18 Jahre lang entführt und eingesperrt:
Mädchen jahrelang sexuell missbraucht

28. August: Fall Dugard erschüttert die USA Verwirrter Entführer hörte "Gottes Stimme"

18 Jahre lang entführt und eingesperrt:
Mädchen jahrelang sexuell missbraucht © Bild: Reuters

18 Jahre war sie eingesperrt und wurde sexuell missbraucht - jetzt hat das Martyrium der Amerikanerin Jaycee Lee Dugard ein Ende. Die Polizei befreite die inzwischen 29-jährige nahe in Kalifornien aus der Gewalt eines Ehepaares. Sie war 1991 als Elfjährige gekidnappt worden. Dugard lebte in einem Versteck, nicht weit entfernt von ihrem Elternhaus und brachte dort zwei Kinder von ihrem Peiniger zur Welt, wie die Polizei im nordkalifornischen Placerville mitteilte. Nachbarn und Bekannte beschrieben den Mann als religiösen Fanatiker, der davon sprach, er höre Gottes Stimme.

Der Fall erinnert an Natascha Kampusch, die acht Jahre lang in der Hand ihres Kidnappers war. Sie war 1998 im Alter von zehn Jahren in Wien entführt und in einem Kellerverlies festgehalten worden. 2006 gelang der heute 21-Jährigen die Flucht, ihr Entführer nahm sich das Leben. Es gibt außerdem Parallelen zum Fall Josef F., der in Amstetten 24 Jahre lang seine Tochter in ein Kellerverlies weggesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt hat.

Das Ehepaar aus Antioch, rund 80 Kilometer nordöstlich von San Francisco, wurde am Mittwoch festgenommen. Dem 58 Jahre alte Phillip Garrido ist wegen Sexualdelikten vorbestraft. Ihm werden nun unter anderem Entführung und Vergewaltigung vorgeworfen, seiner 55-jährigen Ehefrau Beihilfe zu den Verbrechen. Am Freitag sollte das Paar formell angeklagt werden. Obwohl Garrido auf dem Gelände seines Hauses laut Medien auch eine Druckerei betrieb und er als Vorbestrafter von Beamten wiederholt überprüft wurde, geriet er nicht als Kidnapper unter Verdacht.

Er fiel allerdings als zunehmend wirrer, religiöser Fanatiker auf, der seine Gedanken auch in einem Internet-Blog verbreitete. So gab sich Garrido als Erfinder einer Maschine aus, durch die er außerirdische Stimmen übermitteln könne. Der "Schöpfer" habe ihm die Fähigkeit gegeben, in der "Zunge von Engeln" zu reden, so dass er die "ganze Welt" retten könne.

In einem Telefoninterview mit dem TV-Sender KCRA in Sacramento erklärte der mutmaßliche Kidnapper rätselhaft, dass dies "am Ende eine starke, herzerwärmende Geschichte" sein werde. "Eine abscheuliche Sache lief anfangs bei mir ab, aber dann habe ich mein Leben vollkommen verändert."

(apa/red)