20 Jahre EU-Beitritt von

Mehrheit sieht Mitgliedschaft positiv

Wirtschaftliche Vorteile und Frieden als Hauptargumente

Flaggen Österreichs und der EU. © Bild: APA/Helmut Fohringer

Am 1. Jänner 1995 ist Österreich der Europäischen Union beigetreten. Heute, 20 Jahre später, ziehen die Österreicher großteils positive Bilanz. 57 Prozent halten den Beitritt nach wie vor für eine richtige Entscheidung, 67 Prozent wollen weiterhin in der EU bleiben. Das geht aus einer aktuellen Studie der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) hervor.

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85 Prozent der 1.040 Befragten halten die EU für wirtschaftlich wichtig, mehr als zwei Drittel (69 Prozent) meinen außerdem, dass sie "friedensstiftend" wirke. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Konflikte in der europäischen Nachbarschaft ist das Friedensargument entscheidend", erklärte Paul Schmidt von der ÖGfE. Kritik hagelte es von 93 Prozent der Befragten für die Komplexität der Union, 59 Prozent schätzen sie außerdem als "fern" ein. Eine EU-Erweiterung lehnen 61 Prozent der Befragten ab, die Einführung des Euro als gemeinsames Zahlungsmittel hingegen bewerten 61 Prozent positiv.

In der Frage, ob die EU-Mitgliedschaft mehr Vor- oder Nachteile für das Land bringe, sind die Österreicher geteilter Meinung: Knapp die Hälfte spricht sich für ein Überwiegen der Vorteile aus, 37 Prozent sind hingegen eher skeptisch. Für 86 Prozent sind es vor allem große Betriebe, die Vorteile aus der Mitgliedschaft ziehen, gefolgt von Schülern, Studierenden und Lehrlingen mit 52 Prozent. Benachteiligt sind laut 58 Prozent der Österreicher kleine und mittlere Unternehmen, für mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) trifft das auch auf Landwirte zu.

Viertel für Austritt

Obwohl mehr als zwei Drittel der Österreicher (67 Prozent) in der EU bleiben möchten, sprechen sich auch 25 Prozent für einen Austritt aus. "Das darf man nicht ignorieren und nur Sonntagsreden halten", meint dazu Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske. Vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit - unter den 24,5 Millionen Arbeitslosen in Europa sind 5 Millionen Personen unter 25 Jahren - bereite ihm Sorgen. "Ich habe das Gefühl, dass man die Jugendlichen oft alleine lässt und eine ganze Generation hoffnungslos heranwächst."

"Diese Umfrage spiegelt die Realität wider und zeigt uns auch, dass wir noch einige Baustellen vor uns haben", meint auch Erich Foglar, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes.

Grund zum Feiern

"20 Jahre EU-Beitritt sind auf jeden Fall ein Grund zum Feiern. Denn bei allen Verbesserungen, die auf Ebene der EU möglich und nötig sein mögen - die EU hat Österreich mehr Exporte und mehr Wachstum und damit auch mehr Jobs gebracht", kommentiert der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer. Auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl betont, dass es in Österreich ohne den EU-Beitritt heute 93.000 Arbeitslose mehr geben würde, auch das Preisniveau wäre in diesem Fall um 4,5 Prozent höher. Kritik übt er jedoch an der EU-Allergenverordnung, die er als "himmelschreiend" und "bürokratischen Mist" bezeichnete.

"Trotz aller Schwächen und Kritikpunkte ist Europa das faszinierendste Projekt in der Geschichte. Es ist der freiwillige Zusammenschluss von Ländern, die sich über Jahrhunderte hinweg bekriegt haben, und eine Veränderung von einem massiven mörderischen Gegeneinander hin zu einem friedlichen Miteinander", so Leitl.

Kommentare

Bald geht nichts mehr!
Die Bonzen in Brüssel werden immer reicher. Politiker und Parteigünstlinge in Verwaltung und staatsnahen Betrieben im eigenen Land immer auch immer reicher. Das Heer der Arbeitslosen immer größer, das Volk immer ärmer! Rot und Schwarz wollen schon wieder die Steuern erhöhen. (Steuerquote 46,8% - Griechenland 27%) Zusätzlich werden weitere Arbeitslose importiert...

Seit dem EU Beitritt sinkt unser Einkommen! Ausgenommen Politiker und Parteigünstlinge in der Verwaltung und staatsnahen Betrieben. Das Heer der Arbeitslosen wir immer größer, trotzdem werden noch zusätzliche Arbeitslose importiert.

christian95 melden

Vor dem EU Beitritt wurde unser Steuergeld im eigenen Land investiert und damit Wohlstand und Arbeitsplätze geschaffen. Heute wandert es zu den Schuldenländern, nach Brüssel oder auf dem Balkan (Hypo)
Der Staat ist auf vielen Stellen kaputt gespart. (Heer, Polizei- Schließungen, Schulen werden nicht saniert, Pensionssystem, Rekordarbeitslosigkeit, Rekordstaatsschulden...)

christian95 melden

Die Wirtschaft in der Schweiz steht ohne EU viel besser da! Oder haben die Schweizer weniger Waren in den Regalen?

Zwiegespraech
Zwiegespraech melden

dann wandere doch aus in die Schweiz, da würdest du aber Augen machen wie teuer dort z.B. die ges. Krankenversicherung ist.

higgs70

Naja, bei allem gebührendem Respekt vor Herrn Leitl, aber soweit ich mich
entsinne hat man sich nach 45 auch ohne die EU nicht europaweit die Köpfe eingehaut. Und ich meine, dass die Töne zwischen einzelnen Ländern, Deutschland und Griechenland etwa, vorher nie so scharf waren wie unter dem gemeinsamen Eurodach. Und nehme ich noch den Rechtsbruch des französischen Kriegszwergerls Sarkozy in Lybien und den völligen Mangel an Diplomatie und Fingerspitzengefühl in der Ukraine dazu, würde ich "Friedensprojekt" wohl nicht ohne Würgegeräusche hervorbringen.

Abgesehen davon enthält der Gründungsvertrag der EWG von 1957 den Begriff "Frieden" nur einmal in der Vorrede: "...ENTSCHLOSSEN, durch diesen Zusammenschluß ihrer Wirtschaftskräfte Frieden und Freiheit zu wahren und zu festigen, und mit der Aufforderung an die anderen Völker Europas, die sich zu dem gleichen hohen Ziel bekennen, sich diesen Bestrebungen anzuschließen,...". Frieden als Epiphänomen der Krämerei, ansonsten spielt das in 248 langen Artikeln keine Rolle und es geht um Waren, Zölle und Gewinne. Und was etwas ist und was man hofft,dass es sei,kann divergieren. Und wie gesagt, auch die,die einst nicht beitraten haben sich nicht notorisch die Schädel eingeschlagen. Es war und ist ein Projekt der Marketender, nicht der Moralisten.

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