2 Mrd. $ Schaden: Betrug und Vergeudung nach "Katrina" ist schlimmer als befürchtet

Mobile Unterkünfte zum Teil immer noch ungenutzt Flüchtlingshalle gebaut und kurz danach geschlossen

Die Verschwendung von Hilfsgeldern durch Betrug und bürokratische Misswirtschaft nach dem Hurrikan "Katrina" ist einer neuen Berechnung zufolge weitaus größer als bisher bekannt. Die "New York Times" bezifferte die Lasten für den US-Steuerzahler auf bis zu zwei Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro).

Allein für die Anschaffung tausender mobiler Unterkünfte, die niemand benötigte, seien mehrere hundert Millionen Dollar vergeudet worden. Vor zwei Wochen hatte der US-Rechnungshof das Ausmaß der Verschwendung in einem Gutachten auf mindestens eine Milliarde US-Dollar geschätzt.

Bei ihrer Bilanz stützte sich die Zeitung auf Behördenberichte, Justizakten und parlamentarische Anfragen. Dokumentiert wurden zahlreiche Fälle schwer nachvollziehbarer Misswirtschaft, die durch fehlerhafte Planung und mangelnde Kontrollen ermöglicht worden seien. Im Bundesstaat Alabama sei beispielsweise ein früherer Armeestützpunkt für 7,9 Millionen Dollar zu einem Flüchtlingslager mitsamt Klinik und Turnhalle ausgebaut worden. Bedarf für die Anlage habe es aber nicht gegeben: Nach der Eröffnung verloren sich selten mehr als zehn Flüchtlingen auf dem Gelände. Die Pro-Kopf-Kosten für jeden untergebrachten Flüchtling hätten bei 416.000 Dollar gelegen. Das Lager wurde kurz nach Eröffnung wieder geschlossen.

Für weitere 860 Millionen Dollar seien fahrbare Unterkünfte für die Flüchtlinge in Louisiana angeschafft worden, berichtete die Zeitung. Die Hälfte der wohnwagenähnlichen Fahrzeuge, etwa zehntausend Stück, stünden noch immer ungenutzt auf einem Flughafen in Arkansas. Die US-Katastrophenschutzbehörde FEMA zahle für den Unterhalt des Fuhrparks jeden Monat 250.000 Dollar. Etwa 1.100 Betrüger entlang der Golfküste erhielten dem Bericht zufolge insgesamt gut zehn Millionen Dollar als Miet- und Unterbringungsbeihilfe. Völlig zu Unrecht, wie die Zeitung enthüllte: Bei den Empfängern handelte es sich um Gefängnisinsassen.

Die verschwendeten Gelder betragen laut "NYT" etwa elf Prozent der 19 Milliarden Dollar, die die FEMA bislang als Katastrophenhilfe auszahlte. "Dieser eklatante Betrug, die Unverfrorenheit der Schwindeleien, das Ausmaß der Verschwendung - es raubt einem fast den Atem", kommentierte US-Senatorin Susan Collins vom Ausschuss für innere Sicherheit die Bilanz der "New York Times". (apa)