16. Tag im BAWAG-Prozess: Gericht nahm Mehrfach-Verluste von Flöttl unter die Lupe

Yen-Geschäfte wurden zu totalem Investment-Fiasko Längere Pause: Prozess geht am 20. August weiter

16. Tag im BAWAG-Prozess: Gericht nahm Mehrfach-Verluste von Flöttl unter die Lupe

Um die Reise nach Zürich zur Besichtigung der Flöttlschen Bildersammlung und die Neuinvestments mit Wolfgang Flöttl nach dem enormen Verlust von 639 Mio. Dollar (465 Mio. Euro) im Oktober 1998 drehte sich der 16. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess. Diese Aktionen wurden vom Kreis der Eingeweihten unter Geheimhaltung durchgeführt, im BAWAG-Vorstand gab es ordentliche Protokolle und "Sonderprotokolle" zu den Sondergeschäften mit Flöttl. Dies war der letzte Verhandlungstag vor einer längeren Pause. Der nächste Verhandlungstermin ist dann am 20. August angesetzt.

Auch die neuen Geschäfte mit Flöttl im Jahr 1998 und 1999 brachten der BAWAG hohe Verluste: Die laut Johann Zwettler von Flöttl vorgeschlagene Yen-Option von 250 Mio. Dollar (182 Mio. Euro) ging nicht auf, weil der Yen nicht wie von Flöttl vorhergesagt fiel. Die BAWAG verlängerte die Option sogar noch, beendete das Geschäft aber mit einem Totalverlust. "Einige Wochen zu früh" sei man damals ausgestiegen, bedauerte Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner nun.

75% der Flöttl-Geschäfte mit BAWAG
Flöttl betonte, seine von der BAWAG genehmigte Strategie sei zwar "sehr eingeschränkt" gewesen, er habe aber die Möglichkeit gehabt, verschiedene Optionen zu zeichnen. Seiner Darstellung zufolge wären Gewinne bis zu 800 Mio. Dollar zur Gänze an die BAWAG zurückgeflossen, damit habe die Bank die erlittenen Verluste kompensieren wollen. Die BAWAG sei damals bei weitem sein größter Investor gewesen sei, mit einem Volumen von 70 bis 75 Prozent seiner Geschäfte, gestand Flöttl auf wiederholte Fragen ein. Wenn die BAWAG die Geschäfte mit Flöttl beendet hätte, wären ihm also drei Viertel seines Geschäfts weggefallen.

Zürich-Reise zur wertvollen Kunstsammlung
Am 22. Jänner 1999 begaben sich Elsner, Johann Zwettler, Peter Nakowitz, der damalige BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger und der Bankprüfer Robert Reiter von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nach Zürich, wo in einem unter der Landebahn des Flughafens gelegenen Lager Flöttls Kunstsammlung deponiert war. Die BAWAG-Spitze ließ sich acht bis zehn Gemälde zeigen. In der von Reiter testierten BAWAG-Bilanz wurde dann die Kunstsammlung "dem Bedarf der Verschleierungsbilanz angepasst", wie es in der Anklageschrift wörtlich heißt.

Ex-BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz bezeichnete die Zürich-Reise als "letzten Akt der Inbesitznahme und der Überzeugung der Verantwortlichen, dass es die Bilder wirklich gibt". Elsner betonte, es sei bei der Reise primär darum gegangen, "uns als neuer Eigentümer der Bilder zu zeigen". Zu ihrem Wert gab der Ex-BAWAG-Generaldirektor an, seiner damaligen Meinung und Überzeugung nach hätten die Werte "zweifelsfrei" ausgereicht, um mit den Bildern und Liegenschaften Flöttls die erlittenen Verluste in der Bilanz abzudecken. Tatsächlich wurden die Bilder aber zu einem weit geringeren Wert als jenem der Verluste verkauft.

Am sechzehnten Verhandlungstag im BAWAG-Prozess wurde auch ein Börsesachverständiger bestellt. Christian Imo, früher Vorstand der Wiener Börse, soll binnen acht Wochen ein Gutachten über das Handelsverhalten der Gesellschaften von Wolfgang Flöttl abgeben. Imo war bis 1998 Vorstandsdirektor der Wiener Börse AG. Er ist gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Bank- und Börsewesen sowie Wertpapierhandel und -abwicklungsgeschäfte. Damit holt sich das Gericht den Beistand eines Experten.

(apa/red)