2. Prozess um Grazer Babymorde: Vater will
nichts von Schwangerschaft gewusst haben!

Mutter vor 1 Jahr zu lebenslanger Strafe verurteilt Staatsanwalt: Vater hätte das erkennen müssen

Im Grazer Straflandesgericht hat die zweite Auflage gegen einen der beiden Angeklagten im Grazer Babymord-Prozess begonnen. Der Lebensgefährte jener Frau, die wegen der Tötung von vier Babys zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, musste sich erneut vor einem Geschworenensenat (Vorsitz: Martin Wolf) verantworten. Er blieb am ersten Prozesstag bei seiner Aussage, er habe von sämtlichen Schwangerschaften und Geburten nichts bemerkt.

Johannes G. (40) war im März 2006 wegen dreifachen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, doch seiner Berufung wurde stattgegeben, also muss der Prozess wiederholt werden. Auch bei der zweiten Auflage blieb der Beschuldigte dabei, er habe die vier Schwangerschaften und die Geburten, die in einem Zeitraum von zwei Jahren und elf Monaten stattgefunden haben, nicht bemerkt. Seine Lebensgefährtin Gertraud A., war als Zeugin geladen und untermauerte seine Angaben in jeder Hinsicht. Sie gab an, dass sie mit allen Mitteln versucht habe, die Schwangerschaften vor ihm zu verbergen.

Staatsanwalt Johannes Winklhofer schilderte ausführlich die vier Geburten und die anschließende Tötung der Kinder durch Gertraud A., die alle Leichen - zwei einbetoniert in Kübeln, zwei in der Tiefkühltruhe - in ihrer Nähe beließ. Der Ankläger gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass A. zwar sehr gern ein Kind gehabt hätte, dafür aber keinesfalls riskiert hätte, von ihrem Lebensgefährten verlassen zu werden. Er soll mehrmals zu ihr gesagt haben: "Wennst ein Kind kriegst, kannst Dich schleichen". Und G., so Winklhofer, habe gewusst, "dass sie bereit ist, ein Kind zu töten, um ihn nicht zu verlieren." Anders als im ersten Verfahren gab Gertraud A. an, sie habe selbst nie ein Kind gewollt. "Er hatte schon drei, also war das für mich kein Thema", erklärte sie.

"Die Anklage ist in allen Punkten unrichtig und unzutreffend", meinte der Verteidiger. "Es gibt keinen einzigen Sachbeweis", betonte er. Dann zog er über die Zeugen der Anklage her, die der Staatsanwalt als "glaubwürdig" bezeichnet hatte: "Das sind so Talk-Show-Typen, die werden von so einem Verfahren angezogen wie die Motten vom Licht, die wollen nur im Mittelpunkt stehen."

Der Beschuldigte beteuerte, er habe mit seiner Freundin nie über Kinder gesprochen. Gertraud A. sei ein "liebevoller, guter Mensch, der alles für andere macht und zuletzt an sich denkt", beschrieb er seine Partnerin. Weniger schön sei nur ihre Eifersucht gewesen, für die aber kein Grund bestanden habe. Außerdem erhob Johannes G. schwere Vorwürfe gegen den Richter des ersten Verfahrens. Jener Zeuge, der ihn massiv belastet hatte, sei ein "linkes Mittel" des Richters gewesen, "weil es nie etwas gegen mich gegeben hat". Der Zeuge, ein Mithäftling, hatte angegeben, G. habe laut eigener Aussage sehr wohl von den Schwangerschaften gewusst. (apa/red)