "Eine reine Fettreduktion von 11 Kilo in 22 Tagen ist unmöglich. 1 Gramm Körperfett enthält 7 Kalorien. Wenn Sie also 11 Kilo reines Körperfett loswerden möchten, so würde das bedeuten, dass Sie 38,5 Tage gar nichts essen dürften."*

Die Rechnung geht nicht auf

Was man dagegen abnehmen kann, ist laut Kirchmaier Muskelmasse: "Der Körper besteht ja nicht nur aus Fett. Man kann auch Muskelmasse verlieren und damit sehr viel Gewicht. Denn an 1 Kilo Muskelfleisch ist etwa die vierfache Menge Wasser gebunden. Wenn man also 1 Kilo reine Muskelmasse verliert, wiegt man rund 5 Kilo weniger." Was folgt, ist ein Teufelskreis: "Die Muskulatur stellt den Verbrennungsmotor in unserem Körper dar. Je mehr Muskelmasse, desto mehr verbrennen wir und desto mehr können wir letztlich essen ohne zuzunehmen." Baut man dagegen Muskelmasse ab - was bei Crashdiäten, die eine dermaßen hohe Gewichtsabnahme versprechen, fast unweigerlich passiert -, so verliert man auch wertvolle Verbrennungsmotoren. Damit ist der Jojo-Effekt praktisch vorprogrammiert.

Gefahr von Crashdiäten

Ein weiterer Nachteil einer derartigen Diät: "Wer schnell viel Gewicht verliert, der mobilisiert auch viele Substanzen, die der Körper irgendwann einmal eingelagert hat." Das wiederum kann die Nieren belasten, da sie plötzlich mit einer unverhältnismäßig größeren Menge an Abbauprodukten fertig werden müssen, warnt die Expertin. Nun aber zur Diät im Detail.

Junge Frau isst einen Apfel
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1. Hoch verarbeitete Produkte meiden

Die Devise lautet: Je natürlicher, desto besser. So empfiehlt der US-amerikanische Ernährungsexperte eine möglichst naturbelassene Kost. Der Grund: Für den Körper ist es laut Borges schwierig, jene Produkte zu verarbeiten, die mit einer Vielzahl an mitunter ungesunden Zusatzstoffen versetzt sind. Da er nicht so recht weiß, was er mit der Kost anfangen soll, lagert er sie schließlich in Form von Fettreserven ein. Müsse unser Körper sich dagegen nicht mit Konservierungsstoffen und dergleichen abmühen, könne er sich voll und ganz auf die Entgiftung konzentrieren.

Zwar ist es im Hinblick auf Gesundheit und Gewicht ratsam, auf stark verarbeitete Lebensmittel wie Junk Food, Fast Food und Fertiggerichte zu verzichten. Dass diese automatisch als Fettreserven eingelagert werden, stimmt so aber nicht. "Sie werden ganz normal verdaut, weisen bei einem sehr hohen Kaloriengehalt allerdings nur einen geringen Sättigungswert auf", erklärt Kirchmaier. Was bedeute, dass die Tageskalorienmenge mit diesen Lebensmitteln rasch überschritten wird, was wiederum zwangsläufig zu Übergewicht führe.

2. Drei Mahlzeiten am Tag

Eigentlich nichts Neues: Wer abnehmen will, muss laut Borges lernen, auf seinen Körper zu hören. Denn der weiß schon längst, was er braucht und was nicht. So hält die Diät dazu an, die körpereigenen Signale wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren. Dementsprechend verpönt ist es, über die Stränge zu schlagen. Außerdem empfiehlt Borges, mindestens zwei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen nichts mehr zu essen.

Pasta mit Spargel und Paradeisern
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Dazu Kirchmaier: "An dieser Aussage ist was dran. Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme beeinflusst mit hoher Wahrscheinlichkeit die Effizienz der Verbrennung. So geht man davon aus, dass der Körper bis 15.00/16.00 Uhr am besten verbrennt und die Effizienz der Verbrennung danach nachlässt." Also: Ein mageres Abendessen kann nicht schaden.

