20 Jahre Hamas und kein Ende der Gewalt in Sicht: Führer kündigt neuen Aufstand an

Mashaal droht Israelis mit "dritter und vierter Intifada" 1000e Hamas-Anhänger kamen zu 'Feier' in Gaza

20 Jahre Hamas und kein Ende der Gewalt in Sicht: Führer kündigt neuen Aufstand an

Mit einer Massenkundgebung in Gaza hat die radikale Palästinenserorganisation Hamas den 20. Jahrestag ihrer Gründung gefeiert. Von seinem syrischen Exil aus unterstrich Hamas-Politbürochef Khaled Mashaal die Fähigkeit der "islamischen Widerstandsbewegung", noch eine "dritte oder vierte Intifada" (Volkserhebung) (nach jenen von 1987 und 2000, Anm.) gegen die israelische Okkupation "bis zum Sieg des palästinensischen Volkes" auszulösen. Zehntausende Menschen kamen in Gaza zusammen und schwenkten grüne Hamas-Fahnen. Auf Transparenten war zu lesen: "Wir werden Israel nicht anerkennen".

Nach ersten Schätzungen nahmen mindestens genauso viele Menschen an der Hamas-Demonstration teil wie an einer ähnlichen Veranstaltung der Fatah, zu der im November anlässlich des dritten Todestages des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat annähernd 250.000 Menschen gekommen waren. In der Menge waren auch Dutzende von Angehörigen des bewaffneten Flügels der Hamas, "Brigaden Ezzedin al-Kassam", zu sehen, die nachgemachte Kassam-Raketen mit sich trugen. Auch etwa 50 weibliche Hamas-Kämpferinnen beteiligten sich an dem Aufmarsch, zumeist in lange Roben und Armeewesten gekleidet.

Hamas kontrolliert Gaza-Streifen
Die außerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) stehende Hamas hatte Mitte Juni nach blutigen Gefechten mit der stärksten PLO-Fraktion Fatah die alleinige Kontrolle über den Gaza-Streifen übernommen. Präsident Mahmoud Abbas hatte daraufhin die Hamas-geführte palästinensische Einheitsregierung unter Premier Ismail Haniyeh aufgelöst und im Westjordanland ein Fatah-Notstandskabinett unter Salam Fayyad eingesetzt.

Mashaal schloss in seiner Fernsehbotschaft einen Gewaltverzicht gegenüber Israel aus: "Das ist unsere Trumpfkarte, mit der wir erreichen werden, dass der Feind unterliegt!" Abbas habe kein Mandat für Verhandlungen mit Israel, sagte der Hamas-Führer. Am Vortag hatten Sicherheitskräfte der Hamas einen Fatah-Funktionär und Mitarbeiter Fayyads festgenommen, der kurz zuvor nach Gaza gekommen war, um am Begräbnis seiner Schwiegermutter teilzunehmen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die arabische Zeitung "Al-Sharq al-Awsat" gemeldet, Mashaal sei bereit, der Fatah weitgehende Konzessionen zu machen und Abbas im Gaza-Streifen die Kontrolle über Sicherheitsdienste und Institutionen zurückzugeben. Im Rahmen panarabischer Bemühungen um Beendigung der innerpalästinensischen Krise soll sich eine Hamas-Delegation jüngst in Riad aufgehalten haben. Aus Kreisen der Hamas war verlautet, die ägyptische Regierung habe Vertreter der Hamas und der Fatah zu Gesprächen in nächster Zeit nach Kairo eingeladen. Nach einem Bericht der Zeitung "Al-Quds al-Arabi" bemüht sich die Hamas um eine Waffenruhe mit Israel. Im Gegenzug verlange sie von den Israelis ein Ende von Razzien und Luftangriffen.

Geschichte der Gewalt
Hamas (Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes") wurde 1987 zu Beginn des ersten Volksaufstands (Intifada) von Scheich Ahmed Yassin in Gaza gegründet, angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste, die damit das Ziel verfolgten, Arafat politisch zu schwächen. Yassin hatte wiederholt erklärt, dass Selbstmordanschläge "bis zur Befreiung Palästinas" fortgesetzt würden. Yassin und sein Nachfolger Abdelaziz Rantisi wurden Opfer von "gezielten Tötungen" der israelischen Armee im Gaza-Streifen.

Die "Brigaden Ezzedin al-Kassam" haben sich zu einer Reihe von Selbstmordanschlägen in Israel bekannt. Ezzedin al-Kassam war ein nationalistischer arabischer Scheich, der 1935 im Kampf gegen die britische Mandatsmacht umkam. Neben dem militärischen und dem politischen Arm der Organisation gibt es eine Reihe von sozialen Diensten, die sich um Ausbildung, Gesundheitsfürsorge und Arbeitsbeschaffung kümmern, sowie Bedürftige mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen. Auch Hinterbliebene von Opfern im Kampf gegen Israel und Familien von inhaftierten Palästinensern werden unterstützt. Im Jänner 2006 hatte die Hamas die palästinensischen Parlamentswahlen mit absoluter Mandatsmehrheit gewonnen. (APA/red)