13 Jahre ohne Eishockey-Triumph: Für Russlands Team lautet die Devise WM-Gold!

"Sbornaja" will goldlose Zeiten endlich beenden Heutiger Trainer sorgte '86 für entscheidenden Treffer

13 Jahre ohne Eishockey-Triumph: Für Russlands Team lautet die Devise WM-Gold!

Eine solche Durststrecke ist einmalig in der Geschichte des russischen oder sowjetischen Eishockey. Nach 13 Jahren soll endlich Schluss damit sein. Russland fordert von seinen Eishockey-Stars bei der Heim-Weltmeisterschaft in Moskau endlich wieder Gold. Wjatschslaw "Slawa" Bykow soll die "Sbornaja" zum ersten WM-Titel seit 1993 führen. Dass der Heimvorteil aber Fluch und Segen sein kann, zeigt ein Blick in die Geschichte.

Viermal war die Eishockey-Elite schon bei Weltmeisterschaften zu Gast in Moskau, die Bilanz der Gastgeber dabei ist beeindruckend. Die Sowjetunion hat die Turniere 1957, 1973, 1979 und 1986 in der Luschniki-Arena ohne Niederlage überstanden. 33 Siege und 2 Remis (jeweils 1957) stehen zu Buche. Beim bisher letzten Turnier 1986 überrollte die Mannschaft, angeführt von der wohl besten Fünf-Mann-Einheit der Eishockey-Geschichte (Wjatscheslaw Fetisow-Alexej Kasatonow - Sergej Makarow-Igor Larionow-Wladimir Krutow) die Gegner mit zehn Siegen.

Heutiger Trainer sorgte 1986 für entscheidenden Treffer
Den entscheidenden Treffer (zum 3:2 gegen Schweden) erzielte in der Schlussphase damals aber ein Mann aus der zweiten Sturmreihe: Slawa Bykow. 21 Jahre später soll es der zweifache Olympiasieger und sechsfache Weltmeister an der Bande richten und den 24. Titel (22 UdSSR, 1 Russland) holen.

Bykow, auch Trainer von ZSKA Moskau, übernahm im August den Schleuderstuhl eines russischen Teamchefs, er ist bereits der 14. Teamchef seit 1992. Denn die Dominanz ist längst verloren gegangen, das perfekte Zusammenspiel ist Vergangenheit, Streit zwischen den NHL-Stars aus Amerika und den Machern in der Heimat beeinträchtigt meist die Team-Zusammenstellung.

Die herausragende Generation der 80-er Jahre will das überwinden. Fetisow ist russischer Sportminister, Makarow und Krutow seine Mitarbeiter. Und Wladislaw Tretjak, der Torhüter hinter dem legendären Super-Block und sowjetischer Eishockey-Spieler des Jahrhunderts, ist nicht nur Parlamentarier, sondern seit dem Vorjahr auch Präsident des russischen Eishockey-Verbandes.

"Machen die selben Fehler wieder und wieder"
"Jedes Jahr fahren wir zur WM mit dem gleichen, einzigen Ziel - Gold zu gewinnen. In der Vor- und Zwischenrunde gewinnen wir fast alles, aber danach scheinen wir uns selbst zu zerstören und fahren mit leeren Händen heim. Wir machen die selben Fehler wieder und wieder. Es muss einen Weg geben, das zu stoppen", erklärte er nach seiner Amtseinführung.

Der Weg führte Tretjak nach Amerika. Er reiste im Sommer nach Chicago und traf dort gut ein Dutzend russischer NHL-Spieler. Doch reibungslos lief die Nominierung auch heuer nicht. Mit Alexander Owetschkin (Washington Capitals) und Jewgenij Malkin (Pittsburgh Penguins) sind zwar die neuen russischen Superstars dabei, doch von den Torhütern gab es Absagen.

Mit der Ausbootung von Alexander Semin (Washington), der fünf Stunden zu spät ins Vorbereitungscamp einrückte und von Bykow sofort aus dem Kader geworfen wurde, zog sich der Teamchef herbe Medien-Schelte zu.

Ilja Kowaltschuk von den Atlanta Thrashers wollte Bykow ursprünglich nicht nominieren, hat den Torjäger aber nun doch eingeladen. Die russischen Medien sind zudem nur mit der Besetzung am linken Flügel zufrieden, alle anderen Positionen seien schwächer besetzt, die Torhüter-Position sei überhaupt eine Schwachstelle, schrieb das Magazin Sportexpress.

Nach zwei Niederlagen in Vorbereitungsspielen in Schweden (2:4 und 2:3) wollen sich die Russen nun gegen Österreich für die WM einschießen. "Wir werden in WM-Besetzung spielen", kündigte Bykow an.

Doch abgerechnet wird am 13. Mai. Die jüngere Geschichte allerdings verheißt nichts gutes für Bykow und sein Team. Seit seinem Treffer vor 21 Jahren ist es keiner Mannschaft mehr gelungen, vor heimischen Publikum den Titel zu holen.

Und mit dem vermeintlichen Heimvorteil haben die Russen zuletzt auch schlechte Erfahrung gemacht. Bei der WM 2000 in St. Petersburg traten die Russen mit 14 NHL-Spielern an, doch Pawel Bure, Alexej Jaschin, Waleri Kamenski oder Alexej Schamnow traten nie als Mannschaft auf und erlitten mit Rang elf die größte Schmach im russischen/Sowjetischen Eishockey.

(APA/red)