20-jähriges Bestehen des Wiener Chelseas:
Vom Underground-Club zur Event-Location

Chelsea war früher in einem Wohnhaus in Josefstadt Schließung erwies sich im Nachhinein als Glücksfall

Noch bis 21. Dezember feiert das Wiener Chelsea mit nationalen und internationalen Bands sein 20-jähriges Bestehen. Mehr als 1.000 Konzerte gingen in diesen Jahren über die zwei Bühnen.

Konzertlokal mit DJ-Line war ein Novum
Einen halboffiziellen Probebetrieb gab es bereits im Sommer 1986, als der ehemalige Bundesliga-Fußballer Othmar Bajlicz den ehemaligen Frisiersalon anlässlich der Fußball-WM kurzerhand zum Clublokal für Freunde und Eingeweihte erklärte, erinnert sich der einstige Stammgast und Event-Veranstalter Chris Duller im Gespräch mit der APA. Der eigentliche Start als Konzertlokal mit DJ-Line war dann in dieser Kombination ein Novum im noch eher schwach entwickelten Wiener Nachtleben und vereinte schon damals die zwei Vorlieben von Bajlicz: Fußball und Musik.

Eigenes Fanzine bis 1999
Das Lokal entwickelte sich jedenfalls schnell zu einem Geheimtipp für Menschen mit Vorliebe für Independent-Musik und schwarze Lederjacken. Im ungenutzten Keller mit einem Fassungsvermögen für knapp über hundert Personen wurden Live-Konzerte von heimischen und internationalen Punk-Rockbands geboten. "Manchmal waren mehr Leute drin, als normalerweise reinpassen", erinnert sich Duller an inzwischen legendäre Gigs von Bands wie Soundgarden, die damals kurz vor dem Durchbruch standen. Ebenso gab es bis 1999 ein eigenes Fanzine, den "Chelsea Chronicle", für den neben Duller unter anderem auch Christian Schachinger schrieb.

Schließung als Glücksfall
Bald kam es zu Problemen: die Liste der Anrainerbeschwerden wurde länger, Anzeigen durch die Polizei und Gerichtsverhandlungen samt Konzertverbot zwangen das Chelsea 1993 den Konzertbetrieb auf eine Live-Schiene am Sonntagnachmittag zu reduzieren. Ein Jahr darauf kam es dann im September zur endgültigen Schließung. Einer Schließung, die sich im Nachhinein als kommerzieller Glücksfall erwies, wie Duller meint. Nicht zuletzt, weil seit dem Phänomen Nirvana das Gegensatzpaar Independent-Mainstream keines mehr ist und daher Musik von ähnlichen Bands massentauglich wurde und durch die attraktive Lage am revitalisierten Gürtel, entwickelte sich das neue Chelsea zu einem unerwarteten Erfolg und wurde 2003 sogar um einen Bogen erweitert.

50-jähriger Lokalbesitzer Bajlicz legt noch immer auf
Ähnlich wie beim Flex vollzog sich ein Wechsel vom Underground-Club zur Event-Location für ein studentisches Publikum. Doch im Grunde hat sich am alten Konzept nicht viel verändert, denn unter der Woche besteht das Programm nach wie vor aus Fußballübertragungen, Live-Konzerten und DJ-Lines. Und auch Lokalbetreiber Bajlicz lässt es sich trotz eines Alters jenseits der 50 nicht nehmen, immer noch selbst auch die Plattenteller zu bedienen.

(apa/red)