2:1 für Ghana: Früherer "Black Star" Baffoe
tippt auf knappen Sieg seiner Landsmänner

"Aber ohne Essien und Appiah wird es sehr schwer" Ex-Düsseldorf-Kicker hatte Disput mit Hickersberger

 2:1 für Ghana: Früherer "Black Star" Baffoe
tippt auf knappen Sieg seiner Landsmänner

Anthony Baffoe ist als Berater für Ghanas Verband tätig und so für das Knüpfen internationaler Kontakte verantwortlich. Als Spieler bestritt der in Deutschland geborene und aufgewachsene Sohn eines ghanaischen Diplomaten 74 Spiele in der deutschen Bundesliga, für die ghanaische Auswahl war er 30 Mal im Einsatz und stand 1992 im Finale des Afrika-Cups.

Im Interview mit der APA sprach der 41-Jährige über seine Erwartungen für das Länderspiel gegen Österreich in Graz, die Strukturprobleme des afrikanischen Fußballs und lange zurückliegende Meinungsverschiedenheiten mit Teamchef Josef Hickersberger.

APA: Ghana galt im afrikanischen Fußball lange Zeit als schlafender Riese, der sein wahres Potenzial nur selten ausgespielt hat. Ist dieser Riese seit dem Erreichen des WM-Achtelfinales in Deutschland erwacht?

Baffoe: "Auf jeden Fall. Wir können noch besser werden, müssen aber auch weiter hart arbeiten, damit Nachfolger von Essien herankommen."

APA: Was hat die WM in Ghana bewirkt?

Baffoe: "Sehr viel, aber nicht nur in Ghana. Wir haben in Deutschland ganz Afrika vertreten."

APA: Bei der WM hat Ghana mit Offensiv-Fußball begeistert. War dieses sorglose Agieren vielleicht auch der Grund, dass es nicht zum ganz großen Erfolg gereicht hat?

Baffoe: "Gegen Italien und Brasilien haben wir sehr offensiv gespielt, da hätten wir besser ausgesehen, wenn wir mehr Wert auf ein taktisches System gelegt hätten. Aber wir arbeiten daran, denn das ist wichtig, um unsere nächsten Ziele zu erreichen: Den Sieg beim Afrika-Cup 2008 im eigenen Land und die Qualifikation für die WM 2010."

APA: Ist der neue Teamchef Claude Le Roy der richtige Mann, um die taktische Schulung voranzutreiben?

Baffoe: "Er ist ein Taktik-Fuchs, der den afrikanischen Fußball sehr gut kennt, und er legt auch viel Wert auf Disziplin. Wenn er sagt, Frühstück ist um 8:30 Uhr, dann heißt das auch 8:30 Uhr, und keiner kommt eine Minute später."

APA: Wie schwer trifft Ghana der frühe Ausverkauf der größten Talente?

Baffoe: "Es ist ein ganz großes Problem, dass schon 14- oder 15-Jährige weggeholt werden und dann möglicherweise in Europa vor dem Nichts stehen. Deshalb will ich Sportmanagement in Afrika betreiben, um junge Spieler zu schützen."

APA: Sie sind auch in das Projekt der "Soccer School Lavanttal" in Ghana involviert. Was halten Sie davon und was würde ein dortiger Einstieg von Red Bull bedeuten?

Baffoe: "Mit Blick auf das, was Herr Riegler dort aufgebaut hat, muss ich sagen: Hut ab. Das Projekt wurde vorläufig auf sozialer Basis installiert, sollte Red Bull einsteigen, würde daraus ein soziales Leistungsprinzip werden."

APA: Viele europäische Beobachter sehen in der Errichtung von Akademien die beste Möglichkeit, dem afrikanischen Fußball nachhaltig zu helfen. Was ist ihre Meinung dazu?

Baffoe: "Es ist eine große Möglichkeit, zu helfen. Aber wir müssen uns auch selbst helfen, indem wir es schaffen, Investoren in unsere Ligen zu holen."

APA: Zurück zum Länderspiel: Wie schätzen Sie die Ausgangsposition vor dem Match Österreich - Ghana ein?

Baffoe: "Ohne Essien und Appiah wird es für uns schwierig. Das sind zwei absolute Weltklassespieler und kaum zu ersetzen. Für Ghana wird es sowieso schwer, weil sich Österreich für zuletzt nicht immer positive Resultate rehabilitieren will. Aber ich tippe trotzdem auf ein 2:1 für Ghana."

APA: Teamchef Hickersberger war früher Ihr Trainer in Düsseldorf und meinte einmal in Anspielung auf Ihre Rasta-Frisur 'Wir sind hier nicht im Zirkus', worauf Sie ihm 'Und Sie haben einen hässlichen Anzug an' entgegneten. Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Hickersberger?

Baffoe: "Ich habe kein Problem mit ihm. Ich habe schon als Spieler immer gesagt, was ich mir denke, und so war das eben damals."

(apa/red)