141 Seiten "Hausordnung": FIFA jetzt Hausherr in allen deutschen WM-Stadien

Münchener Arena musste zum 3. Mal Rasen verlegen Schon vor Wochen wurde "Allianz"-Schriftzug entfernt

Der Tapetenwechsel läuft noch auf Hochtouren, doch der neue Mieter steht zweieinhalb Wochen vor Beginn der Fußball-WM schon vor der Tür. Von nun an übernimmt der Weltverband FIFA offiziell das Hausrecht in den zwölf WM-Stadien Deutschlands. Zum Auftakt überlassen die Betreiber der Münchner Arena, in der am 9. Juni das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica ausgetragen wird, und in Gelsenkirchen die Stadionschlüssel dem WM-Organisationskomitee (OK).

Noch wird kräftig an der Umwandlung der Münchner Allianz Arena zum WM-Spielort gearbeitet. Auf 141 Seiten hat die FIFA in einem Pflichtenheft die Anforderungen bei der Umgestaltung aufgelistet. In München sind 300 Handwerker mit der Umsetzung der FIFA-Vorgaben beschäftigt. "Der finanzielle Aufwand ist immens", erklärte Arena-Betriebsleiter Jürgen Muth. 15 Prozent der Zuschauereinnahmen erhält man als Miete von der FIFA.

Dritter Rasen seit Allianz-Arena-Eröffnung
Davon müssen die Münchner auch den 100.000 Euro teuren Wechsel der Spielfläche bezahlen. Die FIFA hat allen Stadien ein einheitliches Grün verordnet, daher musste der Arena-Rasen zum dritten Mal seit der Eröffnung vor einem Jahr ausgetauscht werden.

Optimale Bedingungen sollen die Journalisten aus aller Welt vorfinden. Dutzende Kilometer von Kabeln sind bereits verlegt, auf der Haupttribüne entstanden mehr als 1.600 Medienplätze. Hinzu kommen weitere 129 Kommentatoren-Bereiche mit je drei Sitzplätzen für TV- und Radioreporter. Als Test für die Fernsehkameras wird am 4. Juni extra ein Juniorenspiel veranstaltet.

München macht Platz für 7.000 Ehrengäste
Gleich neben der Arena entsteht auf 14.000 Quadratmetern ein Hospitality-Bereich für bis zu 7.000 Ehrengäste und Sponsoren. Für die Inhaber der 106 Stadionlogen sind die WM-Partien allerdings nicht im Preis inbegriffen. Knapp die Hälfte der Mieter machte jedoch von einem Vorkaufsrecht Gebrauch und darf nun die Logen auch während der Weltmeisterschaft nutzen.

Im Stadion werben dürfen jedoch nur die offiziellen FIFA-Partner. Eifrig kleben die Handwerker daher Werbebanner an Monitoren und Zapfhähnen ab, entfernen Banden und Werbetafeln. Schon vor Wochen wurde der riesige Schriftzug "Allianz Arena" abmontiert. Die von einer Fluggesellschaft gestellten Ersatzbänke mit gepolsterten Ledersitzen mussten neutralem Plastikgestühl weichen. Auch Fangnetze, Corner-Fahnen und Tore werden auf Wunsch der FIFA ausgetauscht. "So weit, dass wir auch die Glühbirnen auswechseln, geht es aber nicht", witzelte Muth. (APA/red)