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18-Jährige in Linz vergewaltigt: Ermittlungstaktik versus Information

Junge Frau von zwei Unbekannten in Keller missbraucht - Mediale Kritik am langen Schweigen der Polizei

Eine besonders brutale Vergewaltigung einer 18-Jährigen in Linz beschäftigt die Ermittler - und hat gleichzeitig eine Diskussion über die Informationspolitik der Exekutive ausgelöst. Die oberösterreichische Polizei rechtfertigt ihr tagelanges Schweigen zu dem Vorfall mit ermittlungstaktischen Gründen.

Die 18-Jährige war bereits am 9. Juni in den frühen Morgenstunden von zwei fremden Männern angesprochen worden, ob sie eine Zigarette habe. Dann drückten sie ihr einen Gegenstand in den Rücken, von dem sie befürchtete, es könnte sich um eine Schusswaffe handeln. Die Täter zwangen ihr eingeschüchtertes Opfer, mit ihnen in den Keller eines Hauses in der Dinghoferstraße zu gehen. Dort vergewaltigten sie die 18-Jährige, raubten ihr noch Handy und Geldbörse und flüchteten.

Die junge Frau blieb körperlich unverletzt, psychisch habe ihr der Übergriff aber sehr zugesetzt, so Polizei-Sprecher David Furtner zur APA. Dass die Exekutive erst mehr als eine Woche später über den Vorfall informierte, begründete er mit Ermittlungstaktik: Das Opfer habe den Tatort nur vage beschreiben können, er musste erst ausfindig gemacht werden. Zudem habe man gehofft, die Täter rasch zu finden und wollte sie nicht warnen. Die Anrainer des betroffenen Viertels seien durch die Bewohnerbefragungen der Polizei ohnehin informiert gewesen. "Die Frage ist, muss es der Leser in Vöcklabruck auch gleich wissen?", hält der Polizeisprecher medialer Kritik, die Information der Öffentlichkeit sei zu zögerlich erfolgt, entgegen.

Von den Tätern fehlt allerdings nach wie vor jede Spur. Am Montag veröffentlichte die Polizei schließlich doch Personenbeschreibungen der Gesuchten: Sie werden als südländische oder arabische Typen beschrieben, beide haben kurzes, dunkles gewelltes Haar. Einer soll zwischen 28 und 35 Jahre alt, 1,75 Meter groß und dick sein, der andere etwas jünger und von dünner Statur.

In einem zweiten Vergewaltigungsfall wurde rascher informiert: Am 16. Juni wurde eine 35-Jährige nachmittags in einer Tiefgarage von einem 38-jährigen Slowaken vergewaltigt, den sie zwei Tage zuvor auf der Straße kennengelernt hatte. Diese Causa ist allerdings völlig anders gelagert, denn es gab eine Täter-Opfer-Beziehung und der Täter wurde bereits gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann, der zur Tatzeit 2,6 Promille intus hatte, ist nicht geständig.

Furtner warnte im Zusammenhang mit Berichten zu Sexualdelikten vor Panikmache: Die Zahl der Anzeigen wegen Vergewaltigungen sei in OÖ zuletzt stark gesunken - von 36 in den ersten fünf Monaten 2016 auf 24 im Vergleichszeitraum dieses Jahres. Ein Großteil der Fälle passiere im persönlichen Umfeld, Delikte wie jenes in der Dinghoferstraße seien die Ausnahme - wenn auch "jeder Fall einer zu viel ist", wie Furtner betonte.

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