20. Jahrestag der Wiedervereinigung:
Wulff fordert Einwanderer zu Integration auf

Präsident: "Müssen unsere Art zu leben akzeptieren" Gleichzeitig lobte Wulff den Mut der Ostdeutschen

20. Jahrestag der Wiedervereinigung:
Wulff fordert Einwanderer zu Integration auf © Bild: Reuters/Peter

Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff hat die Deutschen zur Offenheit gegenüber Menschen anderer Kulturen und Religionen aufgerufen. Wulff unterstrich beim zentralen Festakt zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung in Bremen zugleich, zu Hause zu sein in Deutschland bedeute auch, die Verfassung und die gemeinsamen Regeln zu akzeptieren. "Wer das nicht tut, wer unser Land und seine Werte verachtet, muss mit entschlossener Gegenwehr aller in unserem Land rechnen."

Das gelte für fundamentalistische ebenso wie für rechte oder linke Extremisten. Deutschland verschließe zudem nicht die Augen vor denjenigen, die den Gemeinsinn missbrauchten. Der Sozialstaat sei "kein Selbstbedienungsladen ohne Gegenleistungsverpflichtung", zitierte er die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig.

"Legendenbildungen, Zementierung von Vorurteilen und Ausgrenzungen dürfen wir nicht zulassen", unterstrich Wulff. Zugehörigkeit dürfe nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt werden. Im Sinne der christlich-jüdischen Geschichte gehörten das Christentum und das Judentum zweifelsfrei zu Deutschland. "Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", betonte Wulff. Schon Goethe habe vor 200 Jahren festgestellt: "Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen."

Nachholbedarf in Integrationsfragen
Deutschland habe in Fragen der Integration weiter Nachholbedarf, konstatierte Wulff und nannte Integrations- und Sprachkurse für die ganze Familie, Unterrichtsangebote in Muttersprachen und islamischen Religionsunterricht von in Deutschland ausgebildeten Lehrern. Auch bedürfe es mehr Konsequenz bei der Durchsetzung von Regeln und Pflichten, etwa bei Schulschwänzern. Ohne direkt die umstrittenen Thesen des Islam-Kritikers Thilo Sarrazin zu nennen, wandte sich Wulff aber gegen Verletzungen der Menschen mit ausländischen Wurzeln in Deutschland. "Meine eindringliche Bitte lautet: Lassen wir uns nicht in eine falsche Konfrontation treiben."

Wulff würdigte zugleich den Mut der Ostdeutschen bei der Überwindung der Teilung Deutschlands vor 20 Jahren. "Ich verneige mich vor allen, die für diese Freiheit gekämpft haben."

Merkel wirbt um Verständnis für Ostdeutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb anlässlich des 20. Jahrestags der Einheit um Verständnis für Ostdeutsche, die keine Freude über das Ende der DDR empfänden. Zahlreiche Menschen in Ostdeutschland trauerten auch "verlorenen Lebenschancen" nach, betonte Merkel der "Bild am Sonntag". Gerade die ältere Generation habe den Umbruch teils hart zu spüren bekommen, vor allem durch Arbeitslosigkeit.

Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow stellte die Leistungen des deutschen und russischen Volkes in den Mittelpunkt. Ohne diese Unterstützung hätte die sowjetische Regierung nicht so handeln können, wie sie gehandelt habe, unterstrich er. Der Friedensnobelpreisträger kritisierte zugleich, dass heute dennoch Misstrauen, alte Vorurteile und Klischees blieben und wieder ins Spiel gebracht würden. Russland beispielsweise würden "ungute, sogar aggressive, imperiale Absichten" unterstellt.

Obama und Medwedew gratulieren zum Jahrestag
US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Dmitri Medwedew gratulierten Deutschland zum Jahrestag der Einheit. Das friedliche Ende der deutschen Teilung sei eine "historische Leistung" gewesen, erklärte Obama in Washington. "Wir ehren den Mut und die Überzeugung der Deutschen, die die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht und Jahrzehnte einer schmerzhaften und künstlichen Trennung beendet haben", sagte er. Medwedew erklärte in Moskau, die deutsche Wiedervereinigung habe die Basis für eine "strategische Partnerschaft" zwischen Deutschland und Russland gelegt. Die Einheit sei von "anhaltender historischer Bedeutung für die Deutschen und für ganz Europa".

Scharfe Worte von Günter Grass
Der Schriftsteller Günter Grass ist dagegen immer noch "zornig darüber, dass man diese große Gelegenheit so aberwitzig mit solch vorhersehbaren Fehlentwicklungen eingeleitet hat", wie der 82-Jährige in einem Interview des Radiosenders hr1 sagte. Die Demokratie sei nicht durch islamistische Terroristen oder Zuwanderung gefährdet, sondern weil zu wenige Menschen für sie eintreten, meinte der Literat. Die Schutzlosigkeit könne dann von anderen Kräften genutzt werden, wie man es 1933 erlebt habe. Grass mahnte eine neue Verfassung für das wiedervereinigte Deutschland ein: "Der Schlussartikel 146 (des Grundgesetzes, Anm.) hat zwingend vorgeschrieben, im Fall einer Deutschen Einheit dem deutschen Volk eine neue Verfassung vorzulegen. Das ist bis heute nicht geschehen."

(apa/red)

Kommentare

Wiedervereinigung! Die Merkel hat sich vereinigt - mit der Atomlobby!!

Auch er ist scheinbar zu blöd um zu kappieren, das sich Museln nicht integrieren WOLLEN!!!

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