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15-jähriger Vorarlberger erstach Vater: Sieben Jahre Haft

Ging mit einem Messer offenbar ohne Grund auf seine Eltern los

Wegen Mordes an seinem 51-jährigen Vater und Mordversuchs an seiner Mutter ist am Dienstag am Landesgericht Feldkirch ein 15-jähriger Jugendlicher zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht folgte den Expertisen der Gutachter, wonach der Heranwachsende in der Tatnacht eingeschränkt, aber doch zurechnungsfähig gewesen sein soll. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Ereignet haben sich die Taten im September des Vorjahres in Götzis (Bezirk Feldkirch) im Elternhaus des damals 14-Jährigen. Gegen Mitternacht ging er auf seinen im Wohnzimmer schlafenden Vater los und versetzte ihm mit einem 20 Zentimeter langen Messer drei wuchtige Stiche in den Bauch. Die Verletzungen waren so schwer, dass der 51-Jährige wenig später im Krankenhaus am erlittenen Blutverlust starb.

Wegen des Tumults wurde die damals 52-jährige Mutter im Schlafzimmer wach und eilte ins Wohnzimmer. Als sie versuchte, den Sohn vom Vater wegzuziehen, attackierte der 14-Jährige auch sie und verletzte die Frau mit drei Messerstichen in den Rücken schwer. Anschließend schnitt sich der Bub mit der Tatwaffe selbst zweimal in den Hals. Seine Verletzungen waren allerdings nicht erheblich. Der Messerattacke war kein Streit vorausgegangen.

Die Taten des Jugendlichen waren in der Gerichtsverhandlung von Anfang an unbestritten. Auch am zweiten Verhandlungstag am Dienstag - der Prozess war vor rund sechs Wochen vertagt worden - stand vielmehr die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des 15-Jährigen in der Tatnacht im Mittelpunkt. Zwei voneinander unabhängige psychiatrische Gutachten bescheinigten ihm eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung, eine geistig-seelische Abnormität habe aber nicht festgestellt werden können. Er sei bei seinen Taten zurechnungsfähig gewesen, wenn auch eingeschränkt.

Verteidigerin Astrid Nagel wollte sich jedoch nicht ausschließlich auf die beiden psychiatrischen Gutachten verlassen. Sie berichtete von einem Wiener Neurologen, der sich infolge der Berichterstattung über den Prozessauftakt bei ihr gemeldet habe. Nach Ansicht des Mediziners könnte die Möglichkeit bestehen, dass der 15-Jährige an einer speziellen Form der Epilepsie erkrankt ist, die mit Bewusstseinsstörungen einhergeht. In der Familie des Jugendlichen ist Epilepsie schon aufgetreten. Ihr Antrag auf Einholung eines neurologischen Gutachtens - um die Frage nach einer epileptischen Erkrankung bei ihrem Mandanten zu klären - wurde jedoch abgelehnt. Der Schöffensenat sah die Beweislage ausreichend geklärt.

Die Mutter des Jugendlichen hatte zu Prozessbeginn im September von einem leeren Blick ihres Sohnes vor der Tat gesprochen. Diesen habe er auch in der Tatnacht gehabt, berichtete die Verteidigerin. Auf die Frage der Mutter, was denn hier passiert sei, habe der Jugendliche gemurmelt: "Er hat es mir befohlen." Schon am Vortag habe der 15-Jährige wie weggetreten gewirkt, sagte die Mutter, er sei gestolpert und habe einen Moment später gefragt: "Was war jetzt?" Drei Rettungssanitäter, die in der Tatnacht vor Ort waren, bestätigten am Dienstag in ihren Zeugenaussagen, dass der Jugendliche nach seinen Attacken schweigend und mit abwesendem Blick auf dem Boden saß.

Der 15-Jährige selbst konnte sich den Hergang in der Tatnacht nicht erklären. Er wisse nicht mehr viel, sagte er am ersten Verhandlungstag. Die Tatwaffe bezeichnete er als "furchterregend". Vor allem die Attacke auf die Mutter stelle ihn vor ein Rätsel. Mit einem Messer vor dem schlafenden Vater gestanden zu sein, daran könne er sich zumindest erinnern, gab der Jugendliche unter Tränen zu. Wie im Prozess ebenfalls zur Sprache kam, soll der 15-Jährige seinen Ärzten im auf Psychiatrie spezialisierten Landeskrankenhaus Rankweil, in das er nach der Tat eingeliefert worden war, von Tötungsfantasien berichtet haben. Ebenso sollen seine Gedanken schon vor zwei Jahren um Massenmorde und Amokläufe gekreist sein. Konkrete Personen habe er sich jedoch nicht vorgestellt.

Bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren wurde der Heranwachsende von den zwei Berufs- und Laienrichtern letztlich zu sieben Jahren Haft verurteilt. "Wir hatten keinen Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten", begründete Richter Richard Gschwenter nach sieben Stunden Prozessdauer den Schuldspruch.

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