3. Das 80-10-10-Prinzip

Natürlich kommt es aber nicht nur darauf an, wie viel und wann, sondern auch was man isst. Die "22-Day Revolution" empfiehlt voll und ganz auf pflanzliche Produkte zu setzen. Dabei sollte sich die tägliche Kost zu 80 Prozent aus Kohlenhydraten, zu 10 Prozent aus Fett und zu weiteren 10 Prozent aus Eiweiß zusammensetzen. Wer sich so ernährt, würde Borges zufolge mit Leichtigkeit abnehmen, da man kaum Fett zu sich nimmt. Kohlenhydratreiche Kost wie Getreide und Hülsenfrüchte sollte man überdies nur morgens und mittags, nicht aber abends genießen.

Was die Kohlenhydrate betrifft, ist es laut Kirchmaier tatsächlich sinnvoll, abendliche Abstriche zu machen. "Kohlenhydrate sind ja insbesondere für die Gehirn- und Muskelaktivität nötig, die man abends meist nicht mehr so benötigt. Ganz darauf verzichten muss man aber nicht. Eine Scheibe Brot oder zwei kleinere oder eine Suppe mit ein paar Nudeln sind absolut OK. Dagegen wäre eine Schüssel Müsli nicht die beste Wahl. Diese Mahlzeit kann dazu führen, dass man sich im Bett hin und her wälzt und am nächsten Tag unausgeruht aufwacht." Abgesehen davon ist das 80-10-10-Prinzip der Expertin zufolge "als Dauerernährung aber nicht praktikabel".

Frau beim Lauftraining
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4. Täglich 30 Minuten Sport

Eine gesunde Ernährung allein reicht nicht, um die Fettpölsterchen schwinden zu lassen. Ein effizienter Gewichtsverlust hängt dem US-Ernährungsexperten zufolge zu 75 Prozent von der Ernährung und zu 25 Prozent von der Bewegung ab. Mit anderen Worten: Sport kann eine falsche Ernährung nicht wettmachen, ist gleichzeitig aber unverzichtbar. Außerdem setzt das Gehirn beim Training Endorphine, sprich Glückshormone frei, die dabei helfen sollen, kalorienreichen Versuchungen zu widerstehen.

5. Wasser trinken

Wer abnehmen will, sollte tunlichst flüssige Kalorienbomben meiden. Dazu zählen etwa Limonaden und gesüßte Eistees. Und wer es bis jetzt noch nicht wusste: Auch alkoholische Getränke machen die Abnehm-Bemühungen zunichte. Setzen Sie dagegen auf ungesüßten Tee oder Wasser mit Zitrone. Zudem empfiehlt Borges, mit einem Glas Wasser mit Zitrone in den Tag zu starten. So soll der Körper nach dem Schlaf wieder mit Flüssigkeit versorgt und die Verdauung angeregt werden.

Kirchmaier zu dem morgendlichen Glas Wasser mit Zitrone: "Gastritis lässt grüßen! Da muss man schon einen guten Magen haben, wenn man auf nüchternen Magen mit der Zitrone loslegt." Da das saure Obst aber gerne mit Gewichtsverlust assoziiert wird, darf es bei einer Superdiät natürlich nicht fehlen, ergänzt die Expertin mit einem Augenzwinkern.

Fazit

"Im Prinzip ist die Richtung gut - viel Obst, Gemüse, Sport, wenig Junk -, aber viel zu extrem. Diese Diät kann wohl kaum ein Mensch sein ganzes Leben lang durchhalten. Und genau das ist der springende Punkt. Das Essen muss so gewählt werden, dass man Lust hat, es das ganze Leben lang genauso zu genießen, wie es ist", erklärt Kirchmaier. Und das sei, so die Expertin, bei der "The 22-Day Revolution" wohl kaum der Fall.

*Erklärung: 11 kg Körperfett = 11.000 g x 7 kcal pro g Fett = 77.000 kcal. Der Tages-Gesamtkalorienverbrauch liegt beim Durchschnittsmenschen bei ca. 2.000 kcal. Wenn Sie also überhaupt nichts essen würden, dann bräuchten Sie, um 77.000 kcal loszuwerden, 38,5 Tage. Dass die Rechnung in der Praxis nicht aufgeht, liegt auf der Hand.

Kommentare

also redet sie jetzt nur gscheit daher oder hat sie das auch probiert ??

